Universität Würzburg besucht Faber-Castell: Vom Holzbrett zum Bleistift
Früh aufstehen lohnt sich am 15. Oktober 2026 für Studierende der Universität Würzburg: Bei einer Mentoring-Exkursion geht es zum Stammsitz von Faber-Castell nach Stein. Treffpunkt ist um 07:40 Uhr am Würzburger Hauptbahnhof, die Ankunft in Stein ist zwischen 09:45 und 10:00 Uhr geplant. Wer morgens noch keinen Kaffee hatte, sollte das vielleicht einplanen.
Das Programm beginnt um 10:00 Uhr mit der Vorstellung des Unternehmens und des Fachbereichs. Von 10:30 bis 13:00 Uhr folgen eine Führung durch die Fertigung und das Faber-Castell-Schloss. Anschließend gibt es von 13:00 bis 13:30 Uhr ein Mittagessen in der Kantine.
Vom Holzbrett bis zum fertigen Stift
Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in die Herstellung von Bunt- und Bleistiften, lernen das Unternehmen kennen und erfahren mehr über den beruflichen Werdegang sowie den Arbeitsbereich von Dr. Susanne Veldung, Head of Brand and ESG/Sustainability Global. Am Stammsitz in Stein lässt sich verfolgen, wie aus einem Holzbrett ein holzgefasster Farb- oder Bleistift wird.
Faber-Castell bietet dort drei Besichtigungsmöglichkeiten: die Fertigung, das Graf von Faber-Castell’sche Schloss mit einer Ausstellung zur mehr als 260-jährigen Unternehmens- und Familiengeschichte sowie das Museum „Alte Mine“. Dort führt der Rundgang durch originale Produktionsräume der Bleiminenfertigung aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Schloss, Fertigung und Museum können nur im Rahmen einer Führung und nach vorheriger Reservierung besichtigt werden. Termine, Öffnungszeiten und Führungsinformationen stehen auf der Website des Unternehmens.
Das Besucherzentrum und der Shop am Schloss sind montags bis freitags von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Die Adresse lautet Nürnberger Straße 2, 90546 Stein; für die Exkursion wird außerdem die Adresse Nürnberger Str. 2, 90547 Stein genannt. Telefonisch ist das Besucherzentrum unter +49 (0)911 88199108 erreichbar. Preise für Individualbesucher beginnen bei 10,50 Euro pro Person für eine öffentliche Führung. Kinder bis einschließlich 5 Jahre haben freien Eintritt, Schülerinnen und Schüler zahlen einen reduzierten Preis, mit der NÜRNBERG CARD ist der Eintritt kostenlos.
Bei der Barrierefreiheit gibt es Unterschiede: Die historischen Räumlichkeiten sind teilweise nicht barrierefrei, und für die Besichtigung sollten längere Fußwege eingeplant werden. Das Schloss ist für Rollstuhlfahrer vollständig zugänglich.
Anreise, Kosten und Anmeldung
Die Kosten für Hin- und Rückfahrt tragen die Teilnehmenden selbst. Mit dem Deutschlandticket entstehen keine zusätzlichen Kosten; das Semesterticket gilt bis Markt Bibart. Wer mit dem Auto fährt, steuert das Besucherzentrum in der Nürnberger Str. 2 an. Parkmöglichkeiten sind über separate Kartenlinks angegeben.
Die Anmeldung läuft über den bereitgestellten Link zum Mentoring-Ausflug. Die Veranstaltung wird von der Universität Würzburg am 14. Oktober 2026 angekündigt und findet am folgenden Tag statt.
Ein Unternehmen mit langer Spur
Die Faber-Castell AG ist ein deutscher Schreibwarenhersteller mit Sitz in Stein bei Nürnberg, Bayern. Das Unternehmen ist als Aktiengesellschaft organisiert und trägt die ISIN DE0006286537. Gegründet wurde es 1761, die Branche sind Schreibwaren. Aufsichtsratsvorsitzender ist Dirk Engehausen. Im Geschäftsjahr 2022/23 beschäftigte Faber-Castell 6.421 Mitarbeitende und erzielte 649,2 Mio. Euro Umsatz; diese Unternehmensdaten haben den Stand 31. März 2023.
In Stein sind bereits seit 1719 erste Bleistiftmacher dokumentiert. 1758 ließ sich der Schreiner Kaspar Faber dort nieder und begann 1761 mit der Bleistiftherstellung. Verkauft wurden die Stifte auf dem Nürnberger Markt. Lothar Faber führte 1851 eine Bleistiftnorm ein, die für die Industrie richtungsweisend wurde. 1881 wurde er in den Adelsstand erhoben und errichtete am Faberschloss einen repräsentativen Firmensitz.
Zum 100-jährigen Firmenjubiläum entstand 1861 ein Zweigwerk in Geroldsgrün, zunächst als Schiefertafelfabrik. Lothar Faber setzte sich 1874 mit einer Petition an den Deutschen Reichstag für ein Markenschutzgesetz ein; im Mai 1875 wurde ein entsprechendes Gesetz geschaffen. Nach Lothars Tod 1896 und dem Tod seiner Witwe 1903 übernahm das Ehepaar zunächst einen Teil, später die gesamte Firma. Lothars Enkelin Ottilie hatte 1898 Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen geheiratet. Daraus entstand der Firmenname Faber-Castell, Alexander änderte seinen Namen in Alexander von Faber-Castell.
1905 führte Alexander von Faber-Castell die Marke „Castell“ für besonders hochwertige Bleistifte ein. 1931/32 wurde die Johann-Faber-Bleistiftfabrik übernommen; damit verbunden war eine Beteiligung an der brasilianischen Firma „Lápis Johann Faber“, damals der weltweit größten Bleistiftfabrik. 1935 folgte die Übernahme der Füllhalterfirma Osmia in Dossenheim. Während des Zweiten Weltkriegs stellte die Osmia GmbH anstelle von Füllhaltern Kriegsmaterial her.
Mit dem TK-Stift für technisches Zeichnen gelang 1948 der internationale Durchbruch. In den 1960er- und 1970er-Jahren kamen Textmarker und Faserstifte hinzu. Zwischen 1880 und 1975 gehörte Faber-Castell weltweit zu den wichtigsten Herstellern von Rechenschiebern. Anfang der 1990er-Jahre entwickelte das Unternehmen eine Wasserlacktechnologie für umweltfreundlichere Blei- und Farbstifte. 1992 nahm der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer die weltweit erste Produktionsanlage für solche Stifte in Betrieb.
Stifte für die Welt
Faber-Castell produziert jährlich rund zwei Milliarden holzgefasste Stifte und gilt als weltweit größter Hersteller von Bunt- und Bleistiften. Produktionsstätten gibt es in zehn Ländern, Vertriebsgesellschaften in 22 Ländern; in mehr als 120 Ländern bestehen Handelsvertretungen. Das Werk im brasilianischen São Carlos stellt jährlich rund 1,5 Milliarden Stifte her und ist die weltweit größte Farbstiftfabrik.
2017 entfielen 40 Prozent des Umsatzes auf Südamerika, 35 Prozent auf Europa und Afrika sowie 25 Prozent auf Asien. Seit 2000 verpflichtet sich das Unternehmen durch eine eigene Charta, weltweit die empfohlenen Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuhalten. 2007 wurde die Akademie Faber-Castell als private Bildungseinrichtung für Kunst, Kultur und Design eröffnet; ihr Betrieb soll bis Ende 2026 eingestellt werden. Daniel Rogger war ab Juni 2017 der erste familienfremde Chef des Unternehmens.
Das Sortiment reicht von allgemeinem Schreiben und Büroartikeln über Schulbedarf bis zur Marke „Graf von Faber-Castell“ für hochwertige Schreibgeräte und „Art & Graphic“ für künstlerische und technische Anwendungen. Dazu gehören „Albrecht Dürer“ für Aquarellstifte und Aquarellfarben, „Polychromos“ für Ölkreiden und Farbstifte mit Ölkreide, „Pitt“ für Pastellstifte, Zeichenkohlen und Fasermaler mit Pigmenttuschen sowie „TK“ für technisches Zeichnen.
Ein paar Randnotizen sind ebenfalls hängen geblieben: Teile von Michael Moores 2015 veröffentlichtem Dokumentarfilm Where to Invade Next wurden im Werk in Stein gedreht. Im Firmenmuseum liegt außerdem der älteste erhaltene Bleistift der Welt. Er wurde in einem Dachstuhl in Schwaben gefunden und vermutlich um 1630 von einem Zimmermann verloren. Weitere Informationen stehen unter faber-castell.de.
