Joost Groen ist 18 Jahre alt, Schüler des Gymnasiums Papenburg – und hat bei den Dr.-Hans-Riegel-Fachpreisen den ersten Platz im Bereich Informatik gewonnen. Ausgezeichnet wurde sein eigenes KI-Modell.

Die Preisvergabe steht im Umfeld der Universität Osnabrück. Sie ist Teil eines Wettbewerbs, der besonders gute Abschlussarbeiten von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II würdigt. Für Groen geht es dabei nicht nur um eine Urkunde: Sein Informatikprojekt hat sich gegen weitere Arbeiten durchgesetzt.

Wettbewerb zwischen Schule und Hochschule

Die Dr.-Hans-Riegel-Fachpreise werden in Kooperation mit 15 deutschen und sechs österreichischen Universitäten vergeben. Auszeichnungen gibt es in den MINT-Fächern Biologie, Chemie, Geografie, Informatik, Mathematik und Physik. Jährlich werden etwa 300 Preisträgerinnen und Preisträger ausgezeichnet.

Der Wettbewerb bringt Schulen und Hochschulen zusammen. Schülerinnen und Schüler erhalten eine Bestätigung durch Universitätslehrende und knüpfen erste Kontakte. Professorinnen und Professoren wiederum bekommen Einblicke in den Wissensstand junger Menschen und können für ihre Fachgebiete werben. Das ist kein kleiner Nebeneffekt, sondern gehört zum Konzept.

Die Ziele dahinter: Talente entdecken, MINT-Fächer fördern und Bildungsträger in den Regionen besser vernetzen. Alle Siegerinnen und Sieger können außerdem dem MINT TANK beitreten, einem Förder- und Vernetzungsangebot. Fachseminare und Konferenzen ergänzen die zunächst finanzielle Förderung inhaltlich.

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Ein Preis mit sportlicher Idee

Die Förderung des MINT-Nachwuchses gehört zu den zentralen Zielen der Dr. Hans Riegel-Stiftung und der Kaiserschild-Stiftung. Dr. Hans Riegel gründete die gleichnamige Stiftung in Deutschland sowie die Kaiserschild-Stiftung in Österreich. Bekannt war er außerdem als ehemaliger Mitinhaber der HARIBO-Unternehmensgruppe.

Riegel war von Wettkämpfen fasziniert. In ihnen sah er eine Möglichkeit, eigene Talente zu entdecken und gezielt weiterzuentwickeln. Seine Fachpreise lehnen sich deshalb an den Sport an: Alle starten unter gleichen Bedingungen, anschließend gibt es in jeder Disziplin eine Siegerin oder einen Sieger. In diesem Fall heißt der Sieger Joost Groen.

Auf der Website des Wettbewerbs finden sich Informationen zum Verfahren und zu den teilnehmenden Universitäten. Dort gibt es auch einen Login-Bereich für den MINT TANK sowie eine Übersicht aller Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren Arbeiten.

Was MINT-Förderung im Alltag braucht

Ein gelungenes schulisches MINT-Angebot hängt nicht allein von einzelnen Wettbewerben ab. Nötig sind gut organisierte Schulen mit Raum für neue Ideen, ausreichende Lehrkräftekapazitäten, passende materielle Ausstattung und flexible Lehrpläne, die interdisziplinäres und projektorientiertes Lernen zulassen.

Gerade bei den Lehrkräften zeichnet sich Druck ab: Für die kommenden Jahre wird ein Mangel an MINT-Lehrkräften prognostiziert. Zusammen mit steigenden Anforderungen an das pädagogische Personal könnte das die Bedingungen für gute MINT-Bildung an vielen Schulen verschlechtern. Die Qualität von Unterricht und Lernen hängt maßgeblich vom Handeln der Lehrkräfte ab.

Eine Evaluation der Dr.-Hans-Riegel-Fachpreise kommt zudem zu dem Schluss, dass Lehrkräfte der stärkste Faktor für die Teilnahme am Wettbewerb sind. Sie werden als „Talente-Entdecker“ verstanden, die Potenziale von Schülerinnen früh erkennen. Die Projekte sollen sie entlasten, unterstützen und motivieren – und zugleich helfen, den erwarteten Lehrkräftemangel abzumildern.

Außerschulische Lernorte können dabei neue Wege öffnen. Sie unterstützen Lehrkräfte und ermöglichen Schülerinnen authentische Lernzugänge. Schulen sollen sich für externe Partner öffnen: So lassen sich starres Fächerdenken und Zugangshürden zu außerschulischen Angeboten abbauen, während Unterrichtsinhalte stärker an der interdisziplinären Alltagsrealität der Schüler*innen ausgerichtet werden.

MINT-Unterricht soll junge Menschen befähigen, bei alltagsrelevanten Fragen Entscheidungen zu treffen und Handlungsoptionen abzuwägen. Die Projekte vernetzen die Akteure im jeweiligen MINT-Bildungsbereich; die entstandenen Netzwerke sollen über das einzelne Engagement hinaus bestehen bleiben und den Beteiligten einen Mehrwert bieten.

Im Mittelpunkt stehen junge Menschen der Sekundarstufen I und II. Gefördert werden MINT-Interessen und MINT-Kompetenzen, um die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und eine klischeefreie Studien- und Berufsorientierung zu ermöglichen. Berücksichtigt werden auch die Übergänge von der Schule in eine berufliche oder universitäre MINT-Ausbildung.

Darüber hinaus geht es um interdisziplinären Austausch, Wissensvertiefung und die Vernetzung von MINT-Forschungsbereichen. Gemeinsam mit den Programmbereichen „Frühkindliche Bildung“ und „Touch Tomorrow – Lebens- und Arbeitswelt von morgen“ soll die MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette verbessert werden. Junge Menschen sollen nachhaltig für MINT begeistert werden, damit sie als künftige MINT-Fachkräfte Veränderungen mitgestalten und Chancen nutzen können.