An der Uni Bremen ist heute, am 2. Oktober 2026, die Ernüchterung groß: Die gemeinsame Bewerbung mit der Universität Oldenburg als Verbund „Northwest Alliance“ ist gescheitert. Bremen darf sich künftig nicht „Exzellenzuniversität“ nennen. Die Entscheidung gaben Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und der niedersächsische Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD), stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK), in Bonn bekannt.

Für die beiden Hochschulen ging es um fast 150 Millionen Euro Fördermittel über sieben Jahre. Einzeluniversitäten erhalten als Exzellenzuniversität bis zu 15 Millionen Euro jährlich, Universitätsverbünde können bis zu 28 Millionen Euro pro Jahr bekommen. Für Bremen ist die Niederlage auch deshalb bitter, weil die Universität bereits von 2012 bis 2019 Exzellenzuniversität war und den Titel zurückerlangen wollte.

„Wissenschaftliche Stärke gezeigt“

Bremens Wissenschaftssenatorin Henrike Müller (Grüne) bedauerte die verpasste Auszeichnung. Bremen und Oldenburg hätten wissenschaftliche Stärke und internationale Wettbewerbsfähigkeit gezeigt, betonte Müller. Die Zusammenarbeit beider Universitäten soll nach ihren Worten auch unabhängig vom Exzellenzwettbewerb fortgesetzt werden.

Die SPD-Wissenschaftspolitikerin Janina Strelow bezeichnete die Entscheidung als Enttäuschung. Zugleich habe die Bewerbung den Hochschulstandort deutlich vorangebracht. Das klingt nach einem Trost, der heute vermutlich nur begrenzt hilft – aber die Kooperation ist damit nicht vom Tisch.

Neu in die Exzellenzförderung aufgenommen werden die Universitäten Freiburg, Jena und Köln. Zusätzlich werden zwei Universitätsverbünde gefördert: die Ruhr-Universität Bochum und die TU Dortmund sowie die Rhein-Main-Universitäten in Darmstadt, Frankfurt am Main und Mainz.

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Forschung am Ohr

Woran die „Northwest Alliance“ wissenschaftlich arbeitet, zeigt unter anderem das Forschungscluster Hearing4all, kurz H4a. Es verbindet die Universität Oldenburg mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Leibniz Universität Hannover. Ziel ist, Prognose, Diagnostik und Behandlung von Hörverlust zu verbessern.

Seit 2012 hat H4a in zwei Förderperioden bereits bedeutende Forschungsergebnisse erzielt. In der neuen Förderphase kommen zusätzliche Disziplinen hinzu, damit Hörverlust umfassender untersucht werden kann. Forschende setzen dabei unter anderem neue genetische Methoden ein.

Auch Künstliche Intelligenz spielt eine Rolle: Untersucht wird, wie Hörgeräte und Hörimplantate wichtige von unwichtigen Klangquellen unterscheiden können. Gemeinsame Datenstandards sollen das Training KI-basierter Systeme ermöglichen. Diese Systeme sollen individuell vorhersagen, wie wahrscheinlich das Auftreten eines Hörverlusts ist.

Ein weiteres Forschungsfeld ist die Weiterentwicklung von Hörgeräten zu einer „Gesundheitszentrale am Ohr“. Sensordaten, die am Ohr erhoben werden, könnten medizinische Langzeituntersuchungen ermöglichen und dabei helfen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Berücksichtigt wird außerdem die Lebensrealität der Betroffenen – etwa der Einfluss von Mehrsprachigkeit auf das Hören. Die Forschenden untersuchen auch, welche Bedeutung Hören für soziale Interaktionen hat.

Eine enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Partnern soll die zeitnahe praktische Anwendung der Forschungsergebnisse unterstützen. Also nicht nur Labor, Papier und Konferenzsaal, sondern möglichst bald Dinge, die im Alltag ankommen.

Was hinter der Exzellenzstrategie steckt

Am 2. Oktober 2026 wurden neue Universitäten und Universitätsverbünde als Exzellenzstandorte ausgewählt. Sie werden künftig über die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ der Exzellenzstrategie institutionell gefördert. Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen unterstützen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken, Forschungsspitzen ausbilden und die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt erhöhen.

Das dauerhaft angelegte Förderprogramm von Bund und Ländern hat zwei Förderlinien. Die „Exzellenzcluster“ unterstützen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Die „Exzellenzuniversitäten“ ermöglichen eine dauerhafte institutionelle Förderung von Universitäten und Universitätsverbünden auf Grundlage erfolgreicher Exzellenzcluster.

Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Für diese Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig. Seit 2019 erhalten zehn Universitäten und ein Universitätsverbund eine Förderung als Exzellenzstandorte.

Für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ ist der Wissenschaftsrat zuständig. Dazu gehören die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds sowie ein Neuausschreibungsverfahren für neue antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde. Die Förderung beider Linien beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro; ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf 687 Millionen Euro pro Jahr.

Gestaltet wird das Förderprogramm von einem 39-köpfigen Committee of Experts, das die GWK eingesetzt hat. Die Mitglieder verfügen über ausgewiesene Forschungserfahrung und langjährige Erfahrungen unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft. Über die Förderanträge entscheidet die Exzellenzkommission. Ihr gehören das Committee of Experts sowie die für Wissenschaft zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -minister an.

Die Exzellenzstrategie basiert auf einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Im bereitgestellten Artikeltext des Wissenschaftsrats werden die am 2. Oktober 2026 neu ausgewählten Universitäten und Universitätsverbünde allerdings nicht namentlich aufgeführt. Für Bremen und Oldenburg bleibt damit heute vor allem der Blick auf das, was trotz der Absage weiterläuft: gemeinsame Forschung, gemeinsame Projekte – und der Versuch, aus der Enttäuschung irgendwie wieder Arbeitsenergie zu machen.