Berlins Kulturhäuser antworten auf die Zerstörung des CSD-Gedenkorts mit Regenbogenbänken
Berlin setzt ein sichtbares Zeichen: Nach dem islamistischen Terroranschlag am Rand des Christopher Street Days (CSD) stellen Kulturinstitutionen in der ganzen Stadt Regenbogenbänke auf. Im Tiergarten wurde am Berliner Ensemble eine Bank in Regenbogenfarben aufgestellt. Sie soll an die Opfer erinnern – und zugleich gegen Queerfeindlichkeit und die wiederholte Beschädigung des Gedenkorts stehen.
Die Initiative geht vom Berliner Ensemble aus und versteht sich als Solidaritätsbekundung mit der queeren Community. In den kommenden Tagen und Wochen sollen weitere Bänke an Kulturorten dazukommen; vorhandene Bänke werden teils bunt gestrichen. Mit dabei sind unter anderem das Deutsche Theater, der Friedrichstadt-Palast, das HAU Hebbel am Ufer, die Komödie am Kurfürstendamm, das Maxim Gorki Theater, die Staatsoper Unter den Linden und die Sophiensäle.
Ein Gedenkort, der immer wieder beschädigt wird
Die erste Regenbogenbank im Tiergarten war am 6. August nahe dem Anschlagsort aufgestellt worden. Das Bezirksamt hatte sie neben einem neu gepflanzten Baum platziert. Der ursprüngliche Baum war beim Anschlag durch den Transporter des Täters zerstört worden. Die Bank sollte Menschen zum Innehalten und zur stillen Anteilnahme einladen.
Dann rissen Unbekannte die bunten Bohlen heraus. Sie lagen lose herum. Nach Angaben des Bezirksamts Mitte wurde die Bank in der Nacht zerstört und am Vormittag abtransportiert. Sie soll wiederhergestellt werden. Die Polizei nahm eine Anzeige wegen Sachbeschädigung auf; die Hintergründe sind noch unklar. Weil ein politisches Motiv möglich ist, wurde der Staatsschutz informiert.
Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) veröffentlichte ein Foto der beschädigten Bank auf Instagram und zeigte sich fassungslos. Die Aktivist*innen Barbie Breakout und Simon Dömer hatten angeregt, für jede zerstörte Regenbogenbank eine zusätzliche Bank im Tiergarten aufzustellen. Daraus wurde nun ein berlinweites Vorhaben an Kulturorten – kleiner Umweg, aber mit deutlich mehr Sichtbarkeit.
Der Anschlag vom 25. Juli
Am 25. Juli fuhr der 21-jährige Abdul Ballout mit einem Wagen in eine Menschengruppe und prallte gegen den Baum. Anschließend griff er weitere Menschen mit einer Machete an und floh. Eine Frau wurde getötet, 31 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Einen Tag später erschossen Polizisten den Attentäter.
Die Regenbogenbank erinnert an die Opfer dieses islamistischen Terroranschlags auf den CSD. Gerade deshalb trifft ihre Zerstörung viele Menschen besonders hart: Ein Ort, der ohnehin von Gewalt erzählt, wird erneut beschädigt.
Neue Bänke an Berliner Kulturorten
Die beteiligten Häuser wollen in den kommenden Wochen eigene Regenbogenbänke aufstellen oder vorhandene Bänke in Regenbogenfarben streichen. Das Berliner Ensemble stellt seine Bank am 27. Oktober 2026 um 11 Uhr im Helene-Weigel-Hof auf.
Intendant Oliver Reese erklärte, die Kultureinrichtungen wollten ein Zeichen gegen die Zerstörung des Gedenkorts und gegen Queerfeindlichkeit setzen. Weitere Institutionen, Unternehmen und Privatpersonen sind aufgerufen, auf ihren Grundstücken Regenbogenbänke aufzustellen. So wächst aus einem einzelnen, mehrfach beschädigten Ort ein Netz aus sichtbaren Zeichen – quer durch Berlin, auch hier an der FU Berlin beobachtet man die Entwicklung aufmerksam.
