Ordnungspolitik, Staatsfinanzen und Wachstum: Wirtschaftspolitische Debatten zu Lars P. Felds 60. Geburtstag
Am Freitag, 9. Oktober 2026, wurde an der Universität Luzern über Ordnungspolitik, Demokratie und wirtschaftspolitische Herausforderungen diskutiert. Anlass war der 60. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld. Das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) richtete die wissenschaftliche Tagung aus, die von 12:15 bis 18:40 Uhr in Hörsaal 9 an der Frohburgstrasse 3 stattfand. Der Eintritt war frei, eine Anmeldung war erforderlich.
Feld, der die ordnungspolitische Debatte in Deutschland und der Schweiz über Jahrzehnte als Forscher, Politikberater und Ökonom geprägt hat, setzte bei der Tagung auf Können statt auf Glück – auch in der Wirtschaftspolitik. Wissenschaftler, Politikberater und Zentralbanker kamen in einer Keynote, Panels und Diskussionsrunden zusammen. Hans-Werner Sinn, Isabel Schnabel, Otmar Issing, Clemens Fuest, Veronika Grimm, Bruno S. Frey, Reiner Eichenberger und Gabriel Felbermayr gehörten zu den genannten Teilnehmern.
Warnung vor Deindustrialisierung und Alleingängen
Zum Auftakt warnte Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des ifo Instituts, vor einer Deindustrialisierung Deutschlands und vor nationalen Alleingängen in der Klimapolitik. Ein geringerer Ölverbrauch in Europa, argumentierte Sinn, müsse den weltweiten Verbrauch nicht zwingend senken: Das Öl könne andernorts nachgefragt und verbrannt werden.
Im ersten Panel ging es um Demokratie, Verfassungsregeln und deren Legitimation. Alois Stutzer von der Universität Basel erläuterte, warum dezentrale Strukturen für die Bürgerbeteiligung wichtig sind. Nils Goldschmidt von der Universität Siegen nahm Friedrich August von Hayeks Kritik am Begriff „sozial“ in der sozialen Marktwirtschaft unter die Lupe.
Danach rückten die Staatsfinanzen in den Mittelpunkt. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, zog eine Bilanz der Reformpolitik in Argentinien. Der Ausweg aus Jahrzehnten verschleppter Reformen und hoher Verschuldung sei schwierig – und politisch kostspielig. Thiess Büttner von der FAU Erlangen-Nürnberg ordnete anschließend die finanzpolitische Lage Deutschlands ein.
Geldpolitik, Wachstum und ein bisschen „Milei light“
Im Panel zur Geldpolitik gab Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, Einblicke in die Strategie der europäischen Geldpolitik. Volker Wieland von der Goethe-Universität Frankfurt erläuterte die geldtheoretischen Grundlagen. Gemeinsam mit Otmar Issing, ehemaligem Chefvolkswirt der EZB, und Ernst Baltensperger, ehemaligem Professor an der Universität Bern, diskutierten sie darüber, wie sich fiskalische Dominanz in der Währungsunion verhindern lässt.
Beim Wachstum und Wettbewerb betonte Christoph Schmidt, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, die Bedeutung innovativer Wissenschaft für das Wirtschaftswachstum. Veronika Grimm von der TU Nürnberg stellte Reformoptionen für einen neuen Wachstumspfad vor. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnte vor den Risiken eines zunehmenden Protektionismus.
Auch abseits der großen Panels wurde es konkret. Clemens Fuest meinte, Deutschland brauche möglicherweise eine Art „Milei light“. Veronika Grimm kritisierte, dass Handys an deutschen Schulen nicht konsequent weggeschlossen würden. Bruno S. Frey stellte den Beruf vor, in dem am meisten gelogen werde, und unterschied vier Arten des Lügens. Ein Video der Veranstaltung widmet sich außerdem Wegen aus der Wachstums- und Schuldenkrise Europas sowie möglichen Lehren der Schweiz aus den Entwicklungen in Nachbarländern.
Vom Hörsaal in die digitale Warteschleife
Die Tagung fand in Luzern statt; der redaktionelle Blick darauf kommt aus Erlangen-Nürnberg. Heute, am 20. Oktober 2026, ist die Veranstaltung bereits vorbei. Wer die Hintergründe online nachlesen will, kann allerdings an einer digitalen Schranke landen: Auf der Website der Deutschen Digitalen Bibliothek konnte Anubis-JavaScript nicht geladen werden, möglicherweise wegen einer Überlastung des Servers.
Anubis soll Server vor massivem automatisiertem Abrufen durch KI-Unternehmen und andere Scraper schützen. Dafür nutzt das System ein Proof-of-Work-Verfahren nach dem Vorbild von Hashcash. Der zusätzliche Aufwand für einzelne Nutzer soll gering bleiben, massenhaftes Scraping aber teurer werden. Die Lösung gilt als vorläufig; künftig sollen wahrscheinlich Headless-Browser anhand ihrer Merkmale erkannt werden, etwa an der Schriftwiedergabe.
Für Anubis sind moderne JavaScript-Funktionen nötig. Erweiterungen wie JShelter können diese deaktivieren. Als mögliche Maßnahme wird deshalb empfohlen, JShelter oder vergleichbare Erweiterungen für die betreffende Domain auszuschalten und die Seite anschließend neu zu laden. Ein kleiner Reload – und vielleicht klappt’s dann doch.
Quelle: Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik
Weitere Veranstaltungsangaben: IWP auf LinkedIn
Hinweise zur Website: Deutsche Digitale Bibliothek
