In Med Berlin richtet sich der Blick heute, am 25.09.2026, auf die Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Dort geht es um Fortschritte bei Früherkennung, Frühintervention, Diagnostik und Therapie – also um jene Bereiche, die in der Krebsmedizin längst nicht mehr sauber voneinander zu trennen sind.

Ein Schwerpunkt liegt auf molekularen Diagnoseverfahren. Sie sollen genetische und biologische Eigenschaften von Blut- und Krebserkrankungen genauer sichtbar machen: mit Genmutationsanalysen, Next Generation Sequencing (NGS), Fusionsgen-Diagnostik und Genexpressionsanalysen. Hinzu kommen der Nachweis zirkulierender Tumor-DNA per „Liquid Biopsy“, hochsensitive Verfahren zur Bestimmung minimaler Resterkrankungen (MRD) und Polygenic Risk Scores (PRS).

Vom Tumorgewebe zum gesamten Ökosystem

Einzelzellanalysen versprechen zudem ein detaillierteres Verständnis von Tumor-Ökosystemen. Betrachtet werden dabei nicht nur bösartige Zellen, sondern auch Immun-, Bindegewebs- und Gefäßzellen. Das klingt sperrig, kann für die Behandlung aber entscheidend sein: Ein Tumor ist eben kein isolierter Klumpen, sondern ein Gefüge, in dem verschiedene Zelltypen miteinander reagieren.

Prävention und Früherkennung gelten als zentrale Zukunftsaufgaben. Viele Krebserkrankungen könnten verhindert oder früher erkannt werden. Fortschritte bei der Risikobewertung und in der molekularen Diagnostik sollen Menschen mit erhöhtem Risiko früher identifizieren und gezielter betreuen. Die DGHO stellte die Krebsprävention bereits bei ihrer Frühjahrstagung in den Mittelpunkt. Zur Nationalen Krebspräventionswoche im September 2026 soll der Band „Neue Wege der Prävention, Früherkennung und frühen systemischen Therapie“ veröffentlicht werden.

Ein Beispiel für frühe Intervention bei soliden Tumoren ist das in Deutschland eingeführte Lungenkrebs-Screening für definierte Hochrisikogruppen. In der Hämatologie werden derweil Krankheitsvorstufen wie klonale Hämatopoese und schwelendes Multiples Myelom (SMM) untersucht. Die entscheidende Frage: Kann eine frühzeitige Behandlung das Fortschreiten zu einer manifesten Erkrankung verzögern oder sogar verhindern?

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Wenn Datenmengen wachsen

Für solche Entscheidungen braucht es komplexe Diagnostik und Datenanalyse. Damit steigt die Bedeutung digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz (KI). Sie kann bei der Auswertung bildgebender Verfahren, bei der Analyse molekularer Informationen und bei der klinischen Entscheidungsfindung unterstützen. Die konkrete Therapieentscheidung und die gemeinsame Entscheidungsfindung mit Patienten und Angehörigen sollen jedoch bei den medizinischen Fachkräften bleiben. Menschliche Erfahrung, Empathie und Verantwortung von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen lassen sich nicht einfach wegprogrammieren.

Dass mehr Menschen langfristig mit oder nach einer Krebserkrankung leben, ist ein medizinischer Fortschritt – und bringt neue Aufgaben mit sich. Nachsorge, Lebensqualität und Survivorship gewinnen an Bedeutung. Die Grenzen zwischen Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie werden dabei zunehmend fließend.

Der Kongress setzt außerdem auf internationalen Austausch. In einer Plenarsitzung stehen die personalisierte Behandlung von Lungenkarzinomen und die Bedeutung von Granulozyten für Gesundheit und Krankheit auf dem Programm. Weitere Informationen gibt es unter jahrestagung-haematologie-onkologie.com. Grundlage ist eine Pressemitteilung der DGHO.

Das Netzwerk für genomische Medizin

Gerade beim Lungenkrebs zeigt sich, wie molekulare Diagnostik in die Versorgung gelangen kann. Seit 2018 arbeiten ausgewählte Netzwerkzentren im „nationalen Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs“ zusammen, darunter auch von der Deutschen Krebshilfe geförderte onkologische Spitzenzentren.

Das bundesweite Netzwerk ermöglicht allen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs in Deutschland Zugang zu molekularer Diagnostik, innovativen Therapien und neuesten Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen klinischer Studien. Das nNGM ist eine Weiterentwicklung des 2010 gegründeten Kölner Netzwerks Genomische Medizin. Dieses setzt sich dafür ein, personalisierte Therapien in die Routineversorgung von Menschen mit Lungenkrebs zu integrieren. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Verbundprojekt seit dem 1. April 2018.

Wenn Befunde gemeinsam gelesen werden

Wie die Übersetzung molekularer Daten in eine konkrete Empfehlung aussehen kann, zeigt das Molekulare Tumorboard (MTB) im Zentrum für Personalisierte Medizin Onkologie Frankfurt (ZPM-O). Die interdisziplinäre und multiprofessionelle Konferenz bespricht klinische Daten von Krebspatientinnen und -patienten ebenso wie molekulare Befunde. Auf dieser Grundlage entstehen individuelle Therapieempfehlungen.

Die Befunde werden in einem hybriden Tumorboard diskutiert; zuweisende Onkologinnen und Onkologen aller Fachrichtungen können virtuell teilnehmen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen ohne weitere leitliniengerechte Therapieoption, an Menschen, bei denen leitliniengerechte Therapien voraussichtlich keinen Erfolg haben, sowie an Patientinnen und Patienten mit seltenen Tumorerkrankungen ohne leitliniengerechte Therapieoption.

Die molekulare Tumorkonferenz findet montags von 16:00 bis 17:00 Uhr statt. Zuweiser können externe Patienten (non-nNGM) über den angegebenen Link anmelden. Ansprechpartner für Fragen zum Molekularen Tumorboard ist Dr. Fabian Acker, ärztliche Koordination, Medizinische Klinik 2, Hämatologie und Onkologie. Er ist unter fabian.acker@unimedizin-ffm.de oder telefonisch unter 069 6301-5677 erreichbar.

Bei Fragen zur Anmeldung hilft das MTB-Team unter mtb@unimedizin-ffm.de und 069 6301-87763 weiter.