Am Montag, 19. Oktober 2026, zeigt WueHealth im Central im Bürgerbräu in Würzburg den Film „Lügen über meine Mutter“. Die Vorführung beginnt um 17:45 Uhr und endet um 20:00 Uhr. Im Mittelpunkt stehen Familie, Essstörungen und der Mut, den eigenen Weg zu gehen – kein leichter Stoff, aber einer, der nah am Alltag vieler Menschen liegt.

Nach dem Film ist ein Gespräch mit den Expertinnen Jana Kürschner und Sina Wunderle geplant. Dabei geht es um Austausch, Fragen und persönliche Perspektiven. Studierende zahlen 8 Euro, Mitarbeitende 10 Euro. Tickets können gekauft oder reserviert werden. Die Veranstaltung ist den Kategorien Gesundheit und Veranstaltung zugeordnet.

Wenn Essen, Körper und Familie ineinandergreifen

Essstörungen betreffen nicht nur die erkrankte Person. Auch Eltern, Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte stehen oft ratlos daneben. Ambulante Beratung bieten spezialisierte Beratungsstellen, Frauen-, Jugend- und Suchtberatungsstellen sowie Gesundheitsämter an. Wichtig ist dabei erfahrenes Fachpersonal mit essstörungsspezifischer Kompetenz.

Beratungsstellen helfen unter anderem bei der Entscheidung für eine Therapie, bei der Suche nach Behandlungsstellen und Selbsthilfegruppen sowie beim Überbrücken der Wartezeit bis zum Behandlungsbeginn. Eltern können Hinweise zum Umgang mit betroffenen Kindern erhalten. Je nach Angebot gibt es außerdem Gruppen, Nachsorge, Fachberatung, Fortbildungen und Präventionsmaßnahmen für Schulen.

Die Beratung ist meistens kostenfrei, Beratende unterliegen grundsätzlich der Schweigepflicht. Neben persönlichen Gesprächen gibt es telefonische und internetbasierte Angebote, etwa per Chat oder E-Mail. Die BZgA stellt zudem eine bundesweite Suchfunktion für Beratungs- und Behandlungseinrichtungen bereit. Der Bundesfachverband Essstörungen e. V. ermöglicht eine nach Postleitzahlen sortierte Suche nach Behandlungsplätzen.

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Informationen, Screening und Leitlinien

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA, bietet verständliche Informationen zu Essstörungen für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Das Bundesministerium für Gesundheit stellt Informationsflyer für Eltern, Angehörige, Lehrkräfte sowie pädagogische und psychosoziale Fachkräfte bereit. Eine kostenlos erhältliche, vom BZgA geförderte Informationsbroschüre bietet außerdem die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. an.

Eine umfassende Patientenleitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, AWMF, informiert über verschiedene Essstörungen, Diagnostik und Behandlung und gibt einen detaillierten Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten. Beim SWR-Angebot „Planet Schule“ ist außerdem eine Dokumentation zu Essstörungen verfügbar.

Ein Online-Screening mit acht Fragen erfasst essstörungsbezogene Gedanken und Verhaltensweisen und dauert ungefähr eine Minute. Es kann Hinweise auf ein erhöhtes Risiko geben, ersetzt aber keine Diagnose. Erfahrungsberichte ehemaliger oder aktueller Betroffener können Patientinnen und Angehörigen Mut machen.

Vor sogenannten „Pro Ana“- und „Pro Mia“-Websites wird gewarnt. Sie verherrlichen Essstörungen, verharmlosen deren potenziell lebensbedrohliche Folgen und können die Aufrechterhaltung der Erkrankung fördern. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet dazu den kostenlosen Ratgeber „Gegen Verherrlichung von Essstörungen im Internet“ für Eltern, Fachleute und Provider an.

Die BZgA und die Initiative „Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“ haben Empfehlungen für eine integrierte Versorgung entwickelt. Der Bundesfachverband Essstörungen e. V. veröffentlicht kostenlos Qualitätsleitlinien für digitale Beratungsangebote professioneller Beratungsstellen.

Eine Playlist über Körperbild und Genesung

Die von der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen, DGESS, kuratierte Playlist versammelt Songs zu Körperbild, Selbstakzeptanz, Selbstwert, gesellschaftlichen Erwartungen, Essstörungen und Genesung. Vollständig ist die Auswahl nicht, und als therapeutische Empfehlung ist sie ausdrücklich nicht gedacht. Musik kann unterstützen, ersetzt aber keine fachliche Beratung oder Behandlung.

Einige Lieder enthalten direkte oder explizite Beschreibungen von Körper, Gewicht, Aussehen, Scham oder Essstörungen. Hörerinnen sollten selbst entscheiden, was ihnen guttut, und belastende Songs abbrechen.

  • Sarah Ehrenfried – „The Weight“: Der Song verarbeitet Erfahrungen mit einer Binge-Eating-Störung. Er beschreibt Scham, einen stark auf Essen konzentrierten Alltag, selbst auferlegten Druck und emotionales Überessen. Die Sängerin möchte Binge-Eating sichtbarer machen und Betroffenen vermitteln, dass sie mit ihren Gedanken und Gefühlen nicht allein sind.
  • Lina Maly – „Schön genug“: Im Mittelpunkt stehen Selbstannahme und die Frage, warum man ständig schöner, besser oder perfekter werden sollte.
  • Mayberg – „Der schönste Mensch der Welt“: Der Song setzt sich damit auseinander, den eigenen Wert nicht von der Bewertung anderer abhängig zu machen.
  • Haller – „Schön genug“: Thematisiert werden Unsicherheiten bezüglich Aussehen und Körper sowie die Bewertung durch andere. Der eigene Wert, so die zentrale Perspektive des Stücks, hängt nicht davon ab, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen.
  • Kim Hoss – „Underboob Sweat“: Der Song nennt Körpermerkmale wie Falten, Körperfett, Härchen, Dehnungsstreifen und Schweiß. Dem Körperoptimierungsdruck stellt er die Aufforderung entgegen, den Körper als Teil des Lebens anzunehmen. Das Stück enthält direkte Beschreibungen von Körpermerkmalen und teilweise explizite Sprache.

Vorschläge für weitere passende Songs können an die Redaktion geschickt werden; eine Aufnahme in die Playlist wird nicht garantiert. Spotify und YouTube sind externe Anbieter, bei deren Nutzung jeweils deren Datenschutzbestimmungen gelten.

Am 19. Oktober dürfte es im Central im Bürgerbräu also nicht bei einer Filmvorführung bleiben. Nach dem Abspann wird weitergeredet – über das, was Familien verschweigen, über Blicke auf Körper und Essen und vielleicht auch über den ersten Schritt, wenn man merkt: So wie bisher geht’s nicht weiter.