Am KIT Karlsruhe wird ein neues Kapitel für die regionale Halbleiterindustrie aufgeschlagen: SUSS MicroTec SE hat am 8. Oktober 2026 den Kauf eines städtischen Grundstücks im Technologiepark Karlsruhe notariell beurkunden lassen. Das Areal ist rund 8.300 Quadratmeter groß.

Geplant ist dort ein Applikations- und Entwicklungszentrum mit etwa 10.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Vorgesehen sind Forschungs- und Entwicklungsbereiche, rund 2.500 Quadratmeter Reinraumfläche sowie Arbeitsplätze für perspektivisch etwa 300 bis 350 Mitarbeitende. Bis zu 100 zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze könnten entstehen.

45 Millionen Euro für Advanced Packaging

SUSS will rund 45 Millionen Euro in den Neubau investieren. Das Unternehmen entwickelt und produziert Anlagen sowie Prozesslösungen für die Halbleiterindustrie und möchte mit dem Zentrum seine Aktivitäten im Bereich „Advanced Packaging“ in Karlsruhe ausbauen. Dabei geht es um Technologien, mit denen verschiedene Chips zu komplexen Systemen verbunden werden.

Der neue Standort soll kundennahe Entwicklungsarbeit beschleunigen, neue Prozesslösungen schneller zur Marktreife bringen und die Zusammenarbeit mit Halbleiterherstellern intensivieren. Kunden, Forschungspartner und die Entwicklungsorganisation von SUSS sollen enger zusammenarbeiten. Auch Anlagen sollen in Karlsruhe entwickelt und gemeinsam mit dem KIT neue Prozesse für die Halbleiterfertigung erforscht werden.

Advanced Packaging gewinnt durch den wachsenden Bedarf an Rechenleistung für künstliche Intelligenz, High Performance Computing und High-Bandwidth-Memory-Architekturen an Bedeutung. Nach Angaben von COO Thomas Rohe steigen dadurch die Anforderungen an die Integration und Verbindung von Halbleiterkomponenten. SUSS ist in diesem Markt bereits mit Lösungen für Wafer-Bonding, Lithografie und weitere Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette vertreten.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Rathaus, Technologiepark und KIT

Im Karlsruher Rathaus besprachen die Stadt und SUSS den bisherigen Ablauf sowie die nächsten Schritte. Dabei waren unter anderem Wirtschaftsbürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, SUSS-COO Dr. Thomas Rohe, Facility-Management-Leiter Robert Schierl und die Wirtschaftsförderung. Sie begleitet SUSS nach Angaben der Stadt seit rund zwei Jahren.

Für die Standortwahl zählen laut Stadt vor allem der Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Entwicklung sowie die Nähe zum KIT und zum Technologiepark. Karlsruhe soll neben dem Produktionsstandort Sternenfels zu einem zentralen Innovationsstandort für Kundenapplikationen, Technologieentwicklung und Forschungskooperationen werden.

Die Initiative ist Teil des strategischen Ausbaus des Chipindustrie-Ökosystems in Baden-Württemberg. SUSS, das Karlsruher Institut für Technologie und die Landesregierung haben die Vorhaben in einem Letter of Intent beschrieben. Die Umsetzung hängt allerdings von weiteren Projektfortschritten und den endgültigen Entscheidungen der zuständigen Gremien ab.

Professur soll Talente in die Praxis bringen

Den Letter of Intent unterzeichneten die Partner am 29. Juli 2026. Vorgesehen ist außerdem eine KIT-Professur für „Advanced Packaging und Heterointegration“. Das Land Baden-Württemberg unterstützt sie mit bis zu fünf Millionen Euro über acht Jahre. Die Professur soll die Forschung zu modernen Mikro- und Nanotechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette bündeln, praxisnahe akademische Ausbildung ermöglichen und junge Talente fördern. Auch nach dem Ende des Förderzeitraums soll sie bestehen bleiben.

Laut KIT-Präsident Jan S. Hesthaven verbindet die Partnerschaft Spitzenforschung mit industrieller Innovation. Die Forschung soll unter anderem die Entwicklung von Halbleitern für Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und nachhaltige Energie vorantreiben. Studierende des KIT sollen frühzeitig praktische Erfahrungen sammeln und an Halbleitertechnologien mitwirken können – nicht erst irgendwann nach dem Abschluss.

Bereits im Juli hatten SUSS, das Land Baden-Württemberg und das KIT den Letter of Intent zur Stärkung des regionalen Halbleiterökosystems unterzeichnet. Das Land sagte dabei bis zu fünf Millionen Euro zur Unterstützung der KIT-Professur zu.

Ein Markt nahe der Billionengrenze

Der Hintergrund ist ein rasant wachsender Bedarf: Die globale Halbleiterindustrie soll 2026 voraussichtlich einen Umsatz von nahezu einer Billion US-Dollar erzielen. Für SUSS ist Advanced Packaging deshalb ein wichtiges Wachstumsfeld. Das neue Zentrum soll Wissenschaft, Entwicklung und Kunden enger verbinden und die Entwicklung, Erprobung und Marktreife neuer Prozesslösungen beschleunigen.

SUSS hat seinen Hauptsitz in Garching bei München, beschäftigt weltweit rund 1.500 Mitarbeitende und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro. In Karlsruhe entsteht nun ein weiterer Schwerpunkt – mit Reinräumen, Entwicklungsflächen und viel Platz für die nächste Generation von Chiptechnologien.