Die Universität Bonn hat anlässlich eines parlamentarischen Empfangs auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft, das am 7. Mai 2026 stattfand, ein innovatives Exponat präsentiert. Rektor Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Hoch hob dabei den Erfolg der Universität im Wettbewerb um Exzellenz hervor. Dieses Exponat stammt aus dem Sonderforschungsbereich (SFB) 1454 „Metaflammation and Cellular Programming“, der chronische, niedriggradige Entzündungen untersucht, die durch Lebensstilfaktoren wie Fehlernährung, Bewegungsmangel und Stress ausgelöst werden. Diese Form der Entzündung, bekannt als Metaflammation, spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von nichtübertragbaren Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Forscher konnten einen wichtigen Zusammenhang zwischen dem Lebensstil und dem Immunsystem aufzeigen. Im Rahmen des Exponats wird dieser Zusammenhang in einer alltäglichen Kioskkulisse vermittelt, was eine anschauliche Möglichkeit bietet, komplexe wissenschaftliche Themen zu präsentieren. Unterstützt wird das Projekt von der BarmeniaGothaer Stiftung, der Universität Bonn, dem Transdisziplinären Forschungsbereich „Leben und Gesundheit“ sowie der Bonner Universitätsstiftung.
Forschung zu Metaflammation
Der SFB 1454 „Metaflammation and Cellular Programming“ wurde nun in die zweite Förderperiode verlängert. Die Forscher widmen sich dabei der Betrachtung des westlichen Lebensstils und dessen Einfluss auf chronisch entzündliche Erkrankungen. Hierbei wird untersucht, wie übermäßige Kalorienzufuhr und ungenügende Bewegung maßgeblich zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und metabolischem Syndrom beitragen.
Besonderes Augenmerk liegt auf den lebensstil- und umweltbedingten Faktoren wie Fettleibigkeit, Rauchen und geringer Bewegung. Diese Faktoren beeinflussen die Fehl-Programmierung von Immunzellen. Ziel dieser Forschung ist es, die Mechanismen zu verstehen, die zu Metaflammation führen, einem von unserem Immunsystem ausgelösten chronischen Entzündungsprozess. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Wissenschaftsverbundes erstreckt sich über mehrere Institutionen, darunter das Universitätsklinikum Bonn und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn.
Lebensstil und Krankheit
Die Untersuchung von Lebensstilfaktoren ist in der heutigen Forschung von zentraler Bedeutung. Wissenschaftlich entwickelte Lebensstil-Scores bewerten das Gesundheitsverhalten einer Person anhand von Risikofaktoren wie Rauchverhalten, Körpergewicht und Bewegungsumfang. Je gesünder das Verhalten, desto höher der Punktestand. Diese Scores quantifizieren das individuelle Risiko für nicht-übertragbare Erkrankungen.
Eine Studie, die auf den Daten von 76.399 Personen der UK Biobank basiert, zeigt, dass höhere Scores mit einem geringeren Risiko für chronische Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes korrelieren. Besonders hervorzuheben sind die Scores „Healthy Lifestyle Score“ (HLS) und „Chronic Disease Risk Index“ (CDRI), die besonders gut in der Vorhersage des Gesamtrisikos für chronische Krankheiten und Sterblichkeit sind.Das Deutsche Krebsforschungszentrum beschreibt die Notwendigkeit eines einheitlichen, evidenzbasierten Lebensstil-Scores, um Verwirrungen bei Fachpersonal und der Bevölkerung vorzubeugen.
Der MS Wissenschaft wird bis September 2026 in 36 Städten in Deutschland, Polen und Österreich zu sehen sein und unter anderem Bonn vom 10. bis 13. Juli besuchen. Die Ausstellung bietet rund 30 interaktive Stationen, die einen Einblick in die Medizin der Zukunft geben. Die Universität Bonn und der Sonderforschungsbereich tragen mit ihren herausragenden Beiträgen zu einem besseren Verständnis für chronische Erkrankungen und deren Vorbeugung bei.