RWTH Aachen, 26. September 2026 – An deutschen Tankstellen ist die Lage angespannt. Diesel kostete am Donnerstag laut ADAC durchschnittlich 2,471 Euro je Liter – so viel wie noch nie, knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 wurde nach mehreren Rekorden leicht billiger und lag im Schnitt bei 2,308 Euro.

Bundestag und Bundesrat haben deshalb im Eilverfahren einen Tankrabatt beschlossen. Vom 1. Oktober 2026 bis Ende 2026 soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel jeweils um 14 Cent je Liter sinken. Einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von 17 Cent. Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen zusammen um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Ein Rabatt in vergleichbarer Höhe hatte bereits von Anfang Mai bis Ende Juni gegolten.

Die Einigung kam kurz vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die CDU verlor in Berlin deutlich und verfehlte in Mecklenburg-Vorpommern den Einzug in den Landtag. Hohe Spritpreise treffen schließlich gerade jene, die täglich ins Auto steigen müssen – zur Arbeit, zur Ausbildung oder weil Bus und Bahn keine brauchbare Verbindung anbieten.

Wer wirklich vom Rabatt profitiert

Der Haken steckt in der Verteilung. Die Entlastung richtet sich nicht nach Bedürftigkeit. Wer ein großes, viel gefahrenes Fahrzeug besitzt, spart mehr. Besitzerinnen und Besitzer sparsamer Kleinwagen bekommen weniger; Menschen ohne Auto erhalten gar keine Unterstützung.

Eine Kurzstudie des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik der RWTH Aachen untersucht die Wirkung des Tankrabatts auf deutsche Haushalte. Anlass waren stark gestiegene Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen. Nach den Berechnungen sparen Haushalte im Durchschnitt knapp 11 Euro pro Monat, während die staatlichen Kosten bei etwa 330 Millionen Euro monatlich liegen.

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Eine weitere Auswertung zum Tankrabatt im Frühjahr kommt auf ähnliche, aber nicht identische Werte: Haushalte in der oberen Einkommenshälfte sparten durchschnittlich 12,90 Euro pro Monat, das ärmste Zehntel dagegen nur 3,20 Euro. Energiearme Haushalte erhielten demnach von 100 Euro staatlicher Entlastung gerade einmal 8,60 Euro. Anders gesagt: Nur 8,6 Prozent des Entlastungsvolumens erreichen diese Haushalte, mehr als 90 Prozent fließen an Haushalte ohne entsprechende Belastung.

Für private Haushalte kostet die Maßnahme den Staat rund 440 Millionen Euro monatlich. Zugleich dürfte der Kraftstoffverbrauch in Deutschland laut der Berechnung um etwa 2,2 Prozent steigen; die RWTH-Studie ermittelt für die Kraftstoffnachfrage privater Haushalte rund zwei Prozent. Kurzfristig wird das Tanken billiger, doch der zusätzliche Verbrauch kann die Knappheit verschärfen und preistreibend wirken.

Unklar bleibt außerdem, ob Mineralölkonzerne den Rabatt vollständig an ihre Kundschaft weitergeben. Rund sechs Prozent der deutschen Rohölimporte stammen aus dem Nahen Osten, ein großer Teil davon steht derzeit nicht zur Verfügung. Da wirkt mehr Nachfrage ungefähr so hilfreich wie ein Schneeschieber im Hochsommer.

Rabatt, Deckel und politische Reibung

Bund und Länder haben sich neben dem Tankrabatt auf einen Spritpreisdeckel geeinigt. Spätestens am 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden, ein früherer Starttermin ist noch offen. Vorbilder sind Luxemburg und Belgien. Der Deckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern. Für Benzin und Diesel soll ein Höchstpreis gelten, der sich unter anderem an Ölpreisen, Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientiert.

Die Länder sollen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen. Die SPD fordert den Spritpreisdeckel seit längerer Zeit, während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihn abgelehnt hatte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die geplante Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte Maßnahmen gegen hohe Preise an Tankstellen und zur Rückgabe von Krisengewinnen der Mineralölkonzerne an. Die Verhandlungen zwischen Kanzler Merz und Koordinatoren der SPD- und CDU-geführten Länder hatten bereits am Donnerstagabend begonnen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, die Preise würden kurzfristig gesenkt; zusätzlich solle der Spritpreisdeckel für weitere Entlastung sorgen. Lies sprach sich auch für eine Übergewinnsteuer aus, damit Mineralölkonzerne an der Finanzierung beteiligt werden.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, dass die Energiesteuersenkung auch mittelständische Unternehmen entlaste. Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen weitere zielgerichtete Maßnahmen geprüft werden.

Frankreich setzt stärker auf Bedürftigkeit

Frankreich geht einen anderen Weg. Dort werden einkommensschwache Berufstätige, die für den Arbeitsweg auf ein Auto angewiesen sind, mit 100 Euro unterstützt. Voraussetzung sind unter anderem mindestens 15 Kilometer pro Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder 8.000 beruflich gefahrene Kilometer pro Jahr.

Den Kreis der Berechtigten hat Frankreich auf rund 5,5 Millionen Menschen erweitert und eine weitere Zahlung angekündigt. Auch betroffene Branchen erhalten gezielte Unterstützung. Das Geld landet damit eher bei jenen, deren Alltag ohne Auto tatsächlich ins Rutschen gerät.

Als weitere Möglichkeiten gelten eine verlässliche Förderung der Elektromobilität sowie ein besseres und günstigeres Bus- und Bahnangebot. Ein erneuertes Neun-Euro-Ticket könnte Menschen entlasten, die vom Tankrabatt kaum profitieren, und zugleich Alternativen zum Auto schaffen. Für viele wäre das weniger spektakulär als ein Preissturz an der Zapfsäule, aber vielleicht nützlicher.

Die Bundesregierung stellte für 2027 zielgerichtete Leistungen und einen Weg für direkte Auszahlungen in Aussicht. Sie will die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus schaffen. Außerdem begrüßt sie Gespräche auf EU-Ebene über Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft – nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022.

Ob der Tankrabatt an der Zapfsäule vollständig sichtbar wird, bleibt offen. Vor dem Kassenhäuschen zählen am Ende ohnehin nicht die politischen Ankündigungen, sondern der Betrag auf der Anzeige und das, was vom Monatsgeld noch übrig ist.