Ein gestohlener Vereinsbus hat am Donnerstagabend, 29. Oktober 2026, eine Verfolgungsfahrt bei Andernach ausgelöst. Am vergangenen Wochenende war in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober in ein Sportlerheim im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Linz eingebrochen worden. Die bislang unbekannten Täter nahmen dabei den Vereinsbus des VfB Linz mit. Zunächst konnte die Polizei sie nicht ermitteln.

Gegen 22:42 Uhr erkannte ein Zeuge den gestohlenen Bus in der Industriestraße in Mülheim-Kärlich und verständigte die Polizei. Daraufhin leitete die Polizei Fahndungsmaßnahmen ein. Einsatzkräfte lokalisierten das Fahrzeug kurze Zeit später.

Flucht über die B9 und Feldwege

Als die Polizei den Fahrer zum Anhalten aufforderte, ignorierte er die Anhaltezeichen und fuhr zunächst über die B9 in Richtung Andernach. Die anschließende Verfolgungsfahrt führte über mehrere Feldwege – eine ziemlich unübersichtliche Strecke, auf der der Bus schließlich in einer Sackgasse im Bereich Andernach-Miesenheim stehen blieb.

Die beiden Insassen verließen das Fahrzeug und flohen zu Fuß in angrenzende Hecken. Einen der Flüchtigen, einen 17-Jährigen, fanden Polizeikräfte kurze Zeit später versteckt in einem Gebüsch. Sie nahmen ihn fest. Die zweite Person konnte zunächst entkommen und ist weiterhin flüchtig. Nach ersten Ermittlungen gibt es jedoch konkrete Hinweise auf deren Identität. Weitere Angaben zu dem Mann und zum ursprünglichen Einbruch wurden nicht mitgeteilt.

Die Polizei stellte den Vereinsbus sicher. Gegen beide Beteiligten wurden Strafverfahren eingeleitet.

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Was Jugendkriminalität tatsächlich bedeutet

Der Fall sagt zunächst nur etwas über diesen konkreten Tatverdacht aus. Jugendliche gelten in Deutschland als Personen von 14 bis einschließlich 17 Jahren. In der Polizeilichen Kriminalstatistik, dem wichtigsten Bestandteil des sogenannten Hellfelds, werden Straftaten erfasst, bei denen Jugendliche als Tatverdächtige ermittelt wurden. Das Hellfeld hängt allerdings auch davon ab, ob jemand Anzeige erstattet, wie die Polizei ermittelt, wie Fälle registriert werden und welche gesetzlichen Regeln gelten.

Das Dunkelfeld umfasst dagegen Gesetzesverstöße, die nicht registriert werden. Es wird meist durch anonyme Befragungen von Schülerinnen und Schülern untersucht. Solche Studien zeigen zusätzliche Einflussfaktoren, haben aber Grenzen: Manche Gruppen nehmen nicht teil oder sind schwer erreichbar, außerdem können Befragte falsche Angaben machen.

2024 wurden deutschlandweit 192.863 Jugendliche als Tatverdächtige registriert – rund 6 Prozent aller in Deutschland lebenden Jugendlichen, also etwa jeder 17. Jugendliche. Die Tatverdächtigenbelastung liegt im Jugendalter deutlich höher als im Kindes- und Erwachsenenalter. Diese „Alters-Kriminalitäts-Kurve“ flacht bei vielen Menschen später wieder ab: Kriminelles Verhalten wird im weiteren Lebensverlauf häufig beendet.

Meist geht es um leichtere Delikte

Jugendkriminalität besteht überwiegend aus minderschweren Straftaten. Von den 192.863 jugendlichen Tatverdächtigen entfielen 2024 40.143 beziehungsweise 21 Prozent auf Ladendiebstahl, 16.282 beziehungsweise rund 8 Prozent auf Sachbeschädigung, 13.406 beziehungsweise rund 7 Prozent auf Beleidigung, 9.387 beziehungsweise rund 5 Prozent auf Fahren ohne gültigen Fahrschein und 9.318 beziehungsweise rund 5 Prozent auf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Bei Gewaltdelikten wurden 28.977 Jugendliche beziehungsweise 15 Prozent einer vorsätzlichen leichten Körperverletzung verdächtigt. 24.339 beziehungsweise rund 13 Prozent standen im Verdacht einer schweren oder gefährlichen Körperverletzung, 7.847 beziehungsweise rund 4 Prozent eines Raubes. 274 Jugendliche, 0,1 Prozent, standen im Verdacht, Mord oder Totschlag begangen zu haben.

Die Zahlen sind also breit verteilt, und der einzelne Fall passt nicht automatisch in ein großes Erklärungsmodell. Trotzdem gibt es bekannte Einflussfaktoren: Hirnreifungsprozesse können mit geringerer Selbstkontrolle verbunden sein. Gruppen Gleichaltriger, unstrukturierte Freizeit und weniger Fremdkontrolle schaffen Gelegenheiten. Wer seine Identität ausprobiert, testet mitunter auch Grenzen.

Als wichtigster Einflussfaktor gilt die Peergruppe. Kontakte zu delinquenten Freunden erhöhen das Risiko eigener Straftaten; Gruppendruck und Beobachtungslernen können sowohl Tatfähigkeiten als auch positive Einstellungen zu Normverletzungen vermitteln. Hinzu kommen Schulschwänzen sowie Alkohol- und Drogenkonsum. Alkohol kann enthemmend und reizbar machen. Gewalt in der Erziehung erhöht später das Risiko für Gewaltverhalten, weil Kinder dabei lernen können, Konflikte mit Gewalt zu lösen.

Weitere persönliche Risikofaktoren sind gewaltakzeptierende Einstellungen, geringe Selbstkontrolle, die Betonung von Männlichkeit und Dominanz sowie materialistische oder hedonistische Werte. Schwächere Zusammenhänge bestehen mit Gewaltmedienkonsum, Schulbindung und Schulnoten.

Deutliche Unterschiede zwischen Gruppen

Männliche Jugendliche werden im Hellfeld fast dreimal so häufig als Tatverdächtige registriert wie weibliche Jugendliche. Beim Ladendiebstahl sind die Unterschiede gering, bei Gewaltkriminalität werden Jungen jedoch fast fünfmal so häufig als Tatverdächtige registriert wie Mädchen. Im Dunkelfeld ist ihre Gewaltrate noch fast dreimal so hoch. Über verschiedene Eigentums- und Gewaltdelikte zusammengefasst liegt die Belastung von Jungen etwa 1,5-mal so hoch. Häufigere Kontakte zu delinquenten Peergruppen und Gewalterfahrungen im sozialen Umfeld tragen wahrscheinlich dazu bei, vollständig erklärt sind die Unterschiede aber nicht.

Auch zwischen Jugendlichen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit beziehungsweise mit und ohne Migrationshintergrund zeigen sich Unterschiede. Sie sind im Hell- und Dunkelfeld feststellbar, fallen aber geringer aus als die Geschlechterunterschiede. Die PKS-Kategorie „nichtdeutsche Staatsangehörigkeit“ umfasst sehr unterschiedliche Gruppen: dauerhaft in Deutschland lebende Personen ebenso wie Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus oder Touristen. In Dunkelfeldstudien wird der Migrationshintergrund unter anderem anhand von Geburtsort, Staatsangehörigkeit und Herkunft der Eltern bestimmt.

Beim Ladendiebstahl sind die Raten im Dunkelfeld bei deutschen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund nahezu gleich. Im Hellfeld liegt die Belastung nichtdeutscher Jugendlicher dagegen mehr als doppelt so hoch. Als mögliche Erklärung wird eine selektive Kriminalisierung genannt: Ausländische Ladendiebe könnten häufiger angezeigt und ermittelt werden.

Bei Gewaltverhalten zeigen Hell- und Dunkelfeld eine höhere Belastung ausländischer Jugendlicher beziehungsweise Jugendlicher mit Migrationshintergrund; im Hellfeld sind die Unterschiede stärker. Wenn ein deutsches Opfer eine Tatperson mit vermutetem Migrationshintergrund beschreibt, liegt die Anzeigebereitschaft laut Dunkelfeldstudien etwa doppelt so hoch. Sprachliche Schwierigkeiten bei der Konfliktlösung sowie eine größere Distanz oder ein stärkerer Bestrafungswunsch gegenüber Migranten werden als mögliche Gründe genannt.

Die Herkunftsgruppen unterscheiden sich ebenfalls deutlich. Asiatische Jugendliche wiesen laut einer Studie von 2021 eine niedrigere Gewaltrate als deutsche Jugendliche auf. Jugendliche aus Ländern des ehemaligen Jugoslawiens und türkische Jugendliche wiesen höhere Gewaltraten auf. Solche Unterschiede lassen sich nahezu vollständig durch soziale und persönliche Faktoren erklären: schlechtere sozioökonomische Lage, Bildungsbenachteiligung, häufigere Anwendung elterlicher Gewalt und stärker gewaltorientierte Männlichkeitsvorstellungen.

Rückgang seit 2007, aber neue Ausschläge

Im Vergleich zu 2007 sank die Jugendkriminalität bis 2024 um etwa 21 Prozent. Zwischen 2017 und 2024 gab es einen leichten Anstieg, das Niveau blieb jedoch deutlich unter dem von 2007. Auch die Zahl verurteilter Jugendlicher ging zurück. Ende März 2007 waren 780 Jugendliche inhaftiert, 2024 etwa halb so viele.

Dunkelfeldstudien zeigen gegenüber 2007/2008 zunächst ebenfalls einen deutlichen Rückgang. Bis 2024 setzte er sich allerdings nicht in gleicher Stärke fort; bei einzelnen Delikten stiegen die Raten wieder, blieben aber meist unter dem früheren Niveau. Beim Ladendiebstahl war der stärkste Anstieg zu verzeichnen: 1,3 Prozent der Jugendlichen wurden laut PKS deswegen als Tatverdächtige registriert, im Dunkelfeld berichteten dagegen 8,2 Prozent von entsprechendem Verhalten.

Beim Raub zeigt das Dunkelfeld seit 2017 einen Anstieg, auch im Hellfeld nahm die Gewaltkriminalität unter Jugendlichen zu. Mögliche Zusammenhänge bestehen mit zunehmenden gewaltakzeptierenden Einstellungen, traditionellen Männlichkeitsbildern