Weingut Braunewell für beste Sektkollektion im Eichelmann 2027 ausgezeichnet
Das Weingut Braunewell aus Essenheim hat beim Weinführer „Eichelmann Deutsche Weine 2027“ abgeräumt: Stefan und Christian Braunewell wurden als „Weingut des Jahres – beste Sektkollektion“ ausgezeichnet. Für die Brüder geht es dabei um mehr als eine Urkunde. Die Anerkennung gilt ihrer Arbeit mit deutschem Sekt – und sie landet, wie Stefan Braunewell sagte, „stolz, froh und dankbar“ in Essenheim.
Schon im Vorjahr war das Weingut für die beste Weinkollektion Rheinhessens geehrt worden. Die Eichelmann-Redaktion hob nun hervor, dass die Braunewells neben Weiß- und Rotweinen auch besonders hochwertige Sekte erzeugen. Acht Flaschen präsentierten sie in diesem Jahr, und laut Redaktion überzeugte jede einzelne.
Vom Riesling bis zum Römerberg
Am höchsten bewertet wurde der „2020 RÖMERBERG Chardonnay Prestige“ mit 92 von 100 Punkten. Die übrigen eingereichten Sekte erhielten zwischen 88 und 91 Punkten. Dazu gehörten der „2023 Blanc de Blancs“, der „2023 Riesling Prestige“ und der „2020 Pinot Prestige“.
| Sekt | Bewertung im Eichelmann 2027 |
|---|---|
| 2023 Brut Rosé | 88/100 |
| 2023 Riesling brut | 89/100 |
| 2023 Brut de Selztal | 89/100 |
| 2021 Blanc de Blancs | 91/100 |
| 2020 Teufelspfad Pinot Prestige | 91/100 |
| 2023 Klopp Riesling Prestige | 91/100 |
| 2020 Römerberg Chardonnay Prestige | 92/100 |
| 2018 Grande Année | 91/100 |
Die Kollektion reicht vom fruchtbetonten Sekt mit kürzerem Hefelager bis zur Grande Année und zu Sekten aus besonderen Einzellagen. In den Verkostungsnotizen klingt das ziemlich anschaulich: Der Riesling Brut wird als fruchtbetont, offen, würzig und ausgewogen beschrieben, der Klopp Riesling als straff, druckvoll und fordernd. Der Rosé tritt rotfruchtig, charmant und unaufgeregt auf, der Brut de Selztal würzig, fruchtbetont und charmant.
Der Blanc de Blancs ist straff und fokussiert. Der undosierte Römerberg bringt Spannung, Hefenoten und getrocknete Apfelfrucht mit. Die Grande Année 2018 zeigt sich jugendlich, mit Brotduft und straffer Säure; der Teufelspfad Pinot wirkt eigenständig würzig und erinnert an Bratapfel. Das ist eine ziemlich breite Klaviatur für acht Sekte.
Ein Standort mit langer Sektgeschichte
Essenheim im Selztal gilt seit Langem als geeigneter Standort für Sektgrundweine. Im 1927 erschienenen Werk Die Rheinweine Hessens wurden Essenheimer Weine als rassig und volltönig beschrieben und für die Sektbereitung empfohlen. Genannt wurden unter anderem die Lagen Kloppberg, Hundertmorgen und Teufelspfad.
Kalkreiche Böden und der Wind aus dem Selztal fördern laut dem Artikel Frische, Säure und Frucht – außerdem ein Reifepotenzial, das für Sektgrundweine entscheidend ist. Bereits um die Jahrhundertwende wurden Essenheimer Weine als Sektgrundweine an regionale Sektkellereien verkauft, darunter an die Burgeff Sektkellerei in Hochheim.
In den 1970er- und 1980er-Jahren baute Adam Braunewell das Weingut aus. Er beschäftigte sich intensiv mit europäischen Weinstilen und französischem Champagner. 1978 entstand eine offizielle Partnerschaft zwischen Essenheim und den Gemeinden Châtillon, Boursault, Verneuil und Festigny im Marnetal. Daraus entwickelte sich eine bis heute bestehende Familienfreundschaft mit Champagne Charlier in Montigny-sous-Châtillon.
Bei diesem Austausch wurden in Essenheim Champagner und im Marnetal Riesling sowie Grauer Burgunder ausgeschenkt und verkauft. Adam Braunewell war außerdem an der Initiative „Winzersekt in Rheinhessen“ beteiligt und ließ schon früh eigene Schaumweine in der Genossenschaft in Sprendlingen herstellen.
Vom neuen Keller zur eigenen Kollektion
Später intensivierte Axel Braunewell den Anbau von Pinot Noir im Teufelspfad und pflanzte zusätzlich Pinot Meunier sowie Chardonnay auf dem Römerberg. Gemeinsam mit Ursula Braunewell wurde die eigene Winzersektproduktion professionalisiert. Französische Partner halfen bei der Beschaffung von Ausrüstung aus der Champagne, ein neuer Keller machte die eigene Schaumweinproduktion möglich. Gelernt wurde die Herstellung unter anderem während Axels Studium in Geisenheim.
Zu den früheren Innovationen des Weinguts zählen ein Millenniumsekt mit Künstleretikett, der Sylvaner-Sekt „Hommage 1816“ zum 200-jährigen Bestehen Rheinhessens und der kalkgeprägte Chardonnay-Sekt Blanc de Blancs aus dem Selztal.
Unter Stefan und Christian Braunewell wurde die Sektproduktion weiter professionalisiert. Das Sortiment wurde neu ausgerichtet, zusätzliche Weinberge ausschließlich für die Sektproduktion wurden angelegt und die Hauscuvée Brut de Selztal entwickelt. Mit den Lagensekten verbindet das Weingut deutsche Herkunft und Weingeschichte mit einem an internationalen Schaumweinen orientierten Qualitätsanspruch. Seit mehreren Jahren gehört es dem Club der traditionellen Sektmacher an.
Die Brüder führen die Auszeichnung auf die Arbeit mehrerer Generationen der Familie zurück und wollen die Sektproduktion weiterentwickeln. Der Weinführer „Eichelmann 2027 Deutschlands Weine“ stellt 830 Weingüter und 8.900 Weine vor. Bewertet wird nach einem 100-Punkte- und einem Fünf-Sterne-System; seit 27 Jahren wählen Verkoster die Weine für den Führer aus. Nach eigenen Angaben berücksichtigt Eichelmann dabei sowohl Spitzenerzeugnisse als auch Einstiegsqualitäten.
Was „Winzersekt“ eigentlich bedeutet
Winzersekt kann grundsätzlich aus jeder Rebsorte entstehen. Entscheidend ist, welcher Stil und Geschmack gewünscht sind. In den vergangenen Jahren wurden vor allem Winzersekte aus Burgunder-Sorten beliebter – in Essenheim passt das schon wegen Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay ins Bild.
Die Bezeichnung „Winzersekt“ steht für einen deutschen Herkunfts-, Jahrgangs- und Rebsortensekt, der nach traditioneller Flaschengärung hergestellt wird. Umgangssprachlich heißt dieses Verfahren oft „Champagnerverfahren“. „Champagne“ selbst ist allerdings eine EU-geschützte Herkunftsangabe und darf nur für Schaumwein aus der französischen Region Champagne verwendet werden.
Als Erfinder der Methode gilt der Benediktinermönch Dom Pérignon, der vor mehr als 300 Jahren in der Champagne lebte. Dort werden hauptsächlich Chardonnay, Pinot Meunier und Pinot Noir angebaut. Champagner muss nach der zweiten Gärung mindestens zwölf Monate lagern, bevor er von der Hefe getrennt wird und seine Versanddosage erhält.
Die traditionelle Flaschengärung gilt auch in Deutschland als klassisches Verfahren für besonders hochwertige Sektqualitäten. In Frankreich, Italien und Spanien ist sie ebenfalls ein zentraler Bestandteil der aufwendigen Herstellung von Qualitätsschaumwein. Gemeinsam sind diesen Traditionen der Fokus auf Herkunft, sorgfältige Handarbeit und lange Reifezeit – Eigenschaften, die in Essenheim gerade ziemlich viel Rückenwind bekommen.
