Sprache der Demokratie: Die neue Podcast-Staffel der Universität Duisburg-Essen untersucht digitale Öffentlichkeit und demokratisches Vertrauen
An der Universität Duisburg-Essen startet am 15. Oktober 2026 die fünfte Staffel des „Politischen Pausen Podcasts“. Die NRW School of Governance gibt ihr den Titel „Sprache der Demokratie“. Alle drei Wochen kommt eine neue Folge – also genau der Stoff für die Pause zwischen Seminar, Mensa und dem nächsten Zoom-Termin.
Gastgeberin ist PD Dr. Julia Schwanholz, Politikwissenschaftlerin an der Universität Duisburg-Essen. Sie will zeigen, wie vielstimmig Demokratie klingt, und den Zusammenhang zwischen Sprache und demokratischem Bewusstsein untersuchen. Dabei geht es um die Kommunikation von Parteien mit ihren Mitgliedern ebenso wie um den Umgang der Parteien miteinander, um Journalismus in einer schnell verbreiteten und unmittelbar kommentierten Medienöffentlichkeit und um die Frage, welche Gruppen in der digitalen Öffentlichkeit Zugang und Sichtbarkeit erhalten.
Wenn Sprache politisch wird
Die Staffel nimmt außerdem Veränderungen öffentlicher Debatten durch digitale Plattformen in den Blick. Rechtliche und verfassungsrechtliche Fragen gehören ebenso dazu wie kulturelle und historische Entwicklungen. Der Podcast fragt, wie sich politische Sprache verändert hat – und was das mit dem Vertrauen in die Demokratie macht.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Einfluss der Digitalisierung auf demokratische Prozesse und auf mögliche autoritäre Muster: Deepfakes, gezielte Überwachung oder die Entscheidung digitaler Plattformen darüber, wer öffentlich gehört wird. Auch das Verhältnis von Sprache und Bewusstsein kommt zur Sprache, ebenso manipulative Veränderungen und deren Bedeutung für die Widerstandsfähigkeit der Demokratie.
Die erste Folge ist der Radiojournalistin Nadine Lindner gewidmet. Sie war Landeskorrespondentin in Sachsen und berichtet heute aus dem Hauptstadtstudio des Deutschlandradios über Veränderungen des politischen Tons in Ostdeutschland. 2024 erhielt Lindner den Preis der Bundespressekonferenz.
Wissenschaftler:innen sowie Persönlichkeiten aus Politik und Medien zeigen laut Redaktion weiterhin großes Interesse an einer Teilnahme. Das Podcast-Team nimmt zudem Themenvorschläge von Studierenden und anderen Hörer:innen entgegen. Zu hören ist der Podcast unter anderem bei Apple Podcasts, Spotify und Audible sowie auf ppp.podigee.io. Weitere Informationen gibt es auf der Website der NRW School of Governance.
148 Podcasts, viele Zugänge zur Demokratie
Wer danach weiterhören möchte, findet auf podcast.de eine Übersicht deutschsprachiger Demokratie-Podcasts, die kostenlos online gehört werden können. Genannt werden dort insgesamt 148 Angebote – vom monatlichen „Briefing Demokratiepolitik“ bis zum eher ungewöhnlich sortierten „Demokratie für Faule“, dessen Community die Themen bestimmt: Gaming, Filme, Comics, Kampfsport und Philosophie. Der Host will die Fragen bis zur Suche nach der Wahrheit verfolgen.
Das „Briefing Demokratiepolitik“ berichtet monatlich über aktuelle Entwicklungen. Demokratiepolitik wird dort als staatliche und zivilgesellschaftliche Gestaltung, Weiterentwicklung und Schutz der Demokratie beschrieben; hinzu kommen neue Daten, politische Einordnungen und unterschiedliche Perspektiven. Genannt ist die „Sommerausgabe #6 September/Oktober 2026“.
Bei „ZdE – Zusammen für demokratische Ermächtigung in Berlin“ geht es um den Leitgedanken, gemeinsam demokratische und politische Macht zu stärken. Die Initiative spricht über entmachtende Strukturen, Solidarität und gemeinsame Problemlösungen; eine neue Folge erscheint monatlich. Kontakt ist über mitmachen@zde-berlin.de möglich, genannt werden Joanna und Dirk.
Die Interview-Reihe „Säulen der Demokratie“ kommt vom Lehrstuhl für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte der Universität Regensburg. Sie behandelt Grundlagen und tragende Werte der Demokratie und vergleicht sie mit einem Gebäude, das jede Generation neu verstehen, gestalten, leben und schützen muss. Als Folge ist „Demokratie und Menschenrechte – Prof. Heiner Bielefeldt im Interview“, Folge 10, aufgeführt.
„Demokratie macht Schule“ widmet sich der Demokratiebildung und der Sprache als politischem Werkzeug. Wortwahl, Mitbestimmung und Kommunikation beeinflussen demnach das Zusammenleben. Eine genannte Folge heißt „Demokratiebildung von jungen Menschen für junge Menschen“.
Mit Demokratiebildung in einer vielfältigen und von Migration geprägten Gesellschaft befasst sich „DMS Campus: Demokratiebildung in der Migrationsgesellschaft“. Der Podcast spricht über Veränderungen bei der Akzeptanz von Diversität und Zuwanderung in Deutschland, politische Kontroversen um Migration und Integration sowie die Frage, welches Wissen schulische und außerschulische Demokratiebildung braucht. Grundlage sind Impulse und Erkenntnisse aus der Forschung; außerdem geht es um Möglichkeiten, Migration und Integration erfolgreich zu gestalten.
Von der Kita bis zum Wahlkampf
„demokratie.plus“ liefert aktuelle Demokratiethemen in kompakter Form. Der wöchentliche Podcast von Jörg Sommer, Direktor des Berlin Instituts für Partizipation, erscheint sonntags, während eine neue Newsletter-Ausgabe donnerstags veröffentlicht wird. Genannt ist die Folge „#157 | Winzig. Aber wichtig.“
Die Reihe „Demokratie & Vielfalt – alle inklusive? Der KiTa-Podcast“ gehört zum Projekt „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“. Beteiligt sind mehrere Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe. Gefördert wurde das Projekt im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ durch das Bundesfamilienministerium von 2020 bis 2024. Eine Folge trägt den Titel „Vielfalt statt Vorurteile: Antisemitismuskritische Bildung in der KiTa“.
„Demokratie im Dialog“ behandelt unter anderem den Liberalismus in Deutschland. Als Beispiel ist „E27 – Hacks für den Wahlkampf: Sicherheit am Infostand“ verzeichnet. „Der Weg der Demokratie“ wiederum begleitet das Buch „Der Weg der Demokratie“ von Günter Fröhlich; genannt wird „Folge 6: Thomas von Aquin“.
Bei „Dickes D – Der Demokratie-Podcast“ diskutieren Tobias Endler, Buchautor und Sozialwissenschaftler, sowie Florian Weiss, TV-Moderator und Journalist, Demokratie in der Gegenwart, ihre Stärken und Schwächen und unterschiedliche Formen und gesellschaftliche Bereiche. Die Themen reichen von Deutschland und den USA bis zu Fußball, Hip-Hop, Familie und Schule. Eine neue Folge erscheint alle zwei Wochen donnerstags.
„Demokratie auf die harte Tour“ läuft mit dem Titel „Aufrechte Demokraten“. Simon David Dressler und Ole Liebl behandeln wöchentlich jeweils ein Thema, mit dem Ziel, gesellschaftliche Spaltung zu überwinden. Als Folge ist „Simon in China & Merz ist ein Versager“ genannt.
Historische Warnschilder und neue Handlungsspielräume
Die historische Serie „Machtergreifung – Wie Hitler die Demokratie zerstörte“ verfolgt die Umwandlung der Demokratie in eine Diktatur unter Adolf Hitler. Sie behandelt die politischen und gesellschaftlichen Krisen der Weimarer Republik, den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Zerstörung demokratischer Strukturen. Machtstreben, Manipulation und Gleichgültigkeit werden als Faktoren dieser Entwicklung thematisiert; daraus zieht die Serie Lehren für die Gegenwart. Moderiert wird sie von Daniel Fürg, produziert von The 48forward Studios.
„Lehren aus der Geschichte – Die Bedeutung der Demokratie“ setzt ebenfalls einen historischen Schwerpunkt und fragt nach der Bedeutung demokratischer Systeme. „Deutschland, deine Demokratie“ nennt unter anderem die Folgen „Politik zum Mitreden: Wie reden wir über Migration?“ und „Wie halbiert man die AfD wirklich? – Prof. Dr. Susanne Spindler“.
Um ein funktionierendes gesellschaftliches Miteinander geht es in „Demokratie neu gedacht und neu gemacht!“. Der Podcast spricht über zunehmende Krisen, wachsende Politikverdrossenheit, Gleichberechtigung und Mitbestimmungsrechte. Im Mittelpunkt stehen individuelle Handlungsmöglichkeiten und die eigene Rolle bei gesellschaftlichen Veränderungen. Die Website lautet tannenberger.eu.
„Aufbruch – Podcast der Initiative Demokratischer Konföderalismus“ fragt nach gesellschaftlichen Lösungen jenseits von Staat, Macht und Gewalt und nach Wegen durch aktuelle Krisen. Eine Staffel mit vier Folgen stellt unter anderem die drei Grundsäulen des Demokratischen Konföderalismus vor. Genannt wird „Aufbruch #5 – Politische Lage“.
Die „Denkfabrik Demokratie – Der Podcast für Demokratieentwicklung“ wird von Christian Gieselmann moderiert. Es geht um politische Ereignisse und grundsätzliche Überlegungen zur Reform des Staates; eine neue Folge erscheint alle zwei Wochen. Haltung und Verantwortung gelten als Grundlagen einer wehrhaften Demokratie. Rassismus, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Verschwörungstheorien und Hetze werden als nicht akzeptierte Inhalte genannt. Kontakt: denkfabrik-demokratie.de oder gieselmann@denkfabrik-demokratie.de.
