Am Institut für Psychologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gibt es seit dem 5. Oktober 2026 eine neue Anlaufstelle für seelische Gesundheit: Die Interdisziplinäre Psychotherapie-Ambulanz, kurz IPsA, hat ihre Arbeit aufgenommen. Träger ist der Lehrstuhl für Klinische Psychotherapie und Behavioral Health Technology.

Gedacht ist das Angebot vor allem für Menschen, bei denen psychische und körperliche Beschwerden eng zusammenhängen. Dazu zählen etwa Tinnitus, chronische Schmerzen und medizinisch unerklärte Symptome. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der psychischen Frauengesundheit – unter anderem bei prämenstrueller dysphorischer Störung, die mit Depressionen, Schlaflosigkeit, Schmerzen und weiteren psychischen wie körperlichen Beschwerden einhergehen kann, bei psychischen Belastungen nach einer traumatischen Geburt sowie im Zusammenhang mit Endometriose.

Erstgespräch, Gruppentherapie und bei Bedarf Einzeltermine

Am Anfang steht ein persönliches Erstgespräch. Dabei wird geklärt, welche Behandlung passt und ob die Anliegen der Patientinnen und Patienten mit den Aufgaben der Hochschulambulanz in Forschung und Lehre vereinbar sind. Die IPsA bietet Psychotherapie im Rahmen der Krankenkassenversorgung an, sofern eine psychische Diagnose vorliegt.

In der Regel startet die Behandlung in einer Gruppe mit sechs bis acht Teilnehmenden. Manche Gruppen sind störungsspezifisch, etwa für Menschen mit Tinnitus oder postnataler Depression. Andere arbeiten störungsübergreifend und beschäftigen sich mit sozialen Kompetenzen, Selbstregulation und Problemlösung. Währenddessen wird geprüft, ob anschließend eine Einzeltherapie nötig ist oder die Gruppe ausreicht.

Behandelt wird mit wissenschaftlich fundierten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren. Zum Start arbeiten vier approbierte Psychotherapeutinnen in der Ambulanz. Die Therapie erfolgt durch approbierte Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit wissenschaftlich anerkannten und gut belegten Methoden.

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Zum Konzept gehört außerdem die Abstimmung mit anderen Behandlerinnen und Behandlern – etwa Haus- und Fachärztinnen und -ärzten, Physio- und Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten, Mitbehandelnden stationärer Einrichtungen, Beratungsstellen und weiteren Gesundheitseinrichtungen. Kooperationspartner der IPsA sind unter anderem die Frauenklinik und das Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Erlangen. Verbindungen gibt es auch zu Physiotherapie, Hebammenwissenschaften und Sportwissenschaften.

Forschung sitzt mit im Therapieraum

Die Ambulanz verbindet psychotherapeutische Versorgung, universitäre Lehre und Forschung. Neue Erkenntnisse sollen möglichst direkt in die Behandlung einfließen. Für die prämenstruelle dysphorische Störung werden neue Therapieansätze entwickelt, wissenschaftlich untersucht und anschließend praktisch eingesetzt. Ein bereits erforschtes onlinebasiertes Trainingsprogramm für Tinnitus wird nun in die Behandlung überführt.

Studierende des Masterstudiengangs Klinische Psychologie und Psychotherapie sammeln praktische Erfahrungen, beispielsweise bei Erstgesprächen und diagnostischen Verfahren. Im Rahmen der universitären Lehre nehmen außerdem Psychologiestudierende sowie Psychologinnen und Psychologen in Aus- und Weiterbildung regelmäßig an Therapiesitzungen teil. Nach Absprache und unter Aufsicht der approbierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können sie diagnostische und therapeutische Aufgaben übernehmen.

Für die Qualitätssicherung der Ausbildung werden Therapiesitzungen mit Einverständnis der Patientinnen und Patienten auf Video aufgezeichnet. Nach Abschluss der Therapie werden die Aufnahmen gelöscht. Alle Mitarbeitenden erhalten regelmäßig Supervision und Weiterbildungen. Eine Aufnahme setzt voraus, dass Patientinnen und Patienten mit Lehre und Forschung an der IPsA einverstanden sind.

Auch die Behandlungen selbst werden wissenschaftlich begleitet. Patientinnen und Patienten werden zu verschiedenen Zeitpunkten gebeten, Fragebögen auszufüllen – etwa zu ihren Beschwerden oder zum wahrgenommenen Behandlungsfortschritt. Die IPsA unterstützt die Weiterentwicklung psychotherapeutischer Methoden, der Diagnostik und von Versorgungsstrukturen. In Kooperation mit dem Lehrstuhl finden regelmäßig wissenschaftliche Studien statt.

Die Ambulanz ist außerdem Teil des deutschlandweiten Forschungsverbunds KODAP. Dort werden große Datensätze aus zahlreichen psychotherapeutischen Ambulanzen in Deutschland genutzt, um klinisch-psychologische Fragestellungen zu untersuchen. Regelmäßig gibt es an der IPsA Psychotherapien im Rahmen spezifischer Forschungsprojekte; über aktuelle Projekte informiert die Homepage. Über mögliche Studienteilnahmen werden Patientinnen und Patienten gesondert aufgeklärt.

Auch per Video – aber nicht ohne persönliches Kennenlernen

Für Menschen im ländlichen Raum kann im Einzelfall videogestützte Therapie angeboten werden. Voraussetzung ist ein persönliches Erstgespräch. Zusätzlich finden regelmäßige Präsenztermine statt, zum Beispiel im Abstand von sechs Wochen statt jede Woche. Seit der Corona-Pandemie wird Videotherapie von den Krankenkassen unterstützt.

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte erhalten damit eine weitere Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten, die eine geeignete psychotherapeutische Behandlung benötigen. Die interdisziplinäre Abstimmung ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern Teil des Behandlungskonzepts: Psychische und körperliche Symptome treten häufig gemeinsam auf und beeinflussen sich gegenseitig.

Die IPsA ist eine psychotherapeutische Hochschulambulanz am Institut für Psychologie der FAU und dem Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Behavioral Health Technology angegliedert. Auf ihrer Website stehen Informationen zu Behandlungsangebot, Ablauf, Team und Kontakt bereit.

Hochschulambulanzen zwischen Behandlung, Lehre und Vielfalt

Wie die FAU verbindet auch die Hochschulambulanz des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln Psychotherapie mit Forschung und Lehre. Dort werden Erwachsene auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie behandelt, orientiert an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. In wissenschaftlichen Projekten werden psychische Störungen und ihre Behandlung untersucht; zugleich werden Kolleginnen und Kollegen im Rahmen ihrer psychotherapeutischen Qualifizierung ausgebildet.

An Therapien können dort fortgeschrittene Studierende oder Therapeutinnen und Therapeuten in Ausbildung beteiligt sein. Wer eine solche Beteiligung grundsätzlich ausschließt, kann derzeit keinen Therapieplatz erhalten. In einem Erstgespräch wird vorab besprochen, wie Forschung und Lehre die Therapie berühren könnten und ob das mit den Anliegen der Patientinnen und Patienten vereinbar ist. Eine Behandlungsanfrage kann – wie bei niedergelassenen psychotherapeutischen oder ärztlichen Praxen – direkt an die Hochschulambulanz gerichtet werden. Weitere Informationen zu Aufnahme und Ablauf einer Psychotherapie bietet die Webseite der HAPUK.

Zur therapeutischen Arbeit gehört dort außerdem eine diversitätssensible Haltung. Die Würde und Lebensrealität der Patientinnen und Patienten sollen unabhängig von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, sozialer Stellung, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, Körperform, Behinderungen oder politischer Überzeugung geachtet werden. Unterschiedliche Erfahrungen und Lebensrealitäten sollen ernst genommen und in die Therapie einbezogen werden.

Die Universität zu Köln beherbergt neben der HAPUK zwei weitere psychotherapeutische Hochschulambulanzen. An der FAU wiederum wird sich zeigen, wie die neue IPsA ihre drei Aufgaben im Alltag zusammenbringt: psychotherapeutische Behandlung, universitäre Lehre und Forschung – manchmal wohl im selben Raum, nur mit unterschiedlichen Blickwinkeln.