Heute, am 8. Oktober 2026, ist der Innovationspreis NRW beim Innovationskongress NRW in Düsseldorf verliehen worden. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur zeichnete dabei erstmals ausschließlich Frauen aus. Die Preisträgerinnen und Nominierten kommen aus Aachen, Meckenheim, Münster und Herzogenrath und arbeiten an Lösungen für Gesundheit, Recycling, Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung.

Von der RWTH Aachen aus betrachtet, wirkt die Bandbreite fast wie ein kleines Panorama moderner Forschung und Unternehmenspraxis: künstliche Intelligenz, Pflanzenkohle, industrielle Kreisläufe und digitale Haushaltsplanung liegen hier erstaunlich dicht beieinander. Ausgewählt wurden die Frauen von einer Jury aus Persönlichkeiten der Wissenschaft und Wirtschaft. Sie deckte verschiedene Bereiche des Innovationssystems ab, um die Bewerbungen umfassend zu bewerten.

Vier Auszeichnungen, vier sehr unterschiedliche Ansätze

In der Kategorie „innovation“ erhält Dr. Elma Kerz, Geschäftsführerin der Exaia Technologies GmbH in Aachen, 40.000 Euro. Ihr Team entwickelte „Noesais“, eine KI-gestützte und datenschutzkonforme Plattform für digitale Sprachbiomarker. Sprachaufnahmen werden analysiert, um kognitive, emotionale und psychische Zustände sowie frühzeitige Veränderungen zu erkennen. Das Ziel: individuelle Verläufe kontinuierlich beobachten und eine personalisierte Gesundheitsversorgung ermöglichen.

Ebenfalls mit 40.000 Euro dotiert ist die Kategorie „innovation2business“. Christine Batsch, Geschäftsführerin der Ch. Batsch Verfahrenstechnik GmbH in Meckenheim, entwickelt und betreibt mit ihrem Unternehmen patentierte Vakuumdestillationsanlagen zur industriellen Aufbereitung von Lösungsmitteln. Verschmutzte Lösungsmittel werden direkt am Produktionsstandort recycelt und in den Produktionsprozess zurückgeführt.

Das Modell heißt „Recycling as a Service“ und umfasst Technologie, Wartung, Reinigung sowie digitales Monitoring. Kundinnen und Kunden brauchen weder eigene Anlagen noch eigene Betriebskompetenz. Das ist weniger spektakulär als ein Raketenstart, aber für Produktionsbetriebe ziemlich handfest.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In der Kategorie „innovation4people“ geht der mit 40.000 Euro verbundene Preis an Linda Lingenauber, Geschäftsführerin der RecyCoal GmbH in Aachen. RecyCoal stellt aus Ernteresten mit dezentralen Pyrolysesystemen Pflanzenkohle her. Sie verbessert Böden und speichert langfristig CO₂.

Projekte gibt es bereits mit Landwirtinnen und Landwirten in Ruanda sowie mit Kaffeefarmen in Tansania. Derzeit entwickelt RecyCoal außerdem ein CO₂-Zertifikatesystem entlang der Kaffee-Lieferkette. Aus Resten wird also nicht bloß etwas Braunes für den Boden, sondern ein Ansatz, der Landwirtschaft, Klimaschutz und internationale Lieferketten miteinander verbindet.

Wer um den Publikumspreis konkurriert

Für den Publikumspreis „innovation4transformation“ mit 15.000 Euro sind drei Frauen nominiert. Dr. Katharina von Stauffenberg, Geschäftsführerin von comuneo in Münster, entwickelte ein „Wirkungs-Betriebssystem“ für den öffentlichen Sektor. Die Software verknüpft Aufgaben, Ziele und Haushaltsdaten und zeigt, welche Veränderungen aus Vorhaben entstehen. Dahinter steht die Idee eines wirkungsorientierten Haushalts, in dem sich die Verwendung öffentlicher Mittel nachvollziehbar und effizienter planen lässt.

Prof. Dr. Regina Palkovits, Lehrstuhlinhaberin an der RWTH Aachen und Institutsleiterin am Forschungszentrum Jülich, arbeitet an einem katalytischen Verfahren zur Umwandlung von Biomasse in hochwertige Bausteine für biobasierte Kunststoffe. Nachwachsende Rohstoffe können dabei mit grünem Strom in chemische Komponenten umgewandelt werden, darunter bislang nicht zugängliche Moleküle.

Die dritte Nominierte ist Dr.-Ing. Laura Johnen, Geschäftsführerin der Layer Performance GmbH in Herzogenrath. Ihre Software erzeugt vollautomatisiert 3D-optimierte Druckbahnen. Je nach Anwendung sind bis zu 90 Prozent weniger Materialverbrauch, 96 Prozent weniger Energieeinsatz und eine zehnfach schnellere Fertigung möglich. Maschinen- und materialunabhängig soll die Software ebenfalls sein.

Warum der Preis über einzelne Erfindungen hinausweist

Der Innovationspreis NRW würdigt Menschen, die Wissen über gesellschaftliche Zusammenhänge mit praxisorientierten Lösungen verbinden und dadurch Fortschritt ermöglichen. Innovationen entwickeln bestehende Geschäftsfelder weiter oder schaffen neue. Sie gelten als Grundlage für eine wandlungsfähige Wirtschaft und sollen helfen, Transformationsanforderungen zu bewältigen sowie die Zukunftsfähigkeit Nordrhein-Westfalens zu sichern.

Dafür braucht es Erfindergeist und Unternehmertum, aber auch passende Rahmenbedingungen. Nordrhein-Westfalen verfügt über ein Netzwerk aus kleinen und mittleren Unternehmen, Großunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Seit 2008 werden Menschen ausgezeichnet, die mit Ideenreichtum, persönlichem Einsatz und Risikobereitschaft zur Innovationsstärke des Landes beitragen.

Geehrt werden Persönlichkeiten aus verschiedenen Phasen der Innovationskette: bei der Erprobung herausragender Ideen, bei der kommerziellen Anwendung und bei der Skalierung. Die Preisträgerinnen und Preisträger sollen als Wegbereiter der Transformation Nordrhein-Westfalens wirken. Erst das Zusammenspiel dieser Phasen kann neue Ideen in wirtschaftliche Dynamik überführen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sichern.

Der Innovationspreis NRW ist nach dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten die höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Deutschland. Weitere Informationen gibt es zum Innovationspreis NRW und zum Bewerbungsverfahren. Beim Innovationskongress NRW wird außerdem die gebündelte Innovationskraft von Wirtschaft, Wissenschaft und intermediären Organisationen thematisiert – sie kann größer sein als die isolierte Kraft einzelner Akteure.

Das passt zu Nordrhein-Westfalen mit seiner vielfältigen Wirtschaftsstruktur und der umfangreichen Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Die Innovationsstrategie NRW konkretisiert zentrale Innovations- und Handlungsfelder, die für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes relevant sind.

Förderung zwischen Forschung, Gründung und Klimaneutralität

Die von der Innovationsförderagentur NRW, kurz IN.NRW, betreuten Fördermaßnahmen und Innovationswettbewerbe basieren auf dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027 und der EU-Verordnung zur Einrichtung der Plattform „Strategische Technologien für Europa“ (STEP). Darin legt Nordrhein-Westfalen Prioritäten und spezifische Ziele für den Einsatz von EU- und Landesmitteln fest. Im Mittelpunkt stehen die nachhaltige und digitale Transformation der nordrhein-westfälischen Wirtschaft sowie die Umsetzung der Regionalen Innovationsstrategie NRW.

EFRE und JTF sind Instrumente der europäischen Kohäsionspolitik. EFRE steht für den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, JTF für den Just Transition Fund, also den Fonds für einen gerechten Übergang. Das EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027 überträgt die europäischen Ziele auf die spezifischen Herausforderungen des Landes. Schwerpunkte sind Digitalisierung und Innovation, der Übergang zu einer dekarbonisierten Wirtschaft und der Beitrag zu einem lebenswerten NRW im Zentrum Europas.

Die IN.NRW betreut sechs thematische Innovationswettbewerbe: IW Industrie.IN.NRW für innovative Werkstoffe und intelligente Produktion, IW NeueWege.IN.NRW für vernetzte Mobilität und Logistik, IW GreenEconomy.IN.NRW für Umweltwirtschaft und Circular Economy, IW Energie.IN.NRW für Energie und innovatives Bauen, IW Gesünder.IN.NRW für innovative Medizin, Gesundheit und Life Sciences sowie NEXT.IN.NRW für Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft und innovative Dienstleistungen.

Hinzu kommen der Aufbau von Forschungsinfrastrukturen, Unterstützung bei Patentvalidierungen, Förderangebote für kleine und mittlere Unternehmen sowie Unterstützung von Gründerinnen und Gründern. Weitere Maßnahmen zielen auf die Transformation hin zu Klimaneutralität, unter anderem in Circular Economy, Mobilität und Energie. „Erlebnis.NRW“ soll touristische Angebote weiterentwickeln.

Zum Förderangebot gehören außerdem Regio.NRW – Transformation für regionale Transformationsprozesse entsprechend den spezifischen Profilen der Regionen und Erlebnis.NRW für innovative und authentische Tourismusangebote auf Basis regionaler territorialer Strategiekonzepte. Start-up Transfer.NRW unterstützt die marktorientierte Weiterentwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Verfahren an Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Vorbereitung von Unternehmensgründungen.

NRW-Patent-Validierung begleitet Forschungs- und Bildungseinrichtungen bei der Weiterentwicklung von Erfindungen und Patenten mit relevantem Marktpotenzial. Der Innovationswettbewerb Energie.IN.NRW richtet sich auf klima- und umweltschonende Innovationen sowie nachhaltige Lösungen in Energie, Industrie, Gebäuden, Baustoffen und Sektorenkopplung. Grüne Gründungen.NRW fördert die ökonomischen und ökolog