Bozen bekommt ein neues Festival für Arbeitswelt, Bildung und berufliche Zukunft: Vom 12. bis 14. November findet erstmals „Connecting BZ“ an verschiedenen Orten der Stadt statt. Geplant sind Diskussionsrunden, Workshops, Begegnungen, Shows und Mitmachangebote. Die Idee orientiert sich am Wirtschaftsfestival in Trient, das bereits seit 20 Jahren besteht.

Organisiert wird die Veranstaltung von der Stadtgemeinde Bozen. 25 Programmpunkte mit mehr als 100 Referentinnen und Referenten sollen Menschen auf der Suche nach beruflichen Perspektiven mit Unternehmen, Institutionen und weiteren Akteuren zusammenbringen. Auch Kooperationen sollen entstehen – und Bozen für junge Talente attraktiver werden.

Ein Festival mit vielen Stimmen

Beteiligt sind Unternehmen, Branchen- und Genossenschaftsverbände, Gewerkschaften, Berufskammern, Universitäten, Schulen, Institutionen sowie Bürgerinnen und Bürger. Unter der Schirmherrschaft der Autonomen Provinz Bozen, der Handelskammer Bozen und der Freien Universität Bozen arbeitet die Stadt mit der Messe Bozen und Good Life zusammen.

Inhaltlich reicht das Spektrum von der Attraktivität von Unternehmen über Bildung und Ausbildung bis zu den Veränderungen der Arbeitswelt. Auch Generationenwechsel, Talentförderung, Lebensqualität, die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf sowie persönliche und berufliche Entwicklung stehen auf dem Programm.

Vorgestellt wurde die Initiative im Alten Rathaus unter den Bozner Lauben. Dabei waren unter anderem Bürgermeister Claudio Corrarati, Landeshauptmann-Stellvertreter Marco Galateo, Programmverantwortlicher Luca Barbieri sowie Vertreterinnen und Vertreter der Partnerorganisationen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Corrarati sagte, das Festival solle neben Betriebsschließungen und Arbeitsplatzverlusten auch die Chancen des lokalen Arbeitsmarktes sichtbar machen. Bozen verfüge über erfolgreiche und innovative Unternehmen in verschiedenen Branchen und biete jungen Menschen qualifizierte Arbeitsplätze und berufliche Perspektiven. Die Stadtverwaltung will deshalb Unternehmen, Backoffices, Restaurants und Hotels besuchen und deren Erfolgsgeschichten vorstellen.

Drei Tage, viele Schauplätze

Am Donnerstag, dem 12. November, steht „Bozen, Zukunftslabor“ im Mittelpunkt. Im Festsaal des Rathauses sprechen Giulio Buciuni von der Trinity Business School in Dublin und Isabell M. Welpe von der Technischen Universität München über städtische Innovationsökosysteme, neue Führungsmodelle und die Zukunft der Arbeit. Danach diskutieren Vertreterinnen und Vertreter von HDS, Confindustria Alto Adige, LVH-APA, CNA Alto Adige, Südtiroler Bauernbund, HGV, Confesercenti, Raiffeisenverband Südtirol, Coopbund und AGCI Alto Adige.

Im Theater Rainerum geht es mit Claudio Cerasa und Inès Makula um Optimismus, Vertrauen, den Umgang mit Veränderungen und Zukunftsgestaltung. Ein ziemlich großer Bogen für den ersten Tag – aber genau dafür sind Festivals ja da.

Der Freitag, 13. November, gehört Jugend, Unternehmen und Arbeitswelt. Junge Botschafterinnen und Botschafter stellen Schülerinnen und Schülern der vierten und fünften Klassen Berufe, Karrierewege und Möglichkeiten in Bozen vor. Die Gewerkschaften CGIL/AGB, CISL/SGB, UIL/SGK und ASGB beantworten Fragen zum Arbeitsmarkt.

Beim „Tag der offenen Türen im Rathaus“ lernen Oberschulen und Universitätsklassen Geschichte, Funktionsweise, Berufsbilder und Beschäftigungsmöglichkeiten der Stadtverwaltung kennen. An der Freien Universität Bozen diskutieren Marjaana Gunkel, Daniela Niederstätter, Francesca Zeni und Linus Siming über Erwartungen junger Generationen, Kompetenzen, Organisationsmodelle und die Attraktivität von Unternehmen.

Dazu kommen Betriebsbesichtigungen, Workshops und Begegnungen. Der Südtiroler Bauernbund und der Raiffeisenverband stellen Mila und die Kellerei Bozen vor. Confartigianato Imprese und NOI Techpark widmen sich in einem Workshop Handwerk und Innovation. Im Cristallo Young bietet CNA Alto Adige praktische Handwerksworkshops für Kinder an, während AGCI und Coopbund über Genossenschaften informieren.

Der HGV ermöglicht Einblicke in sechs Hotels: Parkhotel Laurin, Hotel La Briosa, Parkhotel Mondschein, Hotel Castel Hörtenberg, Stadt Hotel Città und Falkensteiner Hotel Bozen WaltherPark. Confesercenti lädt auf dem Maria-in-der-Au-Platz zu einer Diskussion über öffentlichen Raum, Lebensqualität in den Stadtvierteln und den lokalen Einzelhandel ein.

HDS veranstaltet „Next Generation 6.0 – Lust auf Wirtschaftlich?“. Unternehmerinnen und Unternehmer erzählen Jugendlichen von ihren Erfahrungen. Außerdem öffnet die Stadtverwaltung Rathaus, Gemeinderatssaal und Verwaltungsbüros für Bürgerinnen und Bürger. Im Theater Rainerum endet der Tag mit der Show „Die Wellenlänge des Glücks“ von Gabriella Greison.

Jobmesse mit Quiz und Gastronomierobotern

Am Samstag, dem 14. November, zieht das Festival in die Halle H1 der Messe Bozen. Gemeinsam mit Good Life bildet die Good Job Fair den Abschluss. Die für alle Bürgerinnen und Bürger offene Veranstaltung bietet Panels zu Nachhaltigkeit, Arbeit, Unternehmertum, Frauenwirtschaft, kultureller und touristischer Attraktivität, freien Berufen, Familienunternehmen und Generationenwechsel.

Ein weiteres Panel fragt, wie Sport, Arbeit und Unternehmertum zusammenhängen und ob sich Kompetenzen aus dem Leistungssport auf die Unternehmenswelt übertragen lassen. Als Beispiele und Gesprächspartner sind unter anderem Alexander Egger, Maicol Verzotto und Kathrin Ress vorgesehen.

Im Ausstellungs- und Erlebnisbereich wird es praktisch: Optometristinnen und Optometristen bieten Sehtests an, Gastronomieroboter werden vorgeführt, hochwertiges Handwerk wird präsentiert. Dazu kommen interaktive Quizze über Bozen und die Stadtverwaltung. Nicht schlecht für eine Jobmesse – da bleibt man vielleicht doch länger als geplant.

Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Eine Anmeldung über die Connecting-Bz-Website wird empfohlen. Weitere Informationen gibt es unter www.connecting-bz.it/de/; das Festival ist außerdem auf Instagram, Facebook und LinkedIn vertreten.

Arbeitsmarkt unter Druck

Der Zeitpunkt passt zu einer Arbeitswelt, in der sich die Kräfte sichtbar verschieben. Laut dem aktuellen Arbeitsmarktbericht zählt Südtirol 250.000 Beschäftigte. Das verringert die Gefahr einer steigenden Arbeitslosenquote; Wirtschaftsrings-Präsident Sandro Pellegrini bezeichnete die Zahl als Erfolgsmeldung.

Gleichzeitig fehlen hochqualifizierte Arbeitskräfte. Der Wettbewerb zwischen Arbeitgebern wird dadurch härter. Unternehmen konkurrieren laut Pellegrini heute weniger über ihre Produkte als um qualifizierte Mitarbeiter.

Beschäftigte können stärker mitbestimmen, wann und wo sie arbeiten. Wer mit seiner Arbeitsstelle unzufrieden ist, findet laut Pellegrini meist schnell eine neue Stelle. Gesuchte Fachkräfte können sich ihre Arbeitgeber zunehmend aussuchen, während Unternehmen laufend um ihre Bindung kämpfen müssen.

Das wirkt sich auch auf die Gehälter aus: Gut ausgebildete Beschäftigte können laut Pellegrini angemessene Bezahlung durchsetzen. Unterqualifizierte Arbeitskräfte verdienen häufig weniger und leisten laut Pellegrini entsprechend weniger. Für Betriebe heißt das, faire Löhne und den Mangel an qualifizierten Kräften irgendwie zusammenzubringen.

Der Personalmangel verändert sogar das Angebot. In Pellegrinis Bäckerei wurde die Zahl der Brotsorten von früher etwa 70 auf heute ungefähr 50 reduziert. Eine kleinere Produktpalette erleichtert die Produktion, löst das Problem aber nur teilweise. Vielfalt, Qualität und Kreativität geraten unter Druck; Unternehmen konzentrieren sich stärker auf wesentliche Angebote.

Pellegrini fordert deshalb mehr Planungssicherheit durch die Politik. Frühzeitig sollte festgelegt werden, wie viele Fachkräfte – etwa Ingenieure oder Doktoren – künftig gebraucht werden. Junge Menschen könnten gezielter ausgebildet werden, Betriebe besser einschätzen, ob ausreichend Fachkräfte verfügbar sein werden. Zusätzlich müsse das Wohnungsproblem in Südtirol gelöst werden, damit die Region als Arbeitsmarkt attraktiv bleibt.

Trotz des Fachkräftemangels bleibt Südtirol für Beschäftigte attraktiv. In München an der TUM, wo dieser Text am 30.10.2026 entsteht, klingt die Frage aus Bozen deshalb ziemlich vertraut: Wo entstehen die nächsten guten Jobs – und wer zeigt sie den Leuten endlich?