Die Universität Hamburg hat am 20.10.2026 einen rund 90-seitigen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Erstmals werden darin Nachhaltigkeitsleistungen systematisch über mehrere Bereiche hinweg dokumentiert – von Umwelt und Sozialem bis zu Governance, Forschung, Studium und Lehre, Transfer und Universitätsbetrieb. Die Daten reichen von 2019 bis 2024.

Eine gesetzliche Berichtspflicht nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) besteht für die Universität nicht. Trotzdem orientiert sich der Bericht freiwillig an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und an den Anforderungen, auf die sich die Universität frühzeitig bezogen hat. Grundlage ist eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Das klingt sperrig, soll aber helfen, Auswirkungen und strategisch wichtige Themen geordnet zu erfassen.

Forschung, Studium und ein etwas kleinerer CO₂-Fußabdruck

35 Prozent der wissenschaftlichen Publikationen aus dem Jahr 2024 hatten einen Nachhaltigkeitsbezug. Nachhaltigkeitsbezogene Forschung ist laut Bericht in allen Fakultäten verankert. Auch in den Studiengängen taucht das Thema häufig auf: 69 Prozent hatten 2024 einen Nachhaltigkeitsbezug.

Im Universitätsbetrieb sanken die marktbasierten Treibhausgasemissionen 2024 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 51.354 Tonnen CO₂-Äquivalente. Parallel wurde die naturnahe Entwicklung des Campus als zentrales Handlungsfeld weiter ausgebaut. Zwischen Beeten, Wegen und Gebäuden ist das kein Nebenschauplatz, sondern eine Frage, die mitten im Hochschulalltag landet.

Bei der sozialen Nachhaltigkeit meldet der Bericht ebenfalls eine Veränderung: Der Anteil von Professorinnen stieg 2024 auf 38,1 Prozent. Mit dem Zentrum Antidiskriminierung gibt es außerdem eine zentrale Anlaufstelle für Beratung, Prävention und Sensibilisierung.

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Bericht als Arbeitsinstrument

Universitätspräsident Hauke Heekeren erklärt, der Bericht zeige Fortschritte, aber auch weiteren Verbesserungsbedarf in Forschung, Lehre, Transfer und auf dem Campus. Chief Sustainability Officer Laura Marie Edinger-Schons beschreibt Nachhaltigkeit als langfristigen Transformationsprozess, der Forschung, Lehre, Transfer, Governance und den Universitätsbetrieb umfasst.

Die im Berichtsprozess entwickelten Daten- und Kennzahlensysteme sollen künftig dabei helfen, die Nachhaltigkeitsleistung kontinuierlich weiterzuentwickeln, Ressourcen gezielter einzusetzen und fundierte Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Der Bericht richtet sich damit an die Öffentlichkeit und dient zugleich als strategisches Steuerungsinstrument für die Nachhaltigkeitsstrategie 2030.

Veröffentlicht werden nicht nur Ergebnisse, sondern auch Fortschritte und bestehende Herausforderungen. Das Dokument ist als barrierefreies PDF auf der Website der Universität Hamburg verfügbar: www.uni-hamburg.de/nachhaltigkeit/berichte.

Eine Berichtsgeschichte, die bis 2010 zurückreicht

Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht steht nicht allein. Die Universität veröffentlicht Berichte, um ihre Aktivitäten, Leistungen und Fortschritte transparent zu machen. Behandelt werden Umwelt, Soziales, Governance, Forschung und Forschungsinfrastruktur, Studium und Lehre sowie Transfer. Als weiterführende Themen nennt die Universität außerdem ihr Nachhaltigkeitsverständnis, Aktivitäten, das Sustainability Office und das Green Office.

Der erste Nachhaltigkeitsbericht der Universität Hamburg erschien 2012 und dokumentierte den Stand von 2010 bis 2011. Erstellt wurde er vom studentischen Verein oikos Hamburg gemeinsam mit dem damaligen Universitätspräsidenten Dieter Lenzen. Ziel war, über nachhaltige Entwicklungen zu informieren und sie weiter voranzubringen.

Der 2016 veröffentlichte Bericht für 2011 bis 2014 entstand durch Studierende der Initiative oikos Hamburg in Kooperation mit dem bis 2019 bestehenden Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität und der Universitätsverwaltung. Indikatoren der Global Reporting Initiative zeigten, wie sich nachhaltigkeitsrelevante Bereiche veränderten. Für die Lehre entwickelten die Studierenden eigene Indikatoren, weil dieser Bereich in gängigen Indikatorensystemen damals noch nicht berücksichtigt wurde.

Der 2019 veröffentlichte Bericht für Januar 2015 bis Herbst 2018 wurde erstmals von der Universität selbst erstellt. Er knüpfte bei vielen Inhalten an die beiden vorherigen Berichte an und orientierte sich strukturell am Deutschen Nachhaltigkeitskodex für Hochschulen. Darin bekannte sich die Universität offiziell zu den 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen für 2030.

Hinzu kommt der erste gesamtuniversitäre Klimaschutzbericht, den das Sustainability Office 2023 für den Zeitraum 2019 bis 2022 veröffentlichte. Im Mittelpunkt stand die Treibhausgas-Bilanzierung nach den Standards des Greenhouse Gas Protocol. Der Bericht beschrieb den damaligen Stand und den geplanten Transformationsprozess; daraus wurden Ziele zur Emissionsreduktion und Transformationspfade abgeleitet.

Was CSRD und ESRS an Hochschulen bedeuten können

Wie weit sich solche Berichte als mehr als reine Pflichtübung verstehen lassen, untersucht ein Fachbeitrag in der Ausgabe 1/2026 von NaRp. Als Beispiel dient die Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass Nachhaltigkeitsberichterstattung für Hochschulen über regulatorische Vorgaben hinausgeht und die Logiken von CSRD und ESRS auf den Hochschulkontext übertragen werden können.

Nachhaltigkeitsberichte erscheinen dort als strategisches Steuerungs-, Kommunikations- und Transformationsinstrument. Das passt zum Hamburger Ansatz: Zahlen sammeln, Lücken sichtbar machen, Entscheidungen vorbereiten – und dabei nicht so tun, als sei mit dem PDF schon alles erledigt.

Verfasst wurde der Fachbeitrag von Prof. Dr. Uwe Sachse von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, Prof. Dr. Karina Sopp von der TU Bergakademie Freiberg und Geschäftsführerin von retria, Dr. Martin Altenburger, Leiter des ESG-Teams bei retria, sowie Oliver Scheid, M. Sc., ESG Manager bei retria. Der vollständige Beitrag erschien in der aktuellen Ausgabe von NaRp des NWB Verlag GmbH & Co. KG.