In einer Berliner Altbauwohnung stehen meterhohe Bücherwände neben zahlreichen Instrumentenkoffern. Dazwischen: Akkordeons, dicht an dicht. Dieter Plinke, 81-jähriger Berliner Pädagoge, besitzt rund 1000 Instrumente. Sein Zuhause ist über Jahrzehnte hinweg von seinem Engagement für Musik und Musikvermittlung geprägt worden.

Angefangen hat alles mit einem Fehlkauf. Danach konnte Plinke mit dem Sammeln nicht mehr aufhören. Nun sucht er ein Museum oder eine Universität, die seine Sammlung übernimmt – eine Aufgabe, bei der es vermutlich nicht mit einem freien Regal getan ist.

Ein „Showman“ zwischen Bücherwänden

Zu den auffälligsten Stücken gehört ein elfenbeinweißes Scandalli-„Showman“-Akkordeon aus dem Jahr 1968. Rubinrote Tasten und goldene Verzierungen geben dem Instrument beinahe etwas Bühnenhaftes. Plinke spielt weiterhin selbst Akkordeon. Beim Spielen bewegt er sich im Dreivierteltakt zur Musik; die Sammlung bleibt also nicht bloß hinter Glas oder im Koffer liegen.

Ein möglicher Ort für eine solche Sammlung liegt in Italien: In Camerano gibt es an der Piazza Roma, neben dem Teatro Maratti, eine Dauerausstellung zur Geschichte des Akkordeons. Der Standort wurde gewählt, weil der Ort auf eine lange Tradition im Musikinstrumentenbau zurückblickt. Die erste Akkordeonwerkstatt entstand dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Sieben Säle voller Instrumentengeschichte

Untergebracht ist die Ausstellung in der ehemaligen Hemdenfabrik „Imperia“, deren Geschichte ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann. In sieben Sälen wird die Entwicklung der Akkordeonproduktion von ihren Anfängen bis 1998 dokumentiert – jenem Jahr, in dem der Betrieb geschlossen wurde.

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Zu sehen sind einzigartige, hochwertige Akkordeons und handgefertigte Instrumente. Zu den Exponaten zählt außerdem die Orgel, die Rick Wright von Pink Floyd in „Live at Pompeii“ spielte. Bei Besucherinnen und Besuchern besonders beliebt ist ein transparentes Klaviermodell aus den 1980er-Jahren. Ein bisschen Kuriosität darf bei einer Instrumentensammlung offenbar sein.

Mit Camerano verbunden ist auch die Geschichte von Silvio Scandalli. Durch seine Experimente entwickelte er eine bekannte Akkordeonfabrik. 1946 schloss er sich mit dem Unternehmen „Soprani“ aus Castelfidardo zusammen und gründete die Farfisa, die „Fabbriche Riunite Akkordeons“.

Castelfidardo und die klingende Industrielandschaft

Castelfidardo liegt in den Marken, in der Provinz Ancona. Die italienische Gemeinde hatte am 31. Dezember 2025 insgesamt 18.333 Einwohner und ist vor allem für die Herstellung von Akkordeoninstrumenten bekannt. Ein Akkordeon-Museum dokumentiert dort die Entwicklung dieser Instrumente.

Der Ort liegt auf einem 199 Meter hohen Hügel, etwa acht Kilometer von der Küste entfernt. In der Nähe liegen Loreto, Osimo und Ancona. Castelfidardo entwickelte sich aus einer Kirche mit Schlossanlage – und wurde später zu einem Namen, der in der Welt der Akkordeons weit über die Region hinaus bekannt ist.

Seit den 1960er-Jahren werden in Castelfidardo und der Umgebung bis nach Ancona auch elektronische Orgeln hergestellt. Beteiligt waren unter anderem Farfisa, GEM, Orla, Elka, Pari, Antonelli/S.I.E.L., Bontempi und Crumar. Seit 2003 besteht außerdem eine Städtepartnerschaft mit Klingenthal im Erzgebirge, ebenfalls einem Ort mit enger Verbindung zum Instrumentenbau.

Historisch wurde Castelfidardo am 18. September 1860 bekannt, als piemontesische Truppen unter General Enrico Cialdini in der Schlacht von Castelfidardo die päpstlichen Truppen unter den Generälen De Pimodan und Lamoricière besiegten. Heute geht es dort in Museen und Werkstätten weniger laut zu – wobei ein Akkordeon, wenn es richtig gespielt wird, durchaus Raum beansprucht.