Vom 16. bis 18. September 2026 traf sich die internationale Stahlbau-Fachwelt in Krakau zur 11. European Conference on Steel and Composite Structures (EUROSTEEL 2026). 571 registrierte Teilnehmende aus 45 Ländern, 506 Fachbeiträge in 92 Sessions und fünf Keynote-Vorträge: Das Programm war entsprechend dicht – drei Tage lang ging es um Forschung, Austausch und die Frage, wie Stahl- und Verbundkonstruktionen länger genutzt werden können.

Auch das Institut für Metall- und Leichtbau der Universität Duisburg-Essen war mit drei wissenschaftlichen Beiträgen dabei. Im Mittelpunkt der Konferenz standen die Bewertung, Modernisierung und Wiederverwendung bestehender Stahl- und Verbundkonstruktionen sowie aktuelle Fragen des nachhaltigen Bauens. Die nächste EUROSTEEL-Konferenz soll 2029 in Essen stattfinden.

Drei Beiträge aus Duisburg-Essen

Dr.-Ing. Nariman Afzali präsentierte „Experimental and Numerical Studies on Load-Bearing Behaviour of Small-Diameter Bolted Connections“. Untersucht wurde das Tragverhalten von M8- und M10-Schrauben unter Zug-, Scher- sowie kombinierter Zug-Scher-Beanspruchung. Dabei analysierte Afzali verschiedene Einflussfaktoren auf das Tragverhalten kleiner Schraubendurchmesser.

Um geschraubte Verbindungen aus Kohlenstoffstahl und nichtrostendem Stahl ging es im Beitrag von Dr.-Ing. Dominik Jungbluth: „Load Bearing Capacity of Bolted Connections Made of Carbon and Stainless Steel in Oversized and Slotted Holes“. Im Fokus stand deren Tragfähigkeit bei übergroßen Löchern und Langlöchern.

Mohammad Aljomaa, M.Sc., stellte „Fatigue Behaviour of Slip-Resistant Connections Including Manufacturing Effects“ vor. Sein Thema war das Ermüdungsverhalten gleitfest vorgespannter Verbindungen. Berücksichtigt wurden insbesondere die Werkstofffestigkeit und unterschiedliche Oberflächenzustände – Details aus der Herstellung also, die später über die Belastbarkeit mitentscheiden können.

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Die Konferenz bot Raum für den internationalen wissenschaftlichen Austausch und für Diskussionen über die vorgestellten Forschungsarbeiten. Neben den Beiträgen aus Duisburg-Essen griffen auch die Keynotes zentrale Fragen rund um Bestand, Belastung und Wiederverwendung auf.

Von Japan bis zu künstlicher Intelligenz

Prof. Zbigniew Kowalewski vom Institute of Fundamental Technological Research in Warschau sprach über den Einfluss von Ermüdungs- und Kriechbelastungen auf ausgewählte Stahlsorten und deren anschließendes Wiederverwendungspotenzial. Prof. Roberto Leon von Virginia Tech in Blacksburg, USA, widmete sich der Bewertung, Sanierung und Wiederverwendung bestehender Stahltragwerke in den USA.

Prof. Taichiro Okazaki von der Hokkaido University in Japan nahm die Wiederverwendung von Stahl in seismisch aktiven Gebieten Japans in den Blick. Prof. Luis da Silva von der University of Coimbra, Portugal, zeigte, wie innovative Verbindungen die breite Nutzung demontierbarer und wiederverwendbarer modularer Stahlstrukturen ermöglichen können. Und Prof. Alper Kanyilmaz vom Politecnico di Milano beschäftigte sich mit der KI-gestützten Bewertung bestehender Stahltragwerke.

Das passt zu einer Entwicklung, die im Bauwesen zunehmend an Gewicht gewinnt: Nicht nur der Neubau zählt, sondern auch die Frage, was mit einem Tragwerk nach Jahrzehnten passiert. Leicht lösbare Verbindungen können die Demontage erleichtern; Bauteile lassen sich anschließend in anderen Bauwerken einsetzen oder ohne Qualitätsverlust recyceln.

Material mit langem Atem

Stahlbauteile können wiederverwendet oder ohne Qualitätsverlust recycelt werden. Nach den Angaben aus der Umwelt-Produktdeklaration „Baustähle“ liegen die Quoten bei 11 Prozent Wiederverwendung, 88 Prozent Recycling, einer Sammelrate von 99 Prozent und 1 Prozent Verlust. 70 Prozent des erfassten Baustahls werden aus Recycling gewonnen.

Eisen, der Grundstoff der Stahlproduktion, ist mit rund 5 Prozent Massenanteil ein natürlicher Bestandteil der Erdkruste. Die Stahlherstellung aus Eisenerz bleibt laut dem zugrunde liegenden Artikel dennoch erforderlich, um die Lücke zwischen verfügbaren Sekundärrohstoffen und dem Bedarf zu schließen. Nach der Nutzung geht Stahl dann wieder in die Kreislaufwirtschaft zurück – durch Wiederverwendung oder Recycling.

Seine konstruktiven Eigenschaften machen den Werkstoff vielseitig: Stahlkonstruktionen bieten große Spannweiten, schlanke Bauteile, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten sowie Anpassungs- und Erweiterungsfähigkeit. Sie haben eine lange Lebensdauer, lassen sich umnutzen und können ihren Wert erhalten. Hohe Tragfähigkeit bei geringen Abmessungen reduziert Materialeinsatz, Bauvolumen und Betriebskosten.

Schlanke Stahlkonstruktionen eignen sich für unterschiedliche architektonische Lösungen und für die Kombination mit anderen Materialien. Funktionsdecken mit integrierter Haustechnik können Raumklima und Medienversorgung unterstützen, schlanke Verbundstützen zusätzliche nutzbare Flächen schaffen. Einsatzbereiche reichen vom Industrie- und Gewerbebau über Büro- und Verwaltungsgebäude bis zu Stadien, Verkehrsinfrastruktur und dem Bauen im Bestand.

Umbauen statt abreißen

Wenn sich wirtschaftliche, technische oder gesellschaftliche Anforderungen ändern, können Stahlkonstruktionen angepasst werden. Gebäude aus Stahl lassen sich vergleichsweise einfach und kosteneffizient umbauen, aufstocken und erweitern. Das kann Abrisse vermeiden – und damit Ressourcen sparen.

Korrosionsschutzsysteme, Brandschutzbeschichtungen, brandsichere Baukonzepte sowie Wartung und Instandhaltung schützen Stahlbauten vor Witterung und Feuer. Leichte Konstruktionen benötigen bei hoher Tragfähigkeit geringe Bauteilabmessungen und kleinere Fundamente. Die filigrane Bauweise kann die Flächen- und Volumeneffizienz erhöhen und Betriebsverbräuche senken.

Höherfeste Stähle und Lochstegträger sollen den Ressourcenverbrauch weiter reduzieren. Zwar wird für die Stahlherstellung pro Tonne mehr Energie benötigt als für einige andere Baustoffe; mit einer Tonne Stahl kann jedoch mehr Bauwerk errichtet werden. Das ist eine dieser Rechnungen, bei denen die einzelne Zahl allein nicht weit trägt.

Gefertigt werden Bauteile in modernen, witterungsunabhängigen Werken. Die Vorfertigung ermöglicht hohe Qualität, kurze Bauzeiten und geringere Belastungen für Baustellen und deren Umfeld. Fertigungswerke bieten zudem hohe Standards bei Arbeitssicherheit und Qualität. Just-in-time-Prozesse optimieren die Baustellenlogistik, reduzieren das Transportaufkommen und erlauben eine schlanke Baustelleneinrichtung.

Schnellere Bauabläufe verkürzen die Bauzeit und ermöglichen eine frühere Nutzung des Bauwerks. Verkehrsstörungen, Bauabfälle sowie Lärm- und Staubbelastungen können dadurch sinken. Stahl- und Stahlverbundbrücken ohne Mittelstützen über Autobahnen können Verkehrsstaus und volkswirtschaftliche Kosten verringern – ein ziemlich praktischer Effekt, wenn der Berufsverkehr ohnehin schon zäh genug ist.

Stahl wird außerdem für nachhaltige Bauweisen und für Energieversorgungssysteme wie Windkraftanlagen und Gaskraftwerke eingesetzt. Die Umwelt-Produktdeklaration „Baustähle“ enthält ökologische Kennwerte über den gesamten Lebenszyklus. Diese Daten dienen als Grundlage für Ökobilanzen, Nachhaltigkeitszertifizierungen von Bauwerken, EU-Richtlinien sowie technische Lieferbedingungen für Bauen und Ressourcenschutz.

Erhältlich ist die Umwelt-Produktdeklaration über das Download-Center von bauforumstahl sowie beim Institut Bauen und Umwelt. Zertifizierungssysteme wie DGNB, LEED und BREEAM bewerten Gebäude anhand festgelegter Nachhaltigkeitskriterien und machen die Ergebnisse in Labels sichtbar. Eine Tabelle im zugrunde liegenden Artikel beschreibt Kriterien, die bei Tragwerksentwürfen in Stahl- und Verbundbauweise für diese Zertifizierungssysteme relevant sind.

Heute, am 28.09.2026, bleibt von der Krakauer Konferenz vor allem ein Arbeitsauftrag: bestehende Tragwerke genauer bewerten, Verbindungen weiterentwickeln und Bauteile so planen, dass sie nicht nach einer einzigen Nutzung ausgedient haben.