Berlin-Liga zwischen Torrausch, Abstiegskampf und dichtem Nebel
Am 10. Spieltag der Berlin-Liga ist einiges los gewesen: Neun Tore bei Viktoria gegen Inter, ein spätes Comeback im Kellerduell und ein Spiel, das der Nebel einfach verschluckte. Die Partie zwischen Blau-Weiss Hohen Neuendorf und dem Berliner SC wurde Mitte der ersten Halbzeit wegen dichten Nebels unterbrochen. Nach längerer Wartezeit war klar: Abbruch. Nachgeholt wird die Begegnung zu einem späteren Zeitpunkt. Ein weiteres Spiel findet in der folgenden Woche statt.
Für Viktoria war der Spieltag deutlich angenehmer. Die Gastgeber schlugen Inter mit 9:3 und lagen schon nach fünf Minuten 2:0 vorne. Zwar kam Inter mit Anschlusstreffern noch einmal heran, doch Viktoria legte weiter nach. Im Kellerduell zwischen Stern 1900 und Fortuna Biesdorf sah es zunächst ebenfalls nach einer klaren Sache aus: Timur Schick und Luca Rohr brachten Stern mit 2:0 in Führung. Dann erwischte Justin Felgentreff innerhalb von fünf Minuten zweimal den richtigen Moment und rettete Biesdorf einen Punkt.
Führungen, Drehungen und ein Platzverweis
Auch der Frohnauer SC gab eine 2:0-Führung aus der Hand. Tobias Hampel traf kurz nach der Pause, etwas mehr als zehn Minuten später erhöhte Nando Hofmann. Mariendorf steckte nicht auf und kam noch zum Ausgleich. Bei Empor lief es umgekehrt: Staaken ging durch Kevin Flemming und Fabian Seeger bereits in der ersten Halbzeit in Führung, Ferris Freiwald erhöhte rund 20 Minuten vor Schluss. Quentin Albrecht gelang für Empor nur noch der Anschlusstreffer.
Auf eigenem Kunstrasen drehten die Spandauer Kickers die Partie gegen Türkspor. Die Gäste gingen zunächst in Führung, doch SpaKi lag noch vor der Pause vorne. Süleyman Kapan sah nach einem mutmaßlichen Spuckvorfall die Rote Karte. Trotz Unterzahl blieb Türkspor gefährlich, das Siegtor fiel aber auf der anderen Seite. Die Gastgeber rückten damit auf einen einstelligen Tabellenplatz vor.
Aufsteiger Johannisthal setzte sich gegen Wilmersdorf durch. Die Gäste gerieten früh in Rückstand und fanden danach keinen Weg zurück. Benedikt Schmidtmann sowie Lukas Ferl mit zwei Treffern erzielten die Tore für Johannisthal. Tabellenführer SC Charlottenburg bezwang Rudow durch Tore von Lasse Engelsing, Vincent Spiegel und Tiam Güler. Charlottenburg hat vier Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger und außerdem ein Spiel weniger absolviert.
Eine Liga mit enger Geschichte
Die Saison 2025/26 war die 34. Spielzeit der Berlin-Liga und die 18. Saison dieser Liga als sechsthöchster deutscher Spielklasse. Sie ist die höchste Spielklasse des Berliner Fußball-Verbands. 18 Mannschaften traten an; insgesamt wurden 306 Spiele mit 1.176 Toren ausgetragen, also durchschnittlich 3,84 Treffer pro Partie. Mannschaften aus den Bezirken Lichtenberg und Mitte waren nicht vertreten.
Los ging es am 22. August 2025 mit Blau-Weiß 90 gegen Polar Pinguin, das 3:0 endete. Im ersten Saisonviertel wechselte die Tabellenführung mehrfach. Die Spandauer Kickers blieben am längsten ungeschlagen, ehe sie im siebten Ligaspiel gegen den 1. FC Wilmersdorf mit 1:6 verloren. Der SSC Südwest verlor am Tabellenende früh den Anschluss an das übrige Teilnehmerfeld.
Vor dem letzten Hinrundenspiel wurden die Füchse Berlin Reinickendorf Herbstmeister. Ebenfalls vorne dabei waren zur Winterpause der 1. FC Wilmersdorf, der SC Charlottenburg und die Spandauer Kickers. Der SSC Südwest überwinterte als Tabellenletzter mit sieben Punkten Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Polar Pinguin und Fortuna Biesdorf lagen ebenfalls auf Abstiegsplätzen. Die Winterpause dauerte vom 20. Dezember 2025 bis zum 26. Februar 2026.
Anfang April startete der SSC Südwest eine Siegesserie und löste sich vom Tabellenende. Zunächst lag der Klub vor Polar Pinguin, zeitweise auch vor Fortuna Biesdorf sowie der VSG Altglienicke II. Nach dem 28. Spieltag standen die Füchse Berlin Reinickendorf als uneinholbarer Tabellenführer und Meister fest. Im Abstiegskampf trennten die fünf letzten Mannschaften zu diesem Zeitpunkt gerade einmal drei Punkte. Zwischenzeitlich fiel der Frohnauer SC auf den letzten Tabellenplatz zurück.
Nach dem 33. Spieltag standen Polar Pinguin und der SSC Südwest als Absteiger fest. Der letzte Spieltag wurde vom 12. bis 14. Juni 2026 ausgetragen; danach war mit der VSG Altglienicke II auch der dritte Absteiger gefunden. Meister und Aufsteiger in die Oberliga Nordost 2026/27 wurden die Füchse Berlin Reinickendorf. In die Landesliga Berlin 2026/27 steigen die VSG Altglienicke II, Polar Pinguin und der SSC Südwest ab.
Tore, Karten und ein Nebelspiel
Die Torschützenkrone teilten sich Quentin Paul Albrecht vom SV Empor Berlin und Süleyman Kapan von Berlin Türkspor mit jeweils 28 Toren. Dahinter folgten Efraim Koku Gakpeto vom SC Staaken mit 23 Treffern, Victor Sunday von den Füchsen Berlin Reinickendorf mit 22 sowie Nii Bruce Weber vom 1. FC Wilmersdorf mit 19 Toren.
Auch die Kartenbilanz erzählt etwas über die Saison: 1.398 Gelbe Karten wurden gezeigt, im Schnitt 4,57 pro Spiel. Dazu kamen 53 Gelb-Rote Karten, also 0,17 je Partie, und 34 Rote Karten, durchschnittlich 0,11. Eine davon sah Süleyman Kapan nun im Spiel der Spandauer Kickers gegen Türkspor.
Für die Tabelle galten die Kriterien in dieser Reihenfolge: zuerst die Punkte, danach die Tordifferenz und schließlich die erzielten Tore. Die Berlin-Liga-Saison 2025/26 hatte damit reichlich Zahlen, enge Abstände und dramatische Drehungen zu bieten. Und in Hohen Neuendorf? Dort war irgendwann einfach nur noch graue Suppe auf dem Platz.
