Cyberangriff legt digitale Infrastruktur der Universität Leipzig lahm
Seit dem Cyberangriff vom 28. Oktober 2026 steht die Universität Leipzig weitgehend ohne ihre gewohnte digitale Infrastruktur da. Auch am 30. Oktober sind die IT-Systeme weiterhin größtenteils offline. Internetverbundene Server hatte die Universität bereits am Mittwoch vorsorglich abgeschaltet, um weiteren Schaden zu verhindern.
Rektorin Eva Inés Obergfell leitet einen eingerichteten Krisenstab. Das Universitätsrechenzentrum untersucht den Vorfall, zusätzlich wurde ein externer IT-Notfall-Dienstleister beauftragt. Die zuständigen Behörden sind informiert. Wann die Dienste vollständig oder auch nur teilweise wieder anlaufen, ist offen. Einen konkreten Wiederanlauftermin nennt die Universität nicht.
Studium läuft weiter – digital wird es kompliziert
Alle IT-Dienste und regulären Webseiten bleiben vorerst deaktiviert. Für die mehr als 30.000 Studierenden sind AlmaWeb und Moodle nicht erreichbar. Damit fehlen unter anderem Stundenpläne, Veranstaltungsverzeichnisse, Noten und universitäre Mitteilungen. E-Mails können Studierende und Beschäftigte derzeit ebenfalls nicht senden oder empfangen.
Auch Immatrikulationsbescheinigungen lassen sich momentan nicht herunterladen. Die Dokumente werden etwa für BAföG-Anträge, Semestertickets und Kindergeld benötigt. Vor Hörsälen bleiben digitale Anzeigetafeln dunkel, weshalb Veranstaltungsorte teilweise unklar sind. Kurz vor Fristabläufen können viele Studierende außerdem Seminararbeiten, Portfolios und andere prüfungsrelevante Unterlagen nicht hoch- oder herunterladen.
Nach Angaben der Universität wurden Fristen für Online-Abgaben auf den 6. November verschoben. Eine technische Störung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede Frist verlängert wird oder jede Veranstaltung ausfällt. Wer eine konkrete Abgabe oder einen Termin betroffen sieht, sollte ausdrücklich bestätigte Informationen der zuständigen Einrichtung suchen und dokumentieren. Arbeiten, die ohne Hochschulsysteme möglich sind, können mit zulässigen Unterlagen vorbereitet werden.
Die Präsenzlehre findet weiterhin statt. Digitale Lehrveranstaltungen müssen teilweise verschoben oder über externe Plattformen angeboten werden. Die hochschulöffentliche Vorstellung der Kandidatin für die anstehende Rektoratswahl soll am Freitag wie geplant stattfinden – einen Livestream wird es wegen des IT-Ausfalls jedoch nicht geben.
Ersatzseite und eingeschränkte Kommunikation
Als Informationsquelle hat die Universität eine offizielle Ersatzwebseite unter www.uni-leipzig.de eingerichtet. Dort soll über die weitere Entwicklung informiert werden; vorgesehen sind auch FAQ für Beschäftigte und Studierende. Das Universitätsrechenzentrum will Fakultäten und Einrichtungen zudem Funktionspostfächer für eine eingeschränkte Kommunikation bereitstellen. Ob einzelne Postfächer bereits tatsächlich verfügbar sind, sollte geprüft werden.
Weitere Informationen sollen fortlaufend auf der Ersatzwebseite und dem Instagram-Kanal der Universität erscheinen. Der Student*innenRat berichtet von zahlreichen Anfragen, weil Studierende bei Problemen kaum Ansprechstellen erreichen. Für konkrete Anliegen – etwa Lehrpersonenkontakte, Unterlagen oder Abgaben – sollten Betroffene die offizielle Ersatzseite und die dort genannten Kontakte prüfen. Weitergeleitete Nachrichten sind nicht automatisch aktuell; Angaben sollten mit Quelle und Datum versehen werden.
Welche Systeme in welchem Umfang betroffen sind und welche Auswirkungen das auf einzelne Termine hat, war am 29. Oktober noch nicht vollständig beschrieben. Allgemeine Ausfallmeldungen ersetzen deshalb keine persönliche Bestätigung durch die zuständige Einrichtung.
Angriffsweg und Datenabfluss bleiben offen
Unklar ist weiterhin, wie die Angreifer in die Systeme gelangten, ob Daten abgeflossen sind und welche Hintergründe der Angriff hatte. Die Mitteilungen nennen keinen konkreten Angriffsweg und keine verantwortliche Tätergruppe. Auch ein bestimmter Umfang eines möglichen Datenabflusses wurde nicht bestätigt.
Aus dem Ausfall lässt sich weder ableiten, dass persönliche Daten gestohlen wurden, noch, dass Entwarnung besteht. Die Bezeichnung „Ransomware“ ist ebenfalls nicht bestätigt. Ein genaues Wiederanlaufdatum lässt sich aus der bisherigen Ausfalldauer nicht ableiten. Die Universität untersuchte den Vorfall am Stand des Beitrags vom 29. Oktober weiter; Täter, Datenverlust und Wiederanlauftermin waren zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigt.
Vorsicht vor vermeintlicher Hilfe
In einer solchen Lage wirken angebliche Freischalt- oder Hilfsmails schnell plausibel. Trotzdem sollten verdächtige Links und Anhänge nicht geöffnet werden. Absender lassen sich bei Bedarf über einen unabhängig bestätigten Weg überprüfen. Offizielle Informationen sollten über eine selbst eingegebene, bekannte Adresse aufgerufen werden – nicht über einen Link aus einer weitergeleiteten Nachricht.
Passwörter und Bestätigungscodes gehören nicht in die Hände angeblicher Helfer. Die Behörde empfiehlt grundsätzlich unterschiedliche starke Passwörter und, sofern verfügbar, Zwei-Faktor-Authentifizierung. Änderungen am Universitätskonto sollten ausschließlich anhand offizieller Hinweise und über bestätigte Dienste vorgenommen werden. Unbekannte Tools oder Programme eignen sich nicht zur eigenständigen Wiederherstellung ausgefallener Zugänge.
Vertrauliche Forschungs-, Personal- oder Prüfungsunterlagen sollten außerdem nicht eigenmächtig in private Ersatzdienste übertragen werden. Maßgeblich bleiben die später veröffentlichten offiziellen Anweisungen der Universität – auch wenn der digitale Alltag gerade reichlich improvisiert aussieht.
