Am 4. Oktober 2026 klingt der Mond im Verkehrsmuseum Dresden näher, als er von Sachsen aus tatsächlich ist. Raumfahrtprofessor Martin Tajmar von der TU Dresden skizziert beim Forum Mobilität die Idee eines künftigen „Weltraumbahnhofs Dresden“: Online-Ticket buchen, einsteigen, ins All starten – und irgendwann vielleicht weiter zum Mond. Das hat einen gewissen Science-Fiction-Funkelglanz.

Nur: Eine konkrete Planung ist das nicht. Dresden hat keinen Raketenstartplatz, für Passagierflüge von Sachsen zum Mond gibt es weder ein Projekt noch einen Zeitplan. Tajmar leitet seit 2014 das Institut für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden und hat dort seit 2012 die Professur für Raumfahrtsysteme inne. Seine Begeisterung für Raumfahrt ist spürbar, seine Visionen reichen weit: Rohstoffabbau auf dem Mond und auf Asteroiden, vielleicht sogar die Verlagerung belastender Industrie ins All. Ob daraus eines Tages ein regelmäßiger Massentransport von Menschen wird, bleibt offen.

Zwischen Starship und Mondprogramm

Technisch bewegt sich derzeit trotzdem einiges. SpaceX brachte am 28. September 2026 sein Starship erstmals regulär in den Orbit und setzte 26 Starlink-V3-Satelliten aus. Es war der 14. Testflug des Systems und die erste Starship-Mission mit kommerzieller Nutzlast. Wegen eines Triebwerksproblems wurde der Flug allerdings früher als vorgesehen beendet. Das Raumschiff bleibt also Entwicklungssache, nicht Linienverkehr.

Die NASA kündigte ihren exklusiven Vertrag mit SpaceX für die Mondlandemission Artemis III. 2021 hatte das Unternehmen dafür eine Zusage über 4,4 Milliarden US-Dollar erhalten. Mit Starship sollten erstmals seit 1972 wieder Menschen auf den Mond gebracht werden. Die US-Regierung wirft SpaceX nun vor, bei der Entwicklung hinter dem Zeitplan zu liegen. Die Raketenentwicklung verlief schwieriger als geplant, in den vergangenen Jahren gab es mehrere Fehlschläge; am 18. Juni explodierte eine Rakete noch auf dem Teststand.

Zwei Testflüge im August und Oktober verliefen dagegen erfolgreich: Starship hob ab, Booster und Oberstufe trennten sich, das Aussetzen von Satelliten wurde simuliert, anschließend landete die Rakete planmäßig im Indischen Ozean. NASA-Chef Sean Duffy erklärte, die USA befänden sich in einem Wettbewerb mit China und wollten noch während Donald Trumps Amtszeit zum Mond zurückkehren. Auf ein einzelnes Unternehmen werde die NASA nicht warten, sagte Duffy, weil SpaceX hinter dem Zeitplan liege.

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Nach aktueller NASA-Planung soll Artemis III 2027 zunächst das Andocken an kommerzielle Mondlandesysteme in einer erdnahen Umlaufbahn testen. Eine ursprünglich für 2027 geplante Mondlandung gilt derzeit als nicht realistisch; als möglicher Termin wird 2028 genannt. Bei Artemis II sollen im kommenden Jahr erstmals seit Jahrzehnten wieder Menschen zum Mond fliegen – sie werden ihn jedoch nur umrunden. Die erste bemannte Landung am Südpol des Mondes ist für Artemis IV im Jahr 2028 vorgesehen.

Neben SpaceX entwickeln Blue Origin, Boeing, Lockheed Martin und Northrop Grumman am Artemis-Programm mit und können sich erneut um den Auftrag für Artemis III bewerben. Die NASA will mehrere Unternehmen konkurrieren lassen und den Auftrag an jenes vergeben, das zuerst eine Landung ermöglicht. Artemis soll im Gegensatz zum Apollo-Programm eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond vorbereiten. Eine mögliche Mondbasis könnte später bemannte Marsmissionen unterstützen.

Die NASA entwickelt gemeinsam mit SpaceX eine Mondversion des Starship für künftige Artemis-Missionen. Das System soll Astronauten von der Mondumlaufbahn zur Oberfläche und zurück transportieren. Gleichzeitig arbeitet Blue Origin für die NASA am Mondlander „Blue Moon“; für spätere Artemis-Missionen sollen SpaceX und Blue Origin Mondlandefähren bereitstellen.

Am 29. September 2026 nahm die NASA eine größere Variante der Blue-Origin-Rakete New Glenn in ihren Vertrag für künftige Starts auf. Anfang September erhielt Blue Origin außerdem einen NASA-Auftrag für ein Kommunikationsnetz am Mars. Er kann bis zu 700 Millionen US-Dollar wert sein; ein entsprechender Orbiter soll spätestens Ende 2028 geliefert werden.

Was Dresden schon kann

Der Weg zum Mond beginnt in Dresden derzeit nicht mit einer Rampe, sondern mit Prüfständen, Platinen und ziemlich viel Geduld. Tajmars Team arbeitet unter anderem an neuartigen Satellitenantrieben. Ein europäisches Forschungsprojekt untersucht ein treibstoffloses Antriebssystem mit langen leitfähigen Bändern, dem Erdmagnetfeld und Solarenergie. Die benötigten Komponenten werden in Weltraumsimulationskammern der TU Dresden getestet.

Das Dresdner Unternehmen Morpheus Space, eine TU-Ausgründung, eröffnete 2024 eine Produktionsstätte für Satellitenantriebe. Phytronic, Neosat und Inradios arbeiten an Satellitenkommunikation und Raumfahrttechnik. Rohde & Schwarz übernahm Phytronic und Neosat im September 2026 und erweitert damit seinen Raumfahrtbereich in Dresden.

Auch Sachsen will ins Orbitgeschäft hineinhorchen: Mit „Saxon-1“ ist eine eigene Satellitenmission geplant, bei der Raumfahrttechnik unter realen Bedingungen im Orbit getestet werden soll. Mehrere sächsische Unternehmen wollen sich beteiligen. Ein Cape Canaveral wird Dresden dadurch nicht. Dafür ist die Stadt bei Antrieben, Kommunikation und Satellitentechnik Teil der wachsenden New-Space-Industrie – und genau dort liegt ihre derzeitige Rolle.

Private Astronautenflüge zeigen, wohin die Reise gehen könnte. Axiom Space hat bereits mehrere private Astronautenmissionen organisiert; die fünfte Mission zur ISS ist frühestens für Januar 2027 geplant. Die NASA wählte mit Vast einen weiteren Anbieter für eine private ISS-Mission aus, die frühestens im Sommer 2027 stattfinden soll. Vast entwickelt zugleich kommerzielle Raumstationen, die langfristig Aufgaben der ISS übernehmen könnten. Private Astronautenmissionen gehören für die NASA zur Strategie für eine kommerzielle Wirtschaft im erdnahen Orbit.

Der große Markt hinter den kleinen Satelliten

Deutschland beschäftigte 2024 rund 10.000 Menschen direkt in der Raumfahrtindustrie und zählt neben Frankreich zu den größten ESA-Geldgebern. 2021 verfügte Deutschland über etwa 10.200 Raumfahrtexperten. Die Branche ist längst nicht nur Prestige und Raketenlärm: Investitionen fördern Künstliche Intelligenz, Quantencomputing und Weltraumfertigung. Laut ESA bringt jeder investierte Euro einen wirtschaftlichen Ertrag von 3 bis 7 Euro.

Die globale Weltraumwirtschaft erzielte 2023 rund 339 Milliarden Euro Umsatz. 242 Milliarden Euro entfielen auf die nichtstaatliche unbemannte Raumfahrt, 97 Milliarden Euro auf die bemannte Raumfahrt. Die unbemannte Raumfahrt wuchs zwischen 2013 und 2023 um 23 Prozent. Die globale private Weltraumwirtschaft legte in diesem Zeitraum um 45 Milliarden Euro beziehungsweise 23 Prozent zu. Für die weltraumbasierte Wirtschaft wird ein jährliches Wachstum von 9 Prozent erwartet; bis 2035 soll sie einen Umsatz von 1,68 Billionen Euro erreichen.

Die Zahlen verteilen sich allerdings nicht gleichmäßig. Bayern verfügt über rund 8.000 direkte Raumfahrtarbeitsplätze und etwa 30.000 Beschäftigte im Luft- und Raumfahrtsektor. Rund 500 Luft- und Raumfahrtunternehmen erwirtschaften dort etwa 12 Milliarden Euro Jahresumsatz. Rund 40 Prozent der nach Deutschland zurückfließenden ESA-Fördermittel gehen nach Bayern. Bremen zählt rund 140 Raumfahrtfirmen, 20 Forschungsinstitute und 12.000 Beschäftigte; die Branche kommt dort auf etwa 4 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Zu den wichtigen Unternehmen gehören OHB, MT Aerospace, Airbus Defence and Space, Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg. OHB erwartet eine Wachstumsphase und plant Neueinstellungen. Deutschland ist besonders in Satellitentechnik, Erdbeobachtung und Navigation aktiv. Rund 80 Prozent der globalen Wettervorhersagen basieren auf Satellitendaten. OHB arbeitet unter anderem am Galileo-Programm und an wissenschaftlichen Missionen, Jena-Optronik liefert Sensoren für NASA- und ESA-Missionen.

Ein paar Zahlen wirken fast körperlich: Die Kosten für Satellitenstarts sanken innerhalb von 20 Jahren um 90 Prozent. Zwischen 2019 und 2023 stieg die Zahl der jährlich gestarteten Satelliten im Durchschnitt um 50 Prozent. Start-ups wie Isar Aerospace und HyImpulse entwickeln eigene Trägerraketen. Im privaten Markt dominieren US-Unternehmen: SpaceX kommt auf einen Unternehmenswert von rund 168 Milliarden Euro und etwa 13.000 Beschäftigte, Lockheed Martin auf rund 93,5 Milliarden Euro, Boeing Defense auf rund 21,5 Milliarden Euro. General Dynamics erzielte rund