In der Galerie Lo Studio in der Schlossgasse 22 in Büdingen wird es ab dem 10. Oktober 2026 weit, hell – und stellenweise ziemlich dunkel. Dann eröffnet die Ausstellung „Lichte Weite“ mit abstrakten Arbeiten von Klaus-Jürgen Möbus. Galeristin Sabine Uhdris zeigt die Werke bis zum 17. Januar 2027.

Möbus ist in Nidda geboren, lebt seit 1996 in Büdingen und arbeitet dort seit mehr als 30 Jahren in seinem Atelier in der Altstadt. Zuvor lebte und arbeitete er in Nidda, Bad Salzhausen und Eichelsdorf. Seine Bilder entstehen in Öl und Acryl auf Leinwand, langsam, Schicht für Schicht. An manchen arbeitet er mehrere Monate, an anderen teilweise mehrere Jahre.

Ein Bild gibt die Richtung vor

Vorzeichnungen verwendet Möbus nicht. Oft steht am Anfang eine spontane gestische Setzung – ein Farbauftrag, eine Bewegung, vielleicht nur ein kräftiger Impuls. Danach beginnt die eigentliche Sucharbeit: Farbschichten werden aufgetragen und überlagert, frühere Ebenen wieder freigelegt oder abgetragen. Mal spritzt er Farbe mit einem nassen oder farbgetränkten Pinsel, mal arbeitet er mit breiten, dicken oder feinen Pinseln. Spachtel, Wischer und Rakel kommen ebenfalls zum Einsatz.

Gearbeitet wird an der Wand und auf dem Boden des Ateliers. Möbus beschreibt den Entstehungsprozess als etwas, das vom Bild selbst geleitet wird. Das Ergebnis steht am Anfang nicht fest. Jede neue Setzung reagiert auf das, was bereits da ist – und kann eine Entscheidung von gestern wieder infrage stellen.

So treffen fließende Farbverläufe auf kräftige Pinselbewegungen, transparente Stellen auf kompakte, körperlich wirkende Farbzonen. Übermalungen verdecken frühere Bildzustände, lassen sie aber teilweise wieder auftauchen. Die Oberflächen verbinden Aufbau und Auflösung, Ruhe und Bewegung. Linien, Rinnspuren und aufgebrochene Strukturen ziehen sich durch die Leinwände; manches erinnert an Landschaften, atmosphärische Räume oder verwitterte Oberflächen.

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Die ausgestellten Arbeiten bewegen sich zwischen heller Weite und dunkler Verdichtung. Helle, schwebende Partien stehen neben erdigen, tiefblauen und schwarzen Flächen. Eindeutig gegenständlich sind die Gemälde nicht. Genau darin liegt ihr Spielraum: Möbus will keine feste Erzählung vorgeben, sondern den Betrachtenden Platz für eigene Assoziationen und Erinnerungen lassen.

Große Flächen, kleine Einblicke

Der Künstler arbeitet mit großformatigen und kleineren Bildern. Auch die kleinen Formate wirken nicht wie verkleinerte Nebenstücke: Durch die Überlagerungen geben sie Einblicke in tiefer liegende Bildebenen. Der Kontrast von Schwarz und Weiß bildet dabei einen weiteren Schwerpunkt.

Der lange Arbeitsprozess bleibt sichtbar. Die Bilder werden wiederholt geprüft, verändert und überarbeitet. Schichtungen, Brüche und freigelegte Spuren erzählen von ihrer Entstehung, ohne daraus eine eindeutige Geschichte zu machen. Gestische Impulse verbinden sich mit bewusster malerischer Reflexion. Das Zusammenspiel von Farbe, Bewegung und Raum steht im Zentrum.

Weiße Stäbe im Eichelbachtal

Zur Ausstellung gehören auch Fotografien, die Land-Art-Projekte von Möbus dokumentieren. Bekannt wurde er unter anderem durch „Weiße Stäbe“, eine konzeptuelle Landschaftszeichnung, wie er das Projekt selbst bezeichnet. 1990 stellte er im Eichelbachtal bei Eichelsdorf 100 weiße Stäbe auf – jeweils zehn Meter voneinander entfernt. Zwei Meter ragten aus dem Boden und machten sichtbar, welche Dimension ein damals geplanter Staudamm gehabt hätte.

Gebaut wurde der Staudamm nicht. Von 2009 bis 2011 entstand stattdessen am östlichen Ortsrand ein Wasserrückhaltebecken. Das Prinzip der vertikalen Strukturen aus dem Projekt griff Möbus später in weiteren Arbeiten und auch in seiner Malerei auf. Raum, Struktur und Veränderung tauchen dort nicht als fertige Botschaft auf, sondern eher als Spuren, die sich beim Schauen verschieben.

Vom Studium ins Atelier

Klaus-Jürgen Möbus wurde 1958 geboren. An der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main studierte er Germanistik beziehungsweise Deutsch und Kunstpädagogik für das Lehramt. Zuvor hatte er Betriebswirtschaftslehre studiert und eineinhalb Jahre in der Pflegedienstleitung der Uniklinik Frankfurt gearbeitet. Dann wechselte er die Richtung.

Während des Studiums absolvierte er eine Ausbildung in Grafik, Malerei, Aktmalerei, gegenständlichem Zeichnen, Radierung, Lithografie und Holzschnitt. Ende der 1980er-Jahre suchte er in Nidda ein Atelier. Über die Stadt bekam er Räume im renovierten Mittelbau eines Barockhauses in Bad Salzhausen. Als Gegenleistung sollte er dort Ausstellungen veranstalten.

Ausstellungen zu organisieren, war für Möbus ohnehin kein Neuland: Schon als Student führte er eine Galerie und kuratierte Ausstellungen. Außerdem bot er Kunstkurse an. Später unterrichtete er an der Haupt- und Realschule in Nidda, arbeitete als Kunstpädagoge in der Erwachsenenbildung und an Gesamtschulen im Wetteraukreis. Von 1999 bis 2022 lehrte er Deutsch und Kunst an der Singbergschule, einer Gesamtschule in Wölfersheim. Als Ausstellungskurator ist er weiterhin tätig.

Seit vier Jahren kann sich Möbus wieder intensiv der Malerei widmen. In Büdingen entstehen nun die Arbeiten, die Sabine Uhdris unter dem Titel „Lichte Weite“ zusammenführt – Bilder, bei denen man ruhig ein bisschen länger stehen bleiben muss. Schnell geht hier wenig.

Die Vernissage beginnt am 10. Oktober 2026 um 17 Uhr. Die Laudatio hält der Kunsthistoriker Christian Kaufmann. Geöffnet ist die Galerie mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung per E-Mail an info@lostudiosabineuhdris.com.