Berlins Crack-Studie vermisst die Lücken zwischen Suchthilfe, Kontrolle und Versorgung
Berlin diskutiert über Drogen – und zwar nicht nur in Talkshows, sondern mitten auf Straßen, Plätzen und an bekannten Drogen-Hotspots. Partydrogen, offener Drogenkonsum und Drogenhandel im öffentlichen Raum prägen die Debatte. Gleichzeitig verbreitet sich Crack zunehmend. Die Situation an den Hotspots verändert sich, und mit ihr die Frage, was dort tatsächlich hilft.
Am Dienstag, 13. Oktober 2026, widmete sich der RBB diesem Komplex in der Sendung „Hauptstadt im Rausch? Berlin und sein Drogenproblem“. Von 20:45 bis 21:45 Uhr ging es um Berlins Drogenstrategie und den Umgang mit den damit verbundenen Problemen. Moderiert wurde die Diskussion von Volker Wieprecht.
Zwischen Hilfe, Kontrolle und Schadensminderung
Im Mittelpunkt standen mögliche Wirkungen von Prävention, Drugchecking, Suchthilfe und Maßnahmen zur Schadensminderung. Die Sendung fragte auch, welche Hilfen Menschen benötigen, die Crack konsumieren, wo stärkere Kontrollen erforderlich sind und welche Maßnahmen Betroffene, Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Berliner Bezirke unterstützen können.
Zu den Gesprächsteilnehmenden gehörten Prof. Dr. Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Drogen- und Suchtfragen, Astrid Leicht von Fixpunkt e. V., Frank Teichert von der Deutschen Polizeigewerkschaft Berlin, Prof. Dr. Heino Stöver, Suchtforscher an der Frankfurt University of Applied Sciences, sowie Dr. med. Tomislav Majić von der Charité Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Viele Perspektiven also – und vermutlich manche Reibung, wenn es um die richtige Mischung aus Unterstützung und Kontrolle geht.
Berliner Crack-Studie sucht nach Mustern
Eine wichtige Grundlage für die Debatte liefert die Berliner Crack-Studie, die von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege beauftragt wurde. Sie untersucht erstmals systematisch die Crack-Situation in Berlin. Im Zentrum stehen zwei miteinander verknüpfte Fragen: Wie sehen Soziodemografie, Konsummuster, Lebenslagen, Typologien, Sozialräume, Unterstützungsbedarfe und bisherige Kontakte zum Hilfesystem aus? Und wie spielen Suchthilfe, psychiatrische Versorgung und aufsuchende Angebote angesichts komplexer psychosozialer Belastungen zusammen?
Die Studie nimmt dabei auch Barrieren und Defizite in der Versorgung in den Blick. Dafür wurde ein Mixed-Methods-Ansatz mit vier Teilstudien eingesetzt. Ausgewertet wurden zunächst quantitative Sekundärdaten der Berliner Suchthilfestatistik. Hinzu kam eine standardisierte Befragung von Personen an Berliner Drogenszeneorten.
Außerdem führten die Forschenden qualitative Interviews mit Fachkräften niedrigschwelliger Einrichtungen und mit Konsumierenden der Berliner Drogenszene. In leitfadengestützten Fokusgruppen kamen Expertinnen und Experten aus Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, medizinischer Versorgung, Polizei und Justiz zusammen.
Von Statistik bis Fokusgruppe
Die quantitative Auswertung umfasste deskriptive und inferenzstatistische Verfahren. Zusätzlich wurden zwei latente Klassenanalysen durchgeführt, um konsumbasierte und syndemische Belastungsmuster zu identifizieren. Die qualitativen Daten wertete das Forschungsteam mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz aus.
Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Zugänge soll sichtbar machen, was hinter den Zahlen steckt: die Lebenslagen der Menschen, ihre Konsummuster, ihre Kontakte zu Hilfsangeboten und die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn Suchthilfe, psychiatrische Versorgung und aufsuchende Arbeit nicht nahtlos ineinandergreifen. Für die Berliner Diskussion liegen damit neben politischen Forderungen auch detaillierte Fragen aus der Praxis auf dem Tisch.
