Die Linke hat vor gut drei Wochen die Abgeordnetenhauswahl in Berlin gewonnen. Seitdem wird öffentlich darüber gestritten, wie die Partei im Verhältnis zu Antisemitismus und jüdischem Leben in Berlin einzuordnen ist. Einige sehen in ihr eine Gefahr für jüdisches Leben, andere sprechen von einer medialen Kampagne gegen ein linkes Bündnis.

In dieser Auseinandersetzung geht laut Dinah Riese vieles unter. Riese leitet das Inlandsressort der „taz“, lebt in Berlin, ist Jüdin und bezeichnet sich als links. In einem persönlichen Essay erklärte sie, warum sie sich über den Wahlsieg der Linken nicht uneingeschränkt freuen konnte. Ihre Erwartung an die Partei: Der Kampf gegen Menschenfeindlichkeit müsse auch sie selbst als Jüdin einschließen.

„Es geht vieles unter“

Auf den Essay reagierten Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Riese erhielt Beschimpfungen, zugleich erreichten sie zahlreiche ausführliche und dankbare E-Mails. Die Reaktionen zeigen, wie schnell die Debatte zwischen Solidarität, Abwehr und persönlicher Betroffenheit kippen kann.

Darüber spricht Moderatorin Konstanze Nastarowitz mit Riese in der sechsten Folge des NDR-Videopodcasts „Flugmodus“ aus der Medienredaktion von „ZAPP“. Im Gespräch geht es darum, wie die Debatte eskalieren konnte, welche Aspekte aus Rieses Sicht in der öffentlichen Diskussion falsch eingeordnet wurden und welche Rolle Medien, Politik und die linke Öffentlichkeit spielen.

Einfache Antworten liefert die Folge laut Beschreibung nicht. Auch Selbstkritik innerhalb dieser Bereiche kommt zur Sprache. Das Gespräch wurde am 9. Oktober 2026 aufgezeichnet und bildet den Diskussionsstand dieses Tages ab. Veröffentlicht wird die Folge am heutigen 14. Oktober 2026 um 17 Uhr.

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Verlinkte Texte und Streitfragen

Das begleitende Material führt unter anderem zu Rieses Essay über Antisemitismus in der Linkspartei. Verlinkt ist außerdem ein Text von Dinah Riese und Lisa Schneider über die palästinensische Terrororganisation PFLP sowie der Songtext „Stop the Genocide“ von Dahabflex.

Hinzu kommen eine Studie der Freien Universität Berlin zur Selbstzensur in der Nahostberichterstattung und ein „ZAPP“-Instagram-Reel zum Antisemitismusvorwurf. Ebenfalls genannt werden ein Beitrag des Soziologen Klaus Holz zum Definitionsstreit zwischen IHRA und JDA, ein Kommentar des FAZ-Herausgebers Jürgen Kaube über Elif Eralp und die Rote Hilfe sowie ein „Feed Filter“-Text von Hamza Howidy zum Frieden im Nahen Osten.

Gerade an der FU Berlin dürfte der Verweis auf die Studie zur Selbstzensur in der Nahostberichterstattung Nachfragen auslösen: Wie frei fühlen sich Journalistinnen und Journalisten in einem Feld, in dem Begriffe, Bündnisse und politische Zuschreibungen sofort mitverhandelt werden? Die Podcastfolge legt sich dabei nicht auf eine Seite fest. Sie hält die Spannung aus – auch wenn das, ehrlich gesagt, weniger bequem ist als ein klares Urteil.

Quelle: NDR-Podcastseite zur Folge.