In einem innovativen Projekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), setzen sich Wissenschaftlerinnen intensiv mit der visuellen Aufmerksamkeit von Trauernden auseinander. Unter der Leitung von Prof. Dr. Hannah Comteße von der FernUniversität in Hagen und Prof. Dr. Christina Pfeuffer von der KU Eichstätt/Ingolstadt wird nun das Augenmerk auf Blickbewegungen gerichtet. Die Initiative, die sich über drei Jahre erstrecken wird, erhält eine Förderung von knapp 350.000 Euro. Der Startschuss für dieses spannende Forschungsunternehmen fiel 2025, das Projekt trägt die Kennung 558358291, wie gepris.dfg.de festhält.

Das Untersuchungsthema hat sich schon seit einiger Zeit in der Forschung etabliert: Die anhaltende Trauerstörung (ATS) wurde im ICD-11 als neue Diagnose verankert. Dabei handelt es sich um eine bedeutende Beeinträchtigung, die Trauernde oft von ihrem Alltag ablenkt und über Zeit aufrechterhält. Die Fachleute versuchen durch ihre Studie zu klären, wie verlustbezogene Aufmerksamkeitsverzerrungen zu diesem Zustand führen können. Ziel ist es, die Mechanismen der Aufmerksamkeit besser zu verstehen und daraus neue Unterstützungsangebote abzuleiten.

Das Forschungsdesign

Im Rahmen des Projekts sollen Teilnehmende Aufgaben durchführen, während ihre Blickbewegungen erfasst werden. Ein zentraler Bestandteil ist die Antisakkadenaufgabe, die die Aufmerksamkeit gezielt auf verlustassoziierte Reize lenkt. Diese Reize können etwa Erinnerungsstücke an die verstorbene Person oder mit dem Tod verbundene Elemente wie Friedhöfe sein. Gerade hier liegt eine Limitation der bisherigen Forschung: Bislang konzentrierten sich Studien hauptsächlich auf Reaktionszeitaufgaben, und es wurde kaum idiosynkratisches Material verwendet. Fernuni-hagen.de hebt hervor, dass diese faktorenreiche Herangehensweise mehr hinsichtlich der Trauerforschung ermöglichen könnte.

Die Wissenschaftlerinnen möchten dies nun ändern: Durch die Kombination kognitiver Grundlagenforschung mit klinischer Forschung soll ein bedeutender Fortschritt erzielt werden. Zudem soll eine umfassende Vergleichsgruppe von Trauernden und gesunden Personen der Studie beitritt, sodass die Gesamtstichprobe 144 Teilnehmende beleuchten wird. Auch wenn die Untersuchung in Präsenz stattfinden kann, haben Interessierte die Möglichkeit, an einer Online-Studie teilzunehmen, die ebenfalls Eye-Tracking nutzt. Für diese Teilnahme wird als Dankeschön ein Wunschgutschein angeboten.

Aufruf zur Teilnahme

Aktuell suchen die Forscherinnen Teilnehmende, die innerhalb der letzten fünf Jahre einen Verlust erlitten haben, zwischen 18 und 65 Jahre alt sind und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Die Studie wird im Regionalzentrum der FernUniversität in Nürnberg durchgeführt, wo die Teilnehmer auf neue Erkenntnisse und Ansätze zur Unterstützung hoffen können.

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Das Projekt hat nicht nur das Potenzial, die wissenschaftliche Basis für die Trauerforschung zu erweitern, sondern könnte auch wertvolle Einsichten liefern, die in der künftigen Psychotherapie Anwendung finden. Mit modernen Methoden können neuen Lichtblicke auf die Herausforderungen geworfen werden, denen Trauernde gegenüberstehen, und vielleicht sogar Ansätze entwickelt werden, die auch in anderen Störungsbereichen weiterhelfen.