Demokraten erobern US-Kongress zurück und bremsen Trumps politischen Spielraum
Berlin, FU Berlin, 4. November 2026 – In den USA zeichnet sich nach den Zwischenwahlen ein Machtwechsel im Kongress ab. Laut Hochrechnungen und Medienprognosen haben die Demokraten die Mehrheit sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus zurückerobert. Politische Beobachter sprechen bereits von einem „blauen Tsunami“. Für Präsident Donald Trump heißt das: mehr Widerstand, weniger politischer Spielraum – und möglicherweise ein ziemliches Gerangel in Washington.
Welche Folgen der Wahlausgang für Trumps Außen- und Handelspolitik hat und ob die USA künftig ein verlässlicherer Partner Europas bleiben oder werden, steht im Mittelpunkt der Sendung „Mitreden! Deutschland diskutiert“. Auch die Frage, welche Bedeutung die Vereinigten Staaten für Deutschland haben, wird dort aufgegriffen.
Demokraten drehen mehrere Senatssitze
Besonders deutlich zeigt sich die Niederlage der Republikaner in Kansas. Adam Hamilton besiegte den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall. Damit gewannen die Demokraten dort erstmals seit 1932 wieder einen Senatssitz. Hamilton hatte im Wahlkampf die hohen Spritpreise und die allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten thematisiert. Als ein Faktor für die Preissteigerungen wird der Iran-Krieg genannt.
Auch in Texas setzte sich ein Demokrat durch: James Talarico besiegte den von Trump unterstützten Republikaner Ken Paxton. Es war der erste demokratische Sieg bei einer Senatswahl in Texas seit mehr als 30 Jahren. In Iowa gewann Josh Turek gegen Ashley Hinson, in North Carolina Roy Cooper einen bisher republikanischen Sitz. Annie Andrews besiegte in South Carolina Darline Graham.
Weitere Wechsel gab es in Michigan, Maine und Ohio. Abdul El-Sayed gewann in Michigan und wird damit der erste muslimische Senator der USA. In Maine setzte sich der demokratische Herausforderer Troy Jackson gegen die republikanische Senatorin Susan Collins durch, die dem Senat fast 30 Jahre angehört hatte. Der frühere Senator Sherrod Brown gewann in Ohio gegen den Republikaner Jon Husted.
Einige republikanische Bastionen hielten allerdings. In Florida gewann Ashley Moody gegen Angie Nixon, in West Virginia wurde Shelley Moore Capito erneut gewählt.
Trump kündigt Zusammenarbeit an – und widerspricht sich selbst
Trump kündigte an, die Wahlergebnisse anzuerkennen und mit den Demokraten zusammenarbeiten zu wollen. Gegenüber der „New York Times“ sagte er, man werde wahrscheinlich eine Lösung finden. Bei Fox News bescheinigte er den Demokraten „gute Arbeit“.
Eine Mitverantwortung für die Verluste der Republikaner wies der Präsident zugleich zurück. Auf Truth Social schrieb er, er habe nicht auf dem Stimmzettel gestanden. Wäre er angetreten, hätte es nach seiner Darstellung einen Erdrutschsieg gegeben. Im Wahlkampf hatte Trump die Midterms allerdings wiederholt als Abstimmung über seine eigene Politik dargestellt. Ein kleiner Spagat, politisch gesehen.
Mit der demokratischen Mehrheit könnten die Republikaner bei Haushaltsentscheidungen zu Zugeständnissen gezwungen werden. Außerdem könnten die Demokraten Trumps Besetzung wichtiger Regierungs- und Richterposten erschweren. Trump wiederum hat angekündigt, gegen Gesetze, die ihm nicht entsprechen, sein Veto einzulegen. Ein politisches Patt und Stillstand wären damit möglich.
US-Vizepräsident Vance führte die Wahlniederlage der Republikaner auf den Iran-Krieg zurück. Medienberichten zufolge will der derzeitige Sprecher des Repräsentantenhauses, Johnson, nicht erneut als republikanischer Fraktionschef kandidieren.
Mehrheit auch im Repräsentantenhaus
Auch im Repräsentantenhaus gewannen die Demokraten mehrere Sitze und sicherten sich damit die Mehrheit. Im elften Wahlbezirk von North Carolina besiegte Jamie Ager die Republikanerin Jennifer Balkcom.
Prominente Demokraten verteidigten ihre Mandate: der Minderheitsführer Hakeem Jeffries aus New York ebenso wie Alexandria Ocasio-Cortez und Rashida Tlaib. Jeffries könnte mit der demokratischen Mehrheit der erste schwarze Vorsitzende des Repräsentantenhauses werden.
In Texas gewann erstmals seit fast 40 Jahren ein Demokrat einen Sitz im Repräsentantenhaus – obwohl Elon Musk mehr als 200 Millionen Dollar in die republikanische Wahlkampagne investiert hatte.
Vor der Wahl hatte der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt auf eine stärkere Unterstützung der Ukraine durch den neuen US-Kongress gehofft. Gleichzeitig besteht die Befürchtung, Trump könnte bei innenpolitischem Druck die Außenpolitik als Ventil nutzen. Kai Whittaker, Vorsitzender der Parlamentariergruppe USA im Deutschen Bundestag, erwartet, dass Trump versuchen werde, Europa zu schwächen. Er fordert deshalb mehr europäische Unabhängigkeit bei Energie, Wirtschaft und Verteidigung.
Neue Gesichter in den Gouverneurspalästen
Bei den Midterms wurden außerdem in 36 Bundesstaaten Gouverneure gewählt. In Georgia gewann die Demokratin Keisha Lance Bottoms das zuvor republikanisch regierte Gouverneursamt. Sie ist die erste schwarze Frau als Gouverneurin eines US-Bundesstaates.
In New Mexico wurde Deb Haaland laut Hochrechnungen als erste indigene Frau zur Gouverneurin in der US-Geschichte gewählt. Haaland war von 2021 bis 2025 Innenministerin unter Präsident Joe Biden und zuvor die erste indigene Frau in einem US-Ministeramt.
Florida bekommt mit dem Republikaner Byron Donalds den ersten schwarzen Gouverneur des Bundesstaates. In Wisconsin erzielt der Demokrat David Crowley ebenfalls eine Premiere: Er wird der erste schwarze Gouverneur des Bundesstaates.
Die Auszählung war in einzelnen Bundesstaaten und Wahlkreisen noch nicht abgeschlossen. Endgültige Ergebnisse konnten sich daher noch über mehrere Stunden oder Tage hinziehen.
Für Europa bleibt damit vieles offen. Ein demokratisch kontrollierter Kongress kann Trump innenpolitisch bremsen, aber nicht automatisch eine andere Außenpolitik erzwingen. In Berlin dürfte deshalb genau hingehört werden, wenn in Washington über Ukraine-Hilfe, Handel, Energie und die Rolle der USA als Partner Europas gestritten wird. Der neue Kongress ist gewählt – die Auseinandersetzung fängt offenbar erst an.
