Robert Nissen übernimmt als neuer Kanzler die Verwaltungsleitung der BTU Cottbus-Senftenberg
Seit dem 1. November 2026 ist Robert Nissen Kanzler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Am heutigen 2. November ist damit der erste Arbeitstag des Juristen an der BTU gerade vorbei – und das Präsidium der Universität wieder vollständig besetzt.
Nissen war zuvor von März 2023 bis Oktober 2026 Kanzler der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). BTU-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Grande bestellte ihn nach einem Bewerbungsverfahren und einer öffentlichen Anhörung im Universitätssenat. Als Präsidiumsmitglied leitet er künftig die zentrale Verwaltung und ist Beauftragter für den Haushalt der Universität.
Erfahrung aus Berlin und Brandenburg
Grande verweist auf Nissens langjährige Erfahrung im Hochschulmanagement an Berliner und Brandenburger Universitäten sowie in verschiedenen Verwaltungsbereichen. Geboren wurde Nissen in Berlin. Von 1994 bis 1998 studierte er Jura an der Freien Universität Berlin. Nach dem Referendariat am Kammergericht Berlin legte er 2002 das Zweite Juristische Staatsexamen ab.
Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, als persönlicher Referent des Vizepräsidenten der FU Berlin und als stellvertretender Leiter des Bereichs Zentrale Aufgaben an der FU Berlin. Von 2009 bis 2013 leitete Nissen die Verwaltung der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik an der TU Berlin. Parallel absolvierte er ein Zusatzstudium für Führungskräfte an der Helmholtz-Akademie.
Es folgten von 2013 bis 2016 die Leitung des Büros der Kanzlerin der TU Berlin und von 2016 bis 2023 die Leitung der dortigen Abteilung Studierendenservice. Ein Lebenslauf, der ziemlich dicht gepackt ist – und nun in Cottbus auf eine Universität trifft, die selbst kräftig wächst.
Nissen beschreibt die Lausitz als Region im tiefgreifenden Wandel und die BTU als wichtigen Impulsgeber. Gemeinsam mit den Beschäftigten will er eine leistungsfähige und serviceorientierte Verwaltung weiterentwickeln, die Forschung, Lehre und Transfer unterstützt. Offene Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und der gemeinsame Gestaltungswille sollen dabei die Grundlage seiner Arbeit bilden.
Neue Hochschulleitung zum Studienjahresbeginn
Die BTU hatte ihr neues Präsidium bereits am 24. September 2026 vorgestellt. Der Akademische Senat wählte an diesem Tag die Mitglieder; die Hochschulleitung sollte zum Beginn des neuen Studienjahres arbeitsfähig sein. Senatsvorsitzender Prof. Dr. Eike Albrecht erklärte, dieses Ziel sei damit erreicht. Die Vizepräsidenten hatten ihre Ziele und Ideen zuvor in hochschulöffentlichen Präsentationen vorgestellt.
Präsidentin bleibt Prof. Dr. Gesine Grande. Wissenschaftsministerin Manja Schüle bestätigte sie am 14. September 2026 für eine zweite Amtszeit. Zum Präsidium gehören außerdem Prof. Dr. Peer Schmidt als Vizepräsident für Studium und Lehre, Prof. Dr. Wolfram Berger als Vizepräsident für Internationalisierung, Prof. Dr. Uwe Riedel als hauptberuflicher Vizepräsident für Forschung und Transfer sowie Orlando Robeck als studentischer Vizepräsident.
Uwe Riedel übernimmt dieses hauptberufliche Amt erstmals. Der Physikochemiker und Verbrennungsforscher war zuvor Professor an der BTU-Fakultät für Maschinenbau, Elektro- und Energiesysteme sowie Direktor des DLR-Instituts für CO₂-arme Industrieprozesse in Cottbus und Zittau. Erfahrungen in Verbundforschung, Forschungsmanagement und Wissenschaftstransfer bringt er ebenfalls mit.
Riedel setzt auf starke Partnerschaften, wissenschaftliche Exzellenz und die Verbindung von Forschung, Innovation und gesellschaftlicher Entwicklung. Das klingt groß, bekommt an der BTU aber konkrete Anknüpfungspunkte: Forschung soll gestärkt, der Transfer ausgebaut und der Wissenschafts- und Innovationsstandort weiterentwickelt werden.
Für die Studierenden sitzt Orlando Robeck am Tisch der Hochschulleitung. Der 20-Jährige studiert dual Bauingenieurwesen und engagiert sich im Fachschaftsrat sowie im Fakultätsrat der Fakultät für Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung. Gewählt wurde er für zwölf Monate vom Senat auf Vorschlag des Studierendenparlaments. Das Amt des studentischen Vizepräsidenten gibt es an der BTU seit einem Jahr; Robeck soll die Interessen und Perspektiven der Studierenden in die Entscheidungen der Hochschulleitung einbringen.
Internationaler werden, Lehre weiterentwickeln
Prof. Dr. Wolfram Berger wurde als Vizepräsident für Internationalisierung wiedergewählt. Seit mehr als 15 Jahren hat er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik, an der BTU inne; seit Januar 2024 ist er Vizepräsident für Internationalisierung. Zuvor arbeitete Berger sieben Jahre an Universitäten in Frankreich und England und war Vizepräsident für Forschung und akademische Entwicklung an der ICN Business School in Nancy.
Zu seinen Zielen gehören die Gewinnung, Integration und langfristige Bindung internationaler Talente, eine evidenzbasierte Steuerung von Partnerschaften und eine stärkere Willkommenskultur. Internationalität soll stärker zum Studien- und Arbeitsalltag an der Universität und in der Region gehören.
Prof. Dr. Peer Schmidt bleibt für Studium und Lehre zuständig. Der Chemiker leitet das Fachgebiet Anorganische Chemie an der BTU-Fakultät Umwelt und Naturwissenschaften und ist seit Dezember 2020 nebenberuflich Vizepräsident. Seine Arbeitsgruppe forscht unter anderem zu Energiespeichern, Tieftemperatur-Materialsynthese, Hochtemperatursynthesen und Kristallzüchtung. In der Lehre liegt sein Schwerpunkt auf Materialchemie.
Während seiner bisherigen Amtszeit wurden unter anderem die Studienanfängerzahlen erhöht, die Lehre digitalisiert, Studiengangsprofile geschärft und der Studiengang „Lehramt Primarstufe“ in Senftenberg eingerichtet. Künftig sollen Studiengänge so weiterentwickelt werden, dass sie Studierende für die Anforderungen von Technik und Gesellschaft qualifizieren.
8.400 Studierende bis 2031?
Für Nissen wartet damit nicht bloß ein neuer Schreibtisch, sondern ein ordentliches Arbeitsprogramm. Der Hochschulentwicklungsplan 2026 bis 2030 soll in ein verbindliches Arbeitsprogramm überführt werden. Bis 2031 rechnet die BTU mit bis zu 8.400 Studierenden.
Auf der Agenda stehen die Stärkung exzellenter Forschung, der Umgang mit Chancen und Herausforderungen durch künstliche Intelligenz, die Zusammenarbeit im Lausitz Science Network und die Kooperation mit der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem. Hinzu kommen der Ausbau beziehungsweise die Entwicklung und Nutzung des Lausitz Science Parks sowie die weitere Profilierung der Standorte Cottbus und Senftenberg.
Das neue Präsidium will sich außerdem auf steigende Studierendenzahlen und eine stärkere nationale sowie internationale Sichtbarkeit der BTU konzentrieren. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie viel davon in den Verwaltungsalltag passt – zwischen Haushaltsfragen, Studienorganisation, Forschungsideen und den vielen kleinen Dingen, die an einer Universität selten klein bleiben.
Von der FU Berlin, an der Nissen einst Jura studierte, führt sein Weg nun an die BTU in der Lausitz. Dort ist die Hochschulleitung seit dem 1. November 2026 komplett.
