Invest in Germany Summit: Milliardenpläne für KI, Halbleiter und Deutschlands Zukunft
Im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude in Berlin beginnt heute um 9.30 Uhr der erste „Invest in Germany Summit“ der Bundesregierung. Der Ort ist inzwischen Sitz der Privatuniversität ESMT Berlin – zwischen historischer Fassade, internationaler Wirtschaft und ziemlich großen Erwartungen.
Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt rund 200 Führungskräfte internationaler Konzerne, Banken und Investmentfonds. Angesagt haben sich unter anderem Bernard Mensah von der Bank of America, Larry Fink von BlackRock, Scheich Saoud Salem Abdulaziz Al-Sabah vom Staatsfonds Kuwait sowie Investorin Jeannette Fürstin zu Fürstenberg von General Catalyst. Auch Vertreter von Mercedes, Bayer und Siemens werden erwartet. Neben Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil soll etwa die Hälfte der Bundesregierung teilnehmen.
Vom Empfang im Kraftwerk zum Gipfeltag
Los ging es bereits am Vorabend mit einem Empfang in der Berliner Veranstaltungshalle „Kraftwerk Berlin“. Bis zu 500 Gäste waren dazu eingeladen. Merz hielt eine Rede und führte ein Bühnengespräch mit Jensen Huang, CEO und Gründer von Nvidia. Es gab Kulturprogramm und Essen – darunter geräucherter Aal und Brandenburger Kürbis-Lasagne. Nach Angaben von Teilnehmern zogen viele Gäste allerdings früh weiter, um informelle bilaterale Gespräche zu führen. Auch der Kanzler blieb nicht bis spätabends.
Huang hatte Deutschland wenige Tage zuvor als „weit abgehängt“ kritisiert. Bei der Auftaktveranstaltung lobte er dann die deutsche Ingenieurskunst. Künstliche Intelligenz werde deutsche Fachkenntnisse nicht ersetzen, sagte der Nvidia-Chef, sondern vorhandenes Wissen ergänzen. Am Vorabend verkündeten die Bundesregierung und Nvidia außerdem eine Zusammenarbeit zur Entwicklung KI-gesteuerter Roboter. Eine konkrete Investitionssumme wurde für dieses Abkommen nicht genannt.
Merz warb um Vertrauen: Deutschland sei offen für Investitionen und Geschäfte und bereit, schneller zu wachsen. Der eigentliche Gipfeltag an der European School of Management and Technology beginnt mit seiner Rede. Danach folgt die Gesprächsrunde „Why Germany – Standortvorteile von Deutschland, Investitionen und Zukunftspotentiale“ mit Unternehmensvertretern.
Milliarden, Roboter und direkte Gespräche
Im Zentrum stehen privatwirtschaftliche Investitionen und die Umsetzung konkreter Projekte in Deutschland. Die Bundesregierung will damit Arbeitsplätze, Wohlstand und Wertschöpfung fördern. Der Gipfel soll zugleich ein Signal für bessere Investitionsbedingungen und Deutschlands Bereitschaft zu weiteren Investitionen senden.
Als Standortvorteile nennt die Bundesregierung die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, den stabilen Rechtsstaat, die Bestnote aller drei führenden Ratingagenturen als einziger G7-Staat und eine leistungsfähige Forschungslandschaft. Diese Bedingungen weiter zu verbessern, zählt sie zu ihren zentralen Zielen.
Geplant sind Investitionen in Energie, industrielle Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Rechenzentren, Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, Hightech und Raumfahrt. Zugleich soll der Deutschlandfonds mit rund 30 Milliarden Euro öffentlichen Mitteln Investitionen von mehr als 130 Milliarden Euro auslösen. Eine umfassendere „Invest in Germany“-Initiative soll Investoren systematisch ansprechen, begleiten und den Dialog mit ihnen dauerhaft fördern.
Ein Teilnehmer sagte, der Erfolg des Gipfels werde an der konkret mobilisierten Summe gemessen. Erwartet werde ein Betrag im dreistelligen Milliardenbereich. Ulrike Hinrichs vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften hält kurzfristig bis zu 100 Milliarden Euro privates Kapital für mobilisierbar – wenn geeignete Rahmenbedingungen und Impulse geschaffen werden.
In den anschließenden „Deep-Dive-Sessions“ leiten Regierungsmitglieder vertiefende Gespräche gemeinsam mit Co-Hosts aus der Wirtschaft. Beteiligt sind Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Forschungsministerin Dorothee Bär, Digitalminister Karsten Wildberger, Verkehrsminister Steffen Bilger, Bauministerin Verena Hubertz und der Investitionsbeauftragte des Bundeskanzlers, Martin Blessing. Gesprochen wird unter anderem über industrielle KI, digitale Transformation und die Finanzierung von Investitionen.
Parallel führen Regierungsmitglieder bilaterale Gespräche mit Konferenzteilnehmern. Gesprächswünsche konnten die Gäste zuvor anmelden. Zum Abschluss geben Merz, Klingbeil und Reiche gemeinsam ein Pressestatement ab. Organisiert wird das im Koalitionsvertrag vorgesehene Vorhaben federführend vom Bundeswirtschaftsministerium – zusammen mit Bundeskanzleramt, Bundesfinanzministerium und Martin Blessing.
Der Blick auf die tatsächlichen Geldflüsse
Wie viel Kapital Deutschland tatsächlich anzieht, zeigt ein Blick auf die jüngsten Daten: Ausländische Unternehmen investierten 2025 rund 86 Milliarden Euro in Deutschland. Das waren 50 Prozent mehr als 2024, nachdem die Investitionen damals um fast 32 Prozent zurückgegangen waren. Gegenüber dem Median der Jahre 2015 bis 2024 lagen sie 2025 dennoch fast 11 Prozent höher.
Als Direktinvestitionen gelten unter anderem Unternehmensfusionen, Übernahmen und Beteiligungen. Mit dem Geld kommen häufig auch Know-how und Technologie ins Land. Einzelne Großtransaktionen können die Jahreszahlen allerdings stark beeinflussen – ein einzelner großer Deal kann da ordentlich Bewegung in die Statistik bringen.
Deutlich verschoben hat sich die Herkunft des Kapitals. US-Unternehmen investierten 2025 noch 11,8 Milliarden Euro, fast 44 Prozent weniger als 2024. Ihr Anteil an allen ausländischen Investitionen sank von mehr als 36 Prozent auf rund 14 Prozent. Aus dem Vereinigten Königreich flossen dagegen rund 26 Milliarden Euro nach Deutschland, ein Plus von etwa 284 Prozent. Großbritannien stellte damit fast 31 Prozent aller ausländischen Investitionen und lag vor den USA.
Chinesische Investitionen stiegen um rund 51 Prozent, erreichten aber lediglich 199 Millionen Euro. Das entsprach einem Anteil von 0,2 Prozent. Aus Chile und Saudi-Arabien nahmen die Investitionen jeweils um mehr als 40 Prozent zu.
Die wichtigsten Kapitalgeber blieben europäische Staaten. Die übrigen EU-Staaten investierten trotz eines Rückgangs um 2,7 Prozent rund 43 Milliarden Euro in Deutschland – gut 50 Prozent aller ausländischen Investitionen. Zusammen mit dem Vereinigten Königreich stammten mehr als 80 Prozent des Kapitals aus Europa. Quellen: Bild, Bundesregierung, Tagesschau
