An der KU Linz gibt es zum Beginn des Studienjahres 2026 zwei neue Professor:innen: Isabella Bruckner übernimmt die Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie, Michael Pfister wird Universitätsprofessor für Kirchengeschichte und Patrologie. Beide bringen internationale Forschungserfahrung, breite historische beziehungsweise systematisch-theologische Interessen und einen klaren Blick auf aktuelle Fragen mit.

Bruckner stammt aus Niederösterreich und studierte Katholische Fachtheologie an der Universität Wien. Als Assistentin arbeitete sie an der interdisziplinären Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary European Society“ (RaT). Ihr an der Universität Graz begonnenes Doktoratsstudium schloss sie an der KU Linz ab. Die Dissertation trug den Titel Gesten des Begehrens. Mystik und Gebet im Ausgang von Michel de Certeau. 2022 erhielt sie den Karl-Rahner-Preis.

Von Rom über Freiburg zurück an die KU Linz

Seit Oktober 2022 lehrt Bruckner als Professorin für Christliches Denken und spirituelle Praxis am Pontificio Ateneo Sant’Anselmo in Rom. Dort leitete sie unter anderem eine internationale und interkonfessionelle Gruppe von Exzellenzstipendiat:innen und war in Forschung und Third Mission tätig. Dazu kamen eine Gastdozentur am Pontificio istituto Giovanni Paolo II sowie Lehrtätigkeit beim Theologischen Studienjahr in Jerusalem.

Von April bis September 2026 war sie Akademische Rätin für Dogmatik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Gleichzeitig beteiligte sie sich am RaT-Research Fellowship der Universität Wien und war Mitglied am Zentrum Religion, Kultur, Gesellschaft im Wandel (ZRKG) der KU Eichstätt-Ingolstadt. Seit Sommer 2026 gehört sie außerdem dem Redaktionsbeirat der Zeitschrift Geist und Leben an.

Bruckner veröffentlicht und spricht auf Deutsch, Englisch und Italienisch, konzipiert wissenschaftliche Veranstaltungen und engagiert sich in theologischer Erwachsenenbildung, Ökumene und geistlicher Begleitung. Ihre Forschung verbindet christliche Mystik, Kunst und Dogmatik angesichts säkularer und interreligiöser Herausforderungen. Sie untersucht die theologische und philosophisch-anthropologische Bedeutung von Geburt und Leben, fragt nach dem sakramentalen Charakter des Seins und beschäftigt sich mit den Tagebüchern und Briefen der Mystikerin Etty Hillesum, die 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

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Ihre Arbeit an der KU Linz versteht Bruckner als Beitrag zu kirchlichen und spirituellen Aufbrüchen in der Diözese Linz, in Österreich und in der Weltkirche. Die Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie übernimmt sie von Franz Gruber, der sie von 2001 bis zu seiner Emeritierung 2025 innehatte.

Kirchengeschichte zwischen Archiven und Gegenwart

Michael Pfister wurde in München geboren und studierte Katholische Theologie, Germanistik und Erziehungswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2020 promovierte er an der Universität Münster mit einer Arbeit über Augustin Bea SJ (1881–1968) als Exeget und Rektor des Päpstlichen Bibelinstituts in den 1930er und 1940er Jahren.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete Pfister im DFG-Projekt zur kritischen Online-Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli aus den Jahren 1917–1929. Außerdem beteiligte er sich an einer Online-Edition zur Entstehung heiliger Texte durch lehramtliche Entscheidungen der Kirche im Rahmen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Universität Münster.

Von 2020 bis 2023 koordinierte er das Projekt „Aufbruch oder Zusammenbruch? Die katholische Theologie und die Studentenbewegung von 1968“ innerhalb der DFG-Forschungsgruppe „Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland“. Von 2021 bis 2026 war er Akademischer Rat am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Universität Münster.

Pfisters Forschungsschwerpunkt ist die neuzeitliche Kirchengeschichte. Hinzu kommen die Spiritualitäts- und Frömmigkeitsgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne, die Theologiegeschichte des 20. Jahrhunderts, die Kirchengeschichte der Zwischenkriegszeit und des Dritten Reichs sowie Politik und Diplomatie der Päpste und der Römischen Kurie im 20. Jahrhundert. Auch Ökumene und jüdisch-christlicher Dialog vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gehören zu seinen Arbeitsfeldern.

In seinem aktuellen Habilitationsprojekt untersucht Pfister die Rolle Geistlicher Räte im Bistum Freising und im Herzogtum Bayern sowie deren Zusammenspiel mit der Römischen Konzilskongregation an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Veröffentlichungen, Tagungsbeiträge und Vorträge widmen sich unter anderem der Rolle des Papsttums in den 1930er und 1940er Jahren und dem Verhältnis der Kirche zum Judentum.

An einem Studientag war Pfister beteiligt, aus dem die 2024 von ihm mitherausgegebene Publikation Der Schatten der Institution. Theologie angesichts sexualisierter Gewalt in der Kirche hervorging. An der KU Linz möchte er die Vielfalt kirchlichen Lebens im Lauf der Geschichte sichtbar machen und damit aktuelle Reformdebatten unterstützen. Ein besonderes Anliegen ist ihm die digitale Erschließung historischer Quellenbestände und deren Vermittlung an eine breite Öffentlichkeit.

Pfister übernimmt die Professur von Ines Weber, die sie von 2016 bis 2024 innehatte. Seine neue Aufgabe verbindet damit alte Akten, digitale Zugänge und eine Frage, die ziemlich gegenwärtig klingt: Wie lässt sich kirchliche Geschichte so erzählen, dass nicht nur Institutionen, sondern auch die Menschen darin vorkommen?

Was Kirchengeschichte sichtbar machen kann

Am Institut für Kirchengeschichte und Patrologie der KU Linz wird moderne Kirchengeschichte kulturgeschichtlich verstanden. Historische Anthropologie und sozialgeschichtliche Aspekte gehören ausdrücklich dazu. Im Mittelpunkt stehen konkrete Menschen und ihre gesamte Lebenswirklichkeit: herausragende und unscheinbare Personen, Eliten ebenso wie breite Gruppen der Gläubigen.

Mit moderner Quellenkritik werden Akteure und Akteursgruppen identifiziert, weltliche und religiöse Wissensbestände erschlossen, Diskurse untersucht und Kommunikationsprozesse analysiert. Dabei geht es auch um menschliche Erfahrungen, Handlungsmöglichkeiten, Begrenzungen und den Umgang mit Ungewissheiten – also um die Dinge, die in sauber sortierten Jahreszahlen schnell verschwinden.

Die Forschung fragt, wie Menschen unter den gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Zeit ihr Christsein verstanden und lebten, wie sie an Gott glaubten und wie sich dieser Glaube in Institutionen, Formen und sozialen Verfahren ausdrückte. Kirchengeschichte untersucht deshalb das Handeln, Wollen, Wissen und Glauben vergangener Menschen und vergleicht historische Entwicklungsprozesse bis in die Gegenwart. Der Schauplatz der Meldung ist dabei die KU Ingolstadt; veröffentlicht wurde sie am 7.10.2026.