Im Naturschutzgebiet Rastatter Bruch beginnen vom 5. bis 9. Oktober Arbeiten, die den Wasserhaushalt des Niedermoors verbessern sollen. Rund 20 Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bauen dafür vier handgefertigte Holzsperren in bestehende Entwässerungsgräben ein. Fachleute des Aueninstituts begleiten das Geländepraktikum.

Die kleinen Bauwerke sollen den Wasserabfluss bremsen. Niederschlags- und Grundwasser – vor allem im Frühjahr – bleiben dadurch länger im Moor. Die Sperren werden von Hand aus Holz gefertigt, schwere Maschinen kommen nicht zum Einsatz. Eine dauerhafte Überstauung der Moorflächen ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Viel eher geht es um einen vorsichtigen Eingriff, der das Austrocknen bremst, ohne das Gebiet großflächig umzukrempeln.

Alte Gräben, neue Belastungen

Das historische Grabensystem entwässert das Niedermoor seit langer Zeit. Sinkende Wasserstände fördern, dass Sauerstoff in zuvor wassergesättigte Torfschichten gelangt. Der organische Moorboden wird dadurch zersetzt, sein weiterer Abbau beschleunigt. Dazu kommen zunehmende sommerliche Trocken- und Hitzeperioden, die dem Rastatter Bruch zusätzlich zusetzen.

Mit den Holzsperren soll sich dieser Prozess verlangsamen. Zugleich kann sich der Lebensraum für moortypische Tier- und Pflanzenarten verbessern. Die Maßnahme ist der erste Schritt einer Reihe weiterer Arbeiten im Naturschutzgebiet. Auch in anderen Gebieten des Regierungsbezirks Karlsruhe sind Maßnahmen für bessere Wasserverhältnisse geplant.

Das Aueninstitut untersuchte unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Damm über mehrere Jahre die Wasserverhältnisse im Rastatter Bruch und entwickelte daraus Vorschläge für Verbesserungen. Die Arbeiten gehören zum grenzüberschreitenden Interreg-Projekt „Zones Humides/Feuchtgebiete“. Es soll wertvolle Feuchtgebiete und Moorlebensräume in der Oberrheinebene erhalten und weiterentwickeln.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Wenn Torf zum Klimaproblem wird

Entwässerte Moorböden setzen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid frei: Sauerstoff dringt in den Torf ein, der organische Boden wird mineralisiert. Intakte Moorböden können dagegen Kohlenstoff speichern. Naturnahe Moore entziehen weltweit jährlich etwa 150 bis 250 Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre. Pflanzen nehmen das Gas auf; nach ihrem Absterben bleibt der Kohlenstoff im Torf. Über Jahrtausende sind so gewaltige Speicher entstanden.

Moore bedecken rund drei Prozent der Landfläche, enthalten aber etwa ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs – ungefähr doppelt so viel wie die Biomasse aller Wälder weltweit. In Deutschland speichern Moore und Wälder jeweils etwa ein Drittel der Kohlenstoffvorräte, obwohl Moore nur etwa vier Prozent der Landfläche bedecken und Wälder rund 30 Prozent. In borealen Regionen Russlands enthalten organische Torfböden etwa siebenmal mehr Kohlenstoff als die oberirdische Waldbiomasse. In tropischen Moorwäldern liegt im Torf etwa zehnmal mehr Kohlenstoff als in Tropenwäldern auf mineralischen Böden.

Entwässerung macht aus Kohlenstoffspeichern Treibhausgasquellen. Neben großen Mengen CO₂ kann zusätzlich Lachgas (N₂O) freigesetzt werden; seine Klimawirkung ist etwa 300-mal höher als die von CO₂. Auch intakte Moore geben durch sauerstoffarme Zersetzung Methan (CH₄) ab, ihre Kohlenstoffbilanz bleibt dennoch positiv. Für Moorböden und verwandte organische Böden in Deutschland wurden 2021 rund 52,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente verzeichnet – 6,7 Prozent der jährlichen Gesamtemissionen.

Besonders hohe Emissionen entstehen bei ackerbaulicher Nutzung, beim Pflügen und Düngen. Auch der zunehmende Maisanbau zur energetischen Nutzung gilt als problematisch; nach den genannten Quellen sind sowohl Treibhausgas- als auch Energiebilanz negativ. Trockener Torf in entwässerten Mooren ist zudem leicht brennbar. Unterirdische Moorbrände wie 2010 in Russland können lange andauern und Kohlenstoff rasch freisetzen.

Wasser speichern, Spitzen abfedern

Torfe können Wasser aufnehmen, die Vegetation kann dabei regelrecht aufschwimmen. Moore halten starke Niederschläge zurück und geben überschüssiges Wasser über mehrere Tage verzögert ab. So regulieren sie den zeitlichen Verlauf des Abflusses und dämpfen Hochwasserspitzen. Intakte Hochmoore speichern bis zu 90 Prozent des Niederschlagswassers; in drainierten Moorwiesen fließen dagegen etwa 70 Prozent ab. Eine Renaturierung kann diese Funktion als Regenrückhaltespeicher meist wiederherstellen.

Entwässerung und Bodensenkung hängen eng zusammen. Torfbildende Moore wachsen normalerweise in die Höhe, während die Entwässerung die Geländeoberfläche absinken lässt: Organische Substanz wird mineralisiert, das Gelände verliert kontinuierlich an Höhe. Steigen die Wasserstände später wieder bis an die Oberfläche, werden landwirtschaftlich genutzte Flächen oft erneut entwässert – ein ziemlich mühseliger Teufelskreis. In tiefliegenden Moorgebieten verschärft der sinkende Boden gemeinsam mit dem steigenden Meeresspiegel den Entwässerungsaufwand. Um sich an den Meeresspiegelanstieg anzupassen, sollen sackungsbedingte Höhenverluste dort möglichst klein bleiben.

Die Wasserspeicherfähigkeit wirkt außerdem ausgleichend auf das regionale Klima. Der Wasserkörper dämpft Temperaturextreme, dauerhafte Verdunstung kühlt die Atmosphäre – besonders an warmen und trockenen Tagen, wie sie auch im Rastatter Bruch häufiger werden.

Filter, Lebensraum und Erholungsort

Moore entziehen dem durchströmenden Grund- und Oberflächenwasser Nähr- und Schadstoffe und speichern sie langfristig. Stickstoff- und Phosphorverbindungen gehören ebenso dazu wie Spurenelemente, etwa Blei, Kupfer und Mangan. Deshalb wirken Moore als Wasserfilter und Stoffsenke, puffern den Nährstoffhaushalt und tragen zur Wasser- und Trinkwasserqualität bei. „Nieren der Landschaft“ werden sie wegen dieser Funktion genannt. Werden sie entwässert, können sie sich allerdings in Nährstoffquellen verwandeln, weil gespeicherte Stoffe mit dem Wasser ausgetragen werden.

Naturnahe Moore fördern die Artenvielfalt, halten saisonal Wasser zurück, regulieren den Nährstoffhaushalt und tragen zum Ausgleich des regionalen Klimas bei. Sie speichern Kohlenstoff, leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz und sind zugleich Erholungs- und Erlebnisräume. Ihre Seltenheit, die Ruhe, die geringe Infrastrukturbelastung und die biologische Vielfalt machen sie attraktiv. Moorerlebnispfade, Stege und Informationstafeln können Besucherinnen und Besuchern Artenvorkommen und Renaturierungsmaßnahmen näherbringen.

Entwässerung und Nutzung lassen diese Ökosystemleistungen weitgehend verschwinden. Wiedervernässung kann sie teilweise zurückbringen und Naturschutz mit Klimaschutz verbinden. Gezielte Maßnahmen können die jährlichen Emissionen je Hektar um etwa 4 bis 15,5 Tonnen CO₂-Äquivalente senken. Moorrevitalisierung gilt dabei als potenziell kostengünstige Möglichkeit zur Treibhausgasminderung; ihre Klimaschutzleistungen lassen sich grundsätzlich monetarisieren und in den Emissionshandel einbeziehen. Wie hoch die Vermeidungskosten ausfallen, hängt allerdings stark von Nutzung und Region ab. Laut den genannten Studien sind sie bei der Moorrevitalisierung geringer als etwa die CO₂-Vermeidungskosten von Biogasanlagen.

Im Rastatter Bruch beginnt diese Arbeit zunächst mit Holz, Muskelkraft und ziemlich viel Gelände. Zwischen Gräben, nassem Boden und herbstlichem Wetter setzen die KIT-Studierenden vier Sperren – kleinflächig, langsam und ohne schwere Maschinen.