Uni Mainz macht Nachhaltigkeit im BWL-Studium zur Pflicht

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird Nachhaltigkeit künftig fester Bestandteil des BWL-Bachelors. Im Wintersemester 2026/2027 arbeiten rund 150 Studierende im neuen Pflichtkurs „Nachhaltige Produkt- und Konsumentscheidungen“ an echten Kommunikationsaufgaben aus dem regionalen Naturschutz.

In Fünferteams entwickeln sie Social-Media-Konzepte für 18 regionale Projekte des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Dabei bleibt es nicht bei Präsentationsfolien: Die Studierenden sollen ihre Ideen auch praktisch umsetzen und über projektbezogene Kanäle mehr Sichtbarkeit und Unterstützung für die Umweltschutzarbeit vor Ort schaffen.

Marketing trifft Naturschutz

Entwickelt wurde der Kurs von Prof. Dr. Oliver Emrich, Professor für Management mit Schwerpunkt Soziale Medien, und seinem Team in der Abteilung Wirtschaftswissenschaften. Mitentwickelt haben auch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Billie Ackermann und Chiara Jedamski.

Die Teams wenden Inhalte aus Konsumentenverhalten und Markenmanagement in selbstverantworteten Praxisprojekten an. Dafür stimmen sie sich in mehreren Sitzungen mit den Ansprechpersonen der jeweiligen NABU-Projekte ab. Emrich und sein Team begleiten die Arbeit mit wissenschaftlichen Impulsen und Coachings – also nicht nur Daumen hoch und „macht mal“, sondern mit fachlicher Unterstützung zwischendurch.

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Ausgewählte Beiträge werden im Angebot „Zukunfts-Faktor: Zukunftsfähigkeit für das Markenmanagement“ gebündelt. Die neuen beziehungsweise dafür vorgesehenen Kanäle sind auf Instagram, LinkedIn und YouTube verfügbar. Dort sollen die studentischen Arbeiten sichtbar werden und die Projekte auch außerhalb ihrer unmittelbaren Umgebung Menschen erreichen.

Gefördert wird das Lehrkonzept vom Gutenberg Lehrkolleg (GLK) der JGU. Es verbindet wirtschaftswissenschaftliche Methoden, Teamarbeit und managementorientierten Transfer. Der Kurs soll außerdem den Austausch zwischen Wirtschaft, Marketing und Naturschutz fördern.

„Nachhaltigkeit wird zu einem bedeutenden Faktor“

Professor Emrich begründet den neuen Schwerpunkt mit den Folgen des Klimawandels. Dieser betreffe die Lebensgrundlagen der Gesellschaft und erfordere ein Umdenken künftiger Manager. Nachhaltigkeit werde zu einem bedeutenden Faktor für das Konsumentenverhalten.

Für angehende Entscheidungsträger bedeutet das: Sie sollen lernen, wie eine nachhaltige Markenpositionierung die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärken kann. Klimawandel und Nachhaltigkeit beeinflussen dabei sowohl das Verhalten von Konsumentinnen und Konsumenten als auch die Frage, wofür eine Marke steht.

Der NABU begrüßt die Zusammenarbeit. Laut Benjamin Csonka vom NABU-Bundesverband zeigt das Lehrkonzept, wie Wirtschaft, Marketing und Naturschutz zusammenarbeiten und voneinander profitieren können. Gerade örtlichen und ehrenamtlich getragenen Gruppen fehlt häufig die Zeit für Kommunikation und Social Media. Unterstützung aus dem Seminar kommt da zur rechten Zeit.

Die Pressemitteilung zu dem Vorhaben wurde am 21. Oktober 2026 um 18:11 Uhr veröffentlicht.

Ein Blick über Mainz hinaus

Wie Nachhaltigkeit in wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge eingebunden werden kann, zeigt auch ein Beispiel aus Baden-Württemberg. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) ist eine Modellhochschule des Landes und verfolgt die Mission „Bildung für Verantwortung“. Studierende sollen dort auf künftige Herausforderungen vorbereitet werden.

Zur institutionellen Grundlage gehört ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem. Es dokumentiert das Engagement der HfWU für Nachhaltigkeit und soll es zugleich weiter stärken. An der Hochschule verfügen die Lehrkräfte laut der Darstellung über theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen in nachhaltiger Unternehmensführung.

Mehrere Professor:innen haben an Fachliteratur zur nachhaltigen Betriebswirtschaft mitgewirkt, darunter am Standardwerk „Nachhaltige Betriebswirtschaft“. Ihre Expertise fließt in die Lehrinhalte ein. Für Studierende entsteht dadurch praxisnahes Wissen, das auf aktuelle und zukünftige Anforderungen der Branche ausgerichtet ist – mit Verantwortungsorientierung, zertifiziertem Umweltmanagement und Fachwissen der Professor:innen als ausdrücklich genannten Merkmalen.