Am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) können starke Raucherinnen und Raucher seit April 2026 an einer qualitätsgesicherten Lungenkrebs-Früherkennung teilnehmen. Das Krankenhaus ist nach eigenen Angaben das erste und bislang einzige Zentrum in Niedersachsen, das ein solches CT-Screening anbietet. Angeschlossen ist es an die Institutsambulanz für Lungenkrebs-Früherkennung der EKW-Radiologie.

Hinter dem Angebot steht das überregionale Netzwerk „Lungenkrebs CT-Screening Mitteldeutschland“, das am EKW gegründet wurde. Mehr als 100 Pneumologen, Internisten und Allgemeinmediziner aus Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sind beteiligt. Initiator ist Prof. Dr. Christoph Engelke, Chefarzt der diagnostischen und interventionellen Radiologie am EKW.

Wer teilnehmen kann

Gedacht ist die Untersuchung für gesetzlich Krankenversicherte zwischen 50 und 75 Jahren. Sie müssen mindestens 25 Jahre lang stark geraucht haben und auf mindestens 15 sogenannte Packungsjahre kommen. Ein Packungsjahr entspricht 20 gerauchten Zigaretten täglich über ein Jahr – also einer Packung pro Tag. Wer aufgehört hat, darf insgesamt höchstens zehn Jahre Rauchpause innerhalb dieses Zeitraums haben; alternativ gilt: Der Rauchstopp liegt weniger als zehn Jahre zurück.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Grundlage sind die Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung mit ihren Vorgaben zur Teilnahmeberechtigung und Qualitätssicherung sowie die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die den Leistungsanspruch für gesetzlich Versicherte regelt. Der G-BA hatte 2025 beschlossen, die CT-Früherkennung als Kassenleistung anzubieten.

Am Anfang steht allerdings nicht sofort das Gerät. Teilnehmende Internisten sowie Allgemein- oder Arbeitsmediziner prüfen zunächst, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. In einem ärztlichen Gespräch informieren sie über den möglichen Nutzen und die möglichen Schäden der Niedrigdosis-CT und halten die Ergebnisse in einem Bericht für die Versicherten fest. Anschließend gibt es bei erfüllter Berechtigung eine Überweisung an eine teilnehmende Radiologiepraxis. Im EKW gehören dazu ein Auswahlgespräch und eine Voruntersuchung durch Netzwerkärzte.

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Millimeter statt großer Schatten

Vor der Untersuchung erklärt die Radiologin oder der Radiologe den Ablauf noch einmal. Dann folgt eine künstlich-intelligenzgestützte Ultra-Low-Dose-CT. Die Lunge wird hochauflösend und dreidimensional dargestellt, mögliche Herdbefunde werden nach ihrem Volumen erfasst. Laut EKW kann die Niedrigdosis-CT auch kleinste Tumorherde im Millimeterbereich erkennen.

Die Strahlenbelastung entspricht nach Angaben des Krankenhauses durchschnittlich etwa der Dosis von zwei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und liegt unter den gesetzlichen Anforderungen für das CT-Screening. Die Erstbefundung übernehmen radiologische Fachkräfte mit entsprechender Genehmigung. Nach der Untersuchung erhalten die Teilnehmenden ihren Befund und, falls nötig, eine ausführliche Beratung.

Bei einem unauffälligen Ergebnis besteht nach zwölf Monaten erneut Anspruch auf eine Niedrigdosis-CT. Die Teilnehmenden werden in ein strukturiertes Früherkennungsprogramm aufgenommen, die Folgetermine jeweils direkt nach der Untersuchung vereinbart. Bei einem kontroll- oder abklärungsbedürftigen Befund wird die Aufnahme an einen teilnehmenden Zweitbefunder übermittelt. Dieser beurteilt sie unabhängig vom ersten Befunder; anschließend stimmen sich beide ab und erstellen eine gemeinsame Beurteilung.

Wenn etwas auffällig ist

Ein kontrollbedürftiger Befund ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gutartig und begründet keinen konkreten Krankheitsverdacht. In diesem Fall empfehlen Erst- und Zweitbefunder den nächsten Kontrolltermin innerhalb von weniger als zwölf Monaten. Deutet die Aufnahme dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Lungenkrebs hin, liegt ein konkreter Krankheitsverdacht vor. Weitere Maßnahmen müssen dann unverzüglich eingeleitet werden; der Erstbefunder bespricht die nächsten Schritte zeitnah mit der versicherten Person.

Am EKW geht ein Verdacht ohne Zeitverlust in die interdisziplinäre Tumorkonferenz des Lungentumorzentrums der Universitätsmedizin Göttingen. Dort beraten unter anderem Radiologen, Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und Nuklearmediziner. Die weitere Diagnostik und Therapie sollen gemeinsam und individuell festgelegt werden.

Der Grund für den Aufwand liegt auf der Hand, auch wenn Lungenkrebs oft lange keine deutlichen Signale sendet: In Deutschland ist er die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die dritthäufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Beschwerden treten häufig erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Wird der Krebs in Stadium III oder IV entdeckt, sind die Heilungschancen meist deutlich eingeschränkt. Eine Diagnose in Stadium I gilt dagegen als entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.

Das Netzwerk unterstützt außerdem bei der Rauchentwöhnung. Weitere Informationen für Ärztinnen und Ärzte, die am Screening teilnehmen möchten, gibt es auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zum Lungenkrebs-Screening. Die KBV-Praxisinformation selbst enthält in der vorliegenden Quelle keinen auswertbaren Artikeltext; sie besteht überwiegend aus binären PDF- und Bilddaten.