Uni Hohenheim, 19.10.2026 – Wer mit einer Mähkombination ohne ISOBUS-Steuerung arbeitet, muss nicht zwingend auf automatisierte Abläufe verzichten. Kuhn bietet dafür einen Nachrüstsatz an. Er besteht aus einem direkt an der Maschine montierten Jobrechner, der passenden Software und den nötigen Anschlüssen.

Das System lässt sich mit werkseitig installierten Lösungen ebenso nutzen wie mit Terminals anderer Anbieter, etwa den CCI-Terminals von Kuhn. Offiziell will Kuhn die Lösung in Kürze vorstellen; das britische Magazin „Farmers Weekly“ hat vorab darüber berichtet.

Mehr als ein Bildschirm für das Mähwerk

Nach der Inbetriebnahme zeigt das ISOBUS-Terminal das Mähwerk grafisch an. Über den Touchscreen können unter anderem die automatische Aushebung und Absenkung für Vorgewendemanöver, die Mähwerksentlastung für unterschiedliche Bodenverhältnisse sowie das Ein- und Ausklappen der hinteren Mähwerkseinheiten gesteuert werden.

Dazu kommen eine präzise Flächenmessung und eine GPS-gestützte Teilbreitenschaltung. Die hebt und senkt die Mähwerke automatisch, damit sie nicht in bereits abgelegte Schwade fahren. Das klingt nach einem kleinen Detail, spart im Alltag aber manchen unnötigen Griff – und wahrscheinlich auch den einen oder anderen genervten Seufzer.

Der Nachrüstsatz kostet 5.994 €. Kompatibel sind die Modelle GMD 9530+ ohne Aufbereiter, GMD 9530+ RV mit Förderschnecken zur Ablage eines mittigen Schwads sowie FC 9530D+ und FC 10030D+ mit Stahlzinken-Aufbereiter. Hinzu kommen GMD 9530+ und GMD 10030+ ohne Aufbereiter aus der Modellgeneration 2027 sowie FC 9530+ DR, FC 8830+ DR und FC 10030+ DR mit Aufbereiter aus der Modellgeneration 2027.

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Die 9530-Modelle arbeiten mit Arbeitsbreiten von 9,13 bis 9,53 m, das 8830-Modell von 8,33 bis 8,73 m. Die 10030-Modelle kommen auf 9,53 bis 9,93 m. Optional gibt es außerdem einen ISOBUS-fähigen Joystick, dessen Tasten mit verschiedenen Funktionen belegt werden können. Er kann anstelle der Touchscreen-Bedienung eingesetzt werden.

Kuhn gibt an, der einzige Hersteller mit einer solchen ISOBUS-Nachrüstoption für bereits im Markt befindliche Mähwerke zu sein.

Was hinter ISOBUS steckt

ISOBUS ist ein Kommunikationsprotokoll auf Grundlage der Norm ISO 11783. Es standardisiert die Kommunikation zwischen Traktor, Terminal, Betriebsführungssoftware und Anbaugerät. Landwirte können Maschinenfunktionen dadurch manuell oder automatisiert über ein Terminal in der Kabine steuern – unabhängig vom Hersteller des Anbaugeräts.

Vor ISOBUS war die Verbindung zwischen Elektroniksystemen verschiedener Hersteller oft kompliziert oder gar nicht möglich. Für jede Kombination aus Traktor und Maschine wurde häufig ein eigenes Bedienterminal benötigt. Heute standardisiert ISOBUS die herstellerübergreifende Kommunikation zwischen den Electronic Control Units, kurz ECUs. Ein Universal Terminal, also ein UT, kann mehrere Maschinen verschiedener Hersteller bedienen.

Technisch ist ISOBUS eine standardisierte Schnittstelle für die Übertragung von Daten und elektrischer Energie zwischen Traktoren, Landmaschinen, Satellitenempfängern und Datenverarbeitungs-Infrastrukturen. Die Norm basiert auf dem CAN-Bus, dem Controller Area Network. Dieser wird seit Mitte der 1980er-Jahre in Fahrzeugen und Landmaschinen eingesetzt, nutzt zwei verdrillte Leitungen, gilt als störungssicher und lässt sich vergleichsweise einfach verlegen.

Entstanden ist der Standard aus einem ziemlich praktischen Problem: Seit den 1970er-Jahren wurden immer mehr elektronische Komponenten in Landmaschinen eingebaut, zunächst meist als herstellerspezifische Insellösungen. Mit zunehmenden Funktionen wurden Anpassungen an Traktoren und Fahrzeugen aufwendiger und teurer. Ab 2001 entwickelte die International Organization for Standardization aus Teilen von SAE J1939 und dem deutschen Landwirtschaftlichen BUS-System (LBS/DIN 9684) die Norm ISO 11783 unter dem Namen ISOBUS.

Norm, Stecker und Jobrechner

Die mehrere hundert Seiten umfassende ISO-Norm 11783 besteht aus 14 Kapiteln. Sie ist in die Bereiche physikalische Datenübertragung, Netzwerk, Daten, Diagnose und Funktionen gegliedert. Geregelt werden unter anderem die Übertragung von Daten und elektrischer Energie, Schnittstellen und Verkabelung, Teilbreitenschaltung, teilflächenspezifische Bewirtschaftung, Datenmanagement und Anzeigen auf Monitoren.

Nicht festgelegt sind dagegen die Anordnung von Bedienelementen, der Funktionsumfang einzelner Maschinen sowie die Positionierung von Sensoren und Aktoren. Das lässt Herstellern Spielraum. Die Kehrseite: Bedienmasken können auf unterschiedlichen Monitoren verschieden oder sogar fehlerhaft dargestellt werden.

Die Datenübertragung läuft über einen CAN-Bus nach Standard 2.0b, mit 250 kBaud und einer Identifikation von 29 Bit. Stromversorgung und Datenübertragung sind getrennt. Für Leistungsverbraucher sind mindestens 30 A vorgesehen, üblicherweise mit einer 50-A-Sicherung; Prozessrechner und andere elektronische Komponenten benötigen mindestens 15 A. Wenn etwa ein Elektromotor blockiert, soll dadurch nur die Sicherung des Leistungskreises auslösen. Datenkabel und Steckverbindungen werden elektrisch weniger belastet und sind dadurch weniger korrosionsanfällig.

Zu den wichtigsten Systemkomponenten gehören die ECU als Jobrechner des Anbaugeräts, die TECU als Traktorrechner, das UT als Monitor, GNSS für die Satellitennavigation, der TC als Task Controller für die Auftragsverwaltung, AUX als Zusatzgerät, der CAN-Bus sowie die IBBC als ISOBUS-Gerätesteckdose am Heck und an der Front.

Die Norm legt auch Stecker, Pinbelegung und Positionen in der Verkabelung fest. Dazu zählen die 9-polige IBBC-Verbindung zwischen Traktor und Anbaugerät, der 9-polige Kabinenstecker für Monitore, die 9-polige Diagnosesteckdose, der 6-polige TBC-Stecker zur aktiven Bus-Terminierung und der 4-polige Bus-Erweiterungsstecker. Die Komponenten und Kabel sind im Fachhandel erhältlich und können grundsätzlich auch ohne Spezialkenntnisse bestellt oder ersetzt werden.

Terminals, Präzision und Kontrolle

Kuhn ist Mitglied der Agricultural Industry Electronics Foundation, kurz AEF, und beteiligt sich an der Weiterentwicklung des Standards. Die AEF wurde 2008 gegründet, um die Entwicklung zu beschleunigen, erarbeitet ergänzende Richtlinien, definiert ISOBUS-Funktionen genauer, zertifiziert Funktionen und überprüft die Kompatibilität von Lösungen und Geräten. Sie umfasst rund 50 weltweit tätige Firmen und Organisationen.

In der AEF-Datenbank unter aef-isobus-database.org lassen sich Kompatibilitätstests einsehen. Dort kann geprüft werden, ob Traktor, Maschine, Terminal und Betriebsführungssoftware miteinander funktionieren. Für komplexere Anwendungen wie Teilflächenspezifizierung und Section Control veröffentlicht die AEF Testergebnisse in einer frei zugänglichen Datenbank.

Kuhn gehört außerdem zu den Gründungsmitgliedern des Competence Center ISOBUS, das 2009 mit weiteren Herstellern gegründet wurde. Das CCI entwickelt ISOBUS-Terminals, Joystick-Steuerungen und Software zur GPS-basierten Automatisierung von Funktionen – für Präzisionslandwirtschaft und Auftragsdokumentation.

Zum Kuhn-Angebot gehören speziell abgestimmte, AEF-zertifizierte Terminals: das CCI 1200 mit 12,1 Zoll, das CCI 800 mit 8 Zoll und das VTI 60 mit 5,7 Zoll. Zusätzlich gibt es den ISOBUS-Joystick CCI A3, der die jeweiligen Maschinenfunktionen auf seinem Tastenfeld anzeigt.

Kuhn bietet eine Reihe standardmäßig AEF-zertifizierter ISOBUS-Anbaugeräte an: Drillmaschinen, Fronttanks, Mulch- und Direktsaatmaschinen, Einzelkornsämaschinen, Düngerstreuer, angebaute und gezogene Feldspritzen, Vierkreiselschwader, angebaute und gezogene Mähaufbereiter, Rundballen- und Großpackenpressen, Wickelkombinationen, Wickelgeräte und Pflüge. Diese Maschinen sind mit marktüblichen ISOBUS-Terminals kompatibel.

Für die Terminals CCI 800 und CCI 1200 stehen Funktionen für die Präz