Schülerausstellung „Alle Jahre wieder!“ verbindet religiöse Feste und interreligiösen Dialog an der FAU
Im Landratsamt Erlangen-Höchstadt hängen derzeit Bilder, die religiöse Feste nicht als bloße Termine im Kalender zeigen. Schülerinnen und Schüler haben sich mit Offenbarung, Erlösung, Versöhnung und Himmelfahrt beschäftigt – vier Vorstellungen göttlicher Gegenwart, die in Judentum, Christentum und Islam jeweils eigene Formen annehmen.
Zur Wanderausstellung lädt das Bayerische Forschungszentrum für Interreligiöse Diskurse (BaFID) an der FAU ein. Die Ausstellung ist heute, am 5. November 2026, öffentlich im Landratsamt Erlangen zu sehen. Ihre Bilder stammen vom Ohm-Gymnasium Erlangen, von der Maria-Ward-Realschule Bamberg und der Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule Bamberg. Bis zum 23. November bleibt sie dort – danach zieht sie weiter durch die Metropolregion.
Feste als Fenster zur göttlichen Gegenwart
Unter dem Titel „Alle Jahre wieder!“ geht es um religiöse Feiern im Jahreskreis. Die vier Themen werden anhand konkreter Feste vorgestellt: Zur Offenbarung gehören Schawuot, Weihnachten beziehungsweise Theophanie und die Nacht des Schicksals. Die Versöhnung wird mit Jom Kippur, Karfreitag und dem Tag von ʿArafa verbunden. Pessach, Ostern und das Opferfest stehen für Erlösung. Bei der Himmelfahrt geht es um Henoch und Elija, Christi Himmelfahrt sowie die Himmelsreise des Propheten.
Die Ausstellung erklärt nicht nur die religiösen Bedeutungen dieser Feste, sondern fragt auch nach ihrer Rolle für den sozialen Zusammenhalt. Dazu gehören Kunstwerke, ein Kahoot-Quiz und Begleitmaterialien für Schulen. Die Bilder wurden von Schülerinnen und Schülern verschiedener Schularten aus der Europäischen Metropolregion Nürnberg gestaltet.
Die weiteren Stationen sind konkret terminiert: Vom 27. Januar bis 25. Februar 2027 steht die Ausstellung im Rathaus Herzogenaurach, vom 4. bis 28. Mai 2027 im Rathaus Würzburg. Danach folgen das Bibel Museum Bayern in Nürnberg vom 2. Juli bis 1. August 2027 und das Bistumshaus St. Otto in Bamberg vom 27. September bis 29. Oktober 2027. Gefördert wird das Projekt durch die Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach.
Wer Fragen zur Ausstellung hat, kann sich an Denise Scheuerer vom Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft und am BaFID wenden: denise.densch.scheuerer@fau.de.
Dialog heißt nicht, Unterschiede glattzubügeln
Der größere Rahmen, in dem die Ausstellung steht, ist der interreligiöse Dialog. Der kann staatlich oder durch Religionsgemeinschaften organisiert sein, institutionell oder privat stattfinden. Mal geht es um Gespräche im Alltag, mal um Konferenzen von Religionsführern und Theologen, Führungen in Kirchen und anderen religiösen Einrichtungen, gemeinsame Frauengruppen, den Austausch von Lehrkräften oder soziale und kulturelle Projekte. Auch gemeinsame Erklärungen zum Zusammenleben der Religionen können daraus entstehen.
Gerade darin liegt eine kleine, aber wichtige Spannung: Interreligiöse Gottesdienste werden selbst von Dialogbefürwortern teilweise abgelehnt, weil sie Unterschiede verdecken und eine Einigkeit vorspiegeln könnten, die es gar nicht gibt. Praktische Zusammenarbeit gilt deshalb häufig als tragfähiger als ein allzu abstraktes Gespräch über Gott.
Im Hinduismus etwa gibt es kein geschlossenes Glaubenssystem, sondern einen vielfältigen Verbund von Gemeinschaften und Überzeugungen. Innerhinduistische Traditionen betonen Dialog, Toleranz gegenüber Unterschieden und gemeinsame Grundannahmen. Andere Religionen werden häufig als Teilaspekte einer umfassenderen Wahrheit verstanden – als „Heilsinklusivismus“. Zugleich betonen Buddhismus, Jainismus und Sikhismus ihre Eigenständigkeit. Hinduistische Gelehrte deuteten Buddha als Avatar Vishnus; gemeinsam mit der Ausbreitung des Islams wird dies als ein Faktor für das weitgehende Erlöschen des Buddhismus in Indien dargestellt. Auf modernen hinduistischen Altären finden sich teils auch Christus oder Mutter Teresa neben hinduistischen Gottheiten und Heiligen. Viele hinduistische Vertreter engagieren sich im Dialog, während Kritiker darin manchmal Vereinnahmung, Missionsabsichten oder Naivität sehen.
Das Judentum beansprucht keine Heilsexklusivität und kennt keinen allgemeinen Missionsauftrag. Nach jüdischer Auffassung können auch Menschen anderer Religionen an der kommenden Welt teilhaben, wenn sie moralische Grundregeln wie die noachidischen Gebote einhalten. Der Talmud beschreibt unterschiedliche, von Gott gewiesene Wege für Menschen und Völker. Abraham ehrt den Priesterkönig Melchisedek, Mose lässt sich von seinem midianitischen Schwiegervater Jitro beraten, und der persische König Kyros wird als von Gott beauftragter Messias beschrieben, der die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil und den Wiederaufbau des Tempels ermöglicht.
Jüdische Vertreter beteiligen sich am Dialog, sofern keine Vereinnahmung befürchtet wird. Oft steht praktische Zusammenarbeit höher im Kurs als theologischer Austausch – nach jüdischer Überzeugung zählt das Handeln mehr als abstrakte Gotteserörterungen, ein Gedanke, der als „Orthopraxie“ bezeichnet wird. Kritiker fürchten dennoch Missionsabsichten christlicher und muslimischer Gesprächspartner. In Berlin fanden Anfang der 1930er Jahre von Rabbiner Leo Baeck initiierte christlich-jüdische Gespräche zur interreligiösen und kulturellen Verständigung statt. Rodger Kamenetz untersuchte in The Jew in the Lotus den Dialog zwischen Judentum und tibetischem Buddhismus und prägte den Begriff „Jubus“ für eine doppelte Identität. Zu den bekannten amerikanischen Jubus werden unter anderem Leonard Cohen, Allen Ginsberg, Natalie Goldberg, Goldie Hawn und Kate Hudson gezählt.
Der Buddhismus versteht sich mehrheitlich als Wahrheitslehre, nicht als exklusive Religionsgemeinschaft. Erkenntnis soll durch eigene Einsicht und Erfahrung des Lernenden und Übenden entstehen. Gespräche des Buddha und späterer Mönche mit hinduistischen Brahmanen zählen zu den ältesten Bestandteilen buddhistischer Schriften, dienten aber überwiegend der Weitergabe buddhistischer Lehre und weniger einem gleichberechtigten Austausch. Götter können aus buddhistischer Sicht verehrt werden, gelten jedoch selbst als vorläufige Existenzen. Im Dialog stellt sich daher auch die Frage, ob dies für den einen Gott der abrahamitischen Religionen gilt oder ob dieser eine unfassbare Wirklichkeit wie das Nirwana bezeichnet. Buddhistische Vertreter sprechen meist nur für sich oder kleinere Schulen; eine Ausnahme ist etwa der Dalai Lama. Kritiker warnen davor, den Buddhismus im Dialog auf eine gewöhnliche Religionsgemeinschaft und ein Glaubenssystem zu reduzieren.
Christentum, Islam und die schwierige Balance
Laut Neuem Testament richtete Jesus seine Verkündigung zunächst vor allem an das jüdische Volk. Gleichzeitig würdigte er Glauben und moralisches Handeln von Menschen anderer Herkunft: Er nahm die Samaritanerin am Brunnen an, lobte den Glauben des römischen Hauptmanns von Kapernaum und stellte im Gleichnis vom barmherzigen Samariter einen Andersglaubenden als ethisches Vorbild dar. Bei der Heilung der Tochter einer Kanaanäerin ließ er sich dazu bewegen, seine Sendung nicht auf Israel zu beschränken. Außerdem sprach er von „anderen Schafen“, die seinen Ruf hören würden. Nach der Auferstehung wurde das Heilsangebot im Missionsbefehl auf alle Menschen ausgeweitet.
Im Christentum stehen liberal-ökumenische und konservative Strömungen nebeneinander. Ökumenische Organisationen betonen den Dialog, etwa in der Charta Oecumenica der Konferenz Europäischer Kirchen. Die Evangelische Kirche in Deutschland bezeichnet ihn auf allen Ebenen als notwendig und alternativlos. Die Evangelische Kirche A. u. H. B. in Österreich veröffentlichte 2011 eine Orientierungshilfe zum interreligiösen Dialog mit dem Islam, die Frieden und gute Nachbarschaft fördern soll.
Die katholische Kirche gab den Heilsexklusivismus früherer Jahrhunderte im Zweiten Vatikanischen Konzil auf. Lumen gentium und Nostra aetate ordnen andere Christen, Juden, Muslime, Andersgläubige und Nichtgläubige auf Gottes Wahrheit hin, sofern sie sich um ein gerechtes Leben bemühen, und erkennen Wahrheitsanteile in anderen Religionen an. Weltgebetstreffen in Assisi wurden zu wichtigen Symbolen. Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog wurde 1964 als Sekretariat für Nichtchristen eingerichtet und koordiniert entsprechende Aktivitäten der römischen Kurie. Ihm ist die Päpstliche Kom
