Am Kleeburger Weg 100–104 in Trier stehen nach Angaben des AStA der Universität Trier weiterhin rund 200 Wohnungen leer. Das frühere Studentenwohnheim liegt nur wenige Gehminuten von den beiden Universitätscampus entfernt – und trotzdem suchen Studierende händeringend ein Dach über dem Kopf.

Einige übernachten vorübergehend bei Freunden, andere weichen auf teure Hotels aus oder nehmen lange Pendelwege zur Universität in Kauf. Mitte August 2026 zeigte sich vor Ort ein ernüchterndes Bild: Hinter dem Bauzaun waren weder Handwerker noch Baumaschinen oder Baucontainer zu sehen. Teilweise war das Gelände von vertrocknetem Gras überwuchert. Seit der Räumung des Komplexes im Winter ist von außen kaum Bautätigkeit erkennbar; gekippte Fenster liefern dafür jedenfalls keinen sicheren Hinweis.

Wiedereröffnung angekündigt – aber weiterhin geschlossen

Das Immobilienunternehmen Prop.com hatte den Komplex nach eigenen Angaben 2025 für 12,75 Millionen Euro gekauft und eine umfassende Modernisierung sowie die Wiedereröffnung im Frühjahr 2026 angekündigt. Laut Immobilien Zeitung handelte es sich um den ersten Immobilienerwerb des Unternehmens in Deutschland. In einem Instagram-Beitrag nannte Prop.com allerdings einen Übernahmewert von 24 Millionen Euro.

Geplant waren energetische Sanierungen, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen. Dazu sollten modernisierte Gemeinschaftsflächen, höherwertige Möbel und zusätzliche Wohnungen kommen. Prop.com stellte außerdem eine Erweiterung auf bis zu 350 Wohneinheiten in Aussicht. Die Außenanlagen sollten unter anderem Möblierung, Lern-Lounges, einen Grillplatz und einen Padel-Tennis-Platz erhalten.

Im Oktober 2026 ist die Wohnanlage noch immer nicht regulär geöffnet. Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass tatsächlich 200 bezugsfertige Wohnungen leer stehen, gibt es nicht. Ebenso fehlt ein unabhängiger Nachweis, dass der Eigentümer den Leerstand bewusst zur Spekulation herbeiführt oder verlängert. Ob Bauarbeiten, Genehmigungen, Brandschutz, technische Probleme oder eine veränderte wirtschaftliche Planung die Verzögerung erklären, ist öffentlich nicht abschließend geklärt.

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Für die Adresse führt das Planungsunternehmen Bauplanung Stoessel ein Sanierungsprojekt mit 289 Mikroapartments auf. Das passt nicht ganz zu den zuvor angekündigten rund 350 Wohnungen. Ob es sich um unterschiedliche Planungsstände oder eine Projektänderung handelt, bleibt offen.

Vom Studentenwohnheim zum Mikro-Living-Objekt

Früher bot die Anlage nach Angaben des DAAD Platz für 318 Studierende. 222 Einzelapartments verfügten über eine eigene Kochnische und ein eigenes Bad; die zuletzt angegebene Warmmiete lag bei 325 Euro monatlich. Der Gebäudekomplex wird in anderen Angaben mit 325 Appartements beschrieben. Über Jahrzehnte betrieb das Studierendenwerk Trier die Wohnanlage zu bezahlbaren Mieten.

Der Generalmietvertrag mit dem damaligen Eigentümer endete Ende September 2025 und wurde nicht verlängert. Nach Angaben aus Trier lief der Mietvertrag im Herbst 2025 aus, Verhandlungen über eine Verlängerung scheiterten. Danach wechselte der Gebäudekomplex den Eigentümer. Neue Eigentümerin ist die Vermögensgesellschaft prop.com mit Firmensitzen in Dubai, Abu Dhabi und Luxemburg.

Künftig soll das Haus als „Mikro-Living“-Objekt mit kleinen, möblierten Einheiten betrieben werden. Vorgesehen sind zeitlich befristete „All-in“-Mieten, in denen Nebenkosten und Möblierung enthalten sein sollen. Konkrete Preise nannte Prop.com nicht, sondern sprach lediglich von attraktiven und am örtlichen Markt orientierten Konditionen.

Für Mietverträge, Gebäudezugänge und Wartungen war eine Kooperation mit der Hamburger Reos GmbH geplant, einschließlich digitaler Verwaltung per App. Reos bestätigte, dass Anfang 2026 eine geplante Zusammenarbeit kommuniziert worden sei, verwies bei Fragen zum Projekt aber ausschließlich an die Eigentümerseite beziehungsweise den Projektverantwortlichen.

Ein Branchenkenner hatte Prop.com zuvor als „Heuschrecke“ bezeichnet, weil bei solchen Investoren hohe und schnelle Gewinne im Vordergrund stünden. Prop.com wies diese Einschätzung zurück und erklärte, nachhaltige und lebenswerte Gemeinschaften schaffen zu wollen. Mehrere Anfragen der Redaktion an Prop.com und an die Welfare Group, zu der Prop.com gehört, blieben trotz gesetzter Frist unbeantwortet.

Wohnraum wird knapp – und die Wartelisten werden länger

Für das Wintersemester 2026/27 sollen dem Studierendenwerk Trier voraussichtlich nur noch rund 900 Wohnheimplätze zur Verfügung stehen. Zwei Jahre zuvor waren es noch knapp 1.600, an anderer Stelle ist von rund 1.500 Plätzen die Rede. Weggefallen sind die Appartementhäuser in Olewig und am Kleeburger Weg. Durch das Ende der Mietverträge zweier Wohnanlagen gingen laut Studierendenwerk fast 480 Plätze verloren; weitere Unterkünfte sind wegen Sanierungsarbeiten vorübergehend geschlossen.

Bis Oktober 2026 müssen außerdem die letzten Bewohner aus dem Wohnheim Tarforst ausziehen. Das Gebäude wird im Rahmen des Projekts „StudiWood“ saniert und aufgestockt. Die Neuvermietung ist für Herbst 2028 geplant – für viele, die jetzt eine Unterkunft brauchen, ist das eine sehr lange Zeit.

Im Juni standen nach Angaben des Studierendenwerks rund 1.000 Bewerber auf der Warteliste. Je nach Wohnanlage wurden Wartezeiten von zehn bis zwanzig Monaten genannt. Der AStA kritisiert in diesem Zusammenhang auch Universitätspräsidentin Eva Martha Eckkrammer. Nach Darstellung des AStA habe sie zweimal eine Wiedereröffnung des Wohnheims für das jeweils folgende Semester angekündigt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Aussagen liegt nicht vor.

Die Universität Trier ist nicht Eigentümerin des Gebäudekomplexes und kann deshalb nicht selbst über Sanierung oder Vermietung entscheiden. Auch das Studierendenwerk hat nach dem Ende seines Mietvertrags keine unmittelbare Verfügung mehr über die Anlage. Offen ist damit weiterhin, wann die Apartments tatsächlich wieder bezogen werden können, wer als Vermieter auftritt, ob die Kooperation mit Reos umgesetzt wird und wie hoch die Mieten ausfallen.

Ob die künftigen Wohnungen für Studierende erschwinglich sein werden, lässt sich wegen der fehlenden Preisangaben und des Mikro-Living-Konzepts derzeit nicht einschätzen. Am angespannten Trierer Wohnungsmarkt würde jede zusätzliche verfügbare Wohneinheit helfen. Selbst ein paar Hundert wären kein Tropfen auf den heißen Stein.

Das Problem reicht weit über Trier hinaus

Bundesweit warteten zum Stichtag 15. September 2026 insgesamt 105.016 Studierende auf einen Wohnheimplatz bei einem Studierendenwerk. Besonders lange Listen meldeten das Studierendenwerk Aachen mit 11.170 Wartenden und das Studierendenwerk München Oberbayern mit 10.812. Nach Bundesländern entfielen die meisten Einträge auf Nordrhein-Westfalen mit 38.596 und Bayern mit 19.527.

Den Studierendenwerken stehen bundesweit rund 196.000 Wohnheimplätze zur Verfügung. Ein Platz kostet im Durchschnitt 330 Euro im Monat, ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt dagegen durchschnittlich 510 Euro. Mit ihren Heimen decken die Studierendenwerke etwa zehn Prozent des gesamten studentischen Wohnraumbedarfs ab.

Ab dem Sommersemester 2027 soll die BAföG-Wohnkostenpauschale auf 440 Euro steigen. Das Bund-Länder-Programm „Junges Wohnen“ soll ab 2027 mit verdoppelten Mitteln den Bau und die Sanierung studentischen Wohnraums fördern. Nach Einschätzung des Deutschen Studierendenwerks braucht es dafür eine dauerhafte Finanzierung und eine konsequente Umsetzung durch die Länder. Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen werden als Länder genannt, die das Programm umsetzen.

Für Trier bleiben derweil einige ganz praktische Fragen offen: Warum steht das Wohnheim noch leer? Wann öffnet es wirklich? Und was kostet ein Apartment dann? Antworten darauf fehlen weiterhin. Als Quellen für die Angaben dienen der AStA der Universität Trier, der DAAD, das Studierendenwerk Trier, die Universität Trier, Prop.com, Bauplanung Stoessel, der SWR sowie der Bericht des Trierischen Volksfreunds.