An der Freien Universität Berlin (FU) ist die Stimmung am Institut für Theaterwissenschaft angespannt. Mehrere queerfeindliche und rechtsextreme Vorfälle haben dort für Verunsicherung gesorgt. Die Hochschulleitung verurteilte die Taten in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme.

Während der Orientierungswoche rissen Unbekannte die Pride-Flagge vor dem Institut herunter. In der folgenden Woche wurden in einer Institutstoilette Hakenkreuze entdeckt. Danach kamen weitere rechtsextreme Schmierereien hinzu. Die Institutsleitung leitete rechtliche Schritte ein, die Berliner Polizei ermittelt.

„Keinen Platz“ an der Universität

Queerfeindlichkeit und Rechtsextremismus dürften an der FU keinen Platz haben, erklärte die Hochschulleitung. Die Universität bekundete ihre Unterstützung für Hochschulangehörige, die sich angegriffen, bedroht oder verunsichert fühlen.

Alle Menschen müssten unabhängig von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität sicher an der Universität lernen, arbeiten, lehren und forschen können. Als Ort von Forschung, Lehre und kritischem Denken trage die FU eine besondere Verantwortung für den Schutz von Freiheit, Vielfalt und gegenseitigem Respekt.

Die Universität unterstützt die Aufklärung der Vorfälle und die polizeilichen Ermittlungen. Betroffene werden auf Beratungs- und Unterstützungsangebote der FU hingewiesen.

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Politischer Streit auf Berliner Campus

Der Fall fällt in eine Zeit, in der an Berliner Universitäten generell über politische Einflussnahme und Neutralität gestritten wird. Ein Student der Technischen Universität Berlin sagt, er sei „erschüttert und täglich frustriert“ über die aus seiner Sicht geringe politische Neutralität im Hochschulalltag. Aus Angst vor möglichen Konsequenzen möchte er anonym bleiben. Seine Schilderungen bilden den Ausgangspunkt einer Recherche.

Dabei geht es unter anderem um Blockadetrainings gegen die AfD, juristische Auseinandersetzungen um Hochschulkongresse und die Frage, wo politisches Engagement an Hochschulen endet und das Neutralitätsgebot beginnt. An der Humboldt-Universität Berlin besetzten propalästinensische Aktivisten im April 2025 einen Hörsaal, der dabei stark beschädigt wurde.

Antisemitismus und fehlende Strukturen

Auch Vorfälle an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin werden als Beispiel für anhaltenden Antisemitismus an deutschen Hochschulen genannt. Besetzte Hörsäle, Anfeindungen und eine feindselige Atmosphäre gegenüber jüdischen Studierenden gingen demnach teilweise mit physischer Gewalt einher. Viele Hochschulen seien nicht ausreichend darauf vorbereitet, ein sicheres und inklusives Umfeld zu gewährleisten.

Seit dem 7. Oktober 2023 habe sich die Lage jüdischer Studierender an deutschen Hochschulen verschärft. Jüdische Studierende berichten, dass sie von Kommilitonen für das Verhalten Israels verantwortlich gemacht würden und sich aus Angst aus dem Campusleben zurückzögen. An Protesten und Hochschulbesetzungen hätten zudem zahlreiche nicht eingeschriebene Personen teilgenommen. Deshalb steht eine systematische Einflussnahme externer Vereinigungen im Raum.

Die Verantwortung für die Bekämpfung von Antisemitismus liege bei der Politik, den Hochschulleitungen und den Studierenden. Klare Leitlinien, eine entschlossene Haltung und eine offene Dialogkultur sollen zu einem respektvollen und vielfältigen Hochschulumfeld beitragen. Hochschulen haben als Orte des intellektuellen Austauschs zugleich eine besondere Verantwortung für die gesellschaftliche Wertebildung. Vielen Universitäten fehlen jedoch klare Strukturen für einen konsequenten Umgang mit Antisemitismus.

Vorschläge für den Umgang mit Vorfällen

ELNET begrüßt einen angekündigten gemeinsamen Antrag von SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit an Schulen und Hochschulen. Der Antrag soll zugleich freie Diskursräume sichern.

Im Rahmen der Konferenz „Actions Matter – THE SUMMIT“ entwickelte ELNET einen „Action Plan“ gegen Antisemitismus an Hochschulen. Vorgeschlagen werden unter anderem Antisemitismus-Beauftragte, die Übernahme der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus sowie Bildungsangebote zur Sensibilisierung von Hochschulpersonal und Studierenden.

Außerdem sollen antisemitische Vorfälle systematisch erfasst und dokumentiert werden. Eine solche Dokumentation könnte eine datenbasierte Entwicklung gezielter Gegenmaßnahmen ermöglichen. An der FU Berlin stehen derweil die Ermittlungen zu den Hakenkreuzen, den weiteren Schmierereien und der heruntergerissenen Pride-Flagge im Mittelpunkt.