DKOU 2026: Orthopädie und Unfallchirurgie rüsten sich für Reformen und Krisen
Berlin wird in den kommenden Tagen zum Treffpunkt der Orthopädie und Unfallchirurgie: Vom 20. bis 23. Oktober 2026 findet im CityCube Berlin der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) statt. Der Kongress gilt als größter Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Europa, als bedeutendster Kongress des Fachs in Deutschland und weltweit als einer der größten seiner Art. Das Motto lautet: „Neue Wege gehen“.
Auf dem Programm stehen Fragen, die weit über den Klinikalltag hinausreichen. Es geht um die zivil-militärische Zusammenarbeit in der Verletztenversorgung, die Vorbereitung der TraumaNetzwerke auf Krisensituationen, die Auswirkungen der Gesundheitsreformen auf Kliniken und Praxen sowie um Implantatsicherheit und Implantatversagen. Dazu kommen neue Behandlungskonzepte und Innovationen in Forschung und Lehre. Geplant sind außerdem neue sektorenübergreifende Kooperationsmodelle im zivilen und zivil-militärischen Bereich, eine ausgebaute digitale Infrastruktur und innovative Lehr- und Weiterbildungsformate. Sie sollen das Fach für Studierende und junge Mitarbeitende attraktiver machen.
Vier Tage, viele Schauplätze
Los geht es am 20. Oktober um 10:30 Uhr im Festsaal mit „Im Ernstfall unteilbar: Zivil-militärische Zusammenarbeit in der deutschen und europäischen Verletztenversorgung“. Um 12:00 Uhr folgt dort „Das Weißbuch 3K: Implikationen für die Versorgung und Ertüchtigung in den TraumaNetzwerken“. Die Harald Tscherne Honorary Lecture zur Versorgung Schwerverletzter beginnt um 13:15 Uhr, die Kongresseröffnung steht von 17:15 bis 19:00 Uhr auf dem Plan.
Am 21. Oktober wird im Raum New York 3 von 09:00 bis 10:00 Uhr der Preis für das beste Lehrkonzept 2026 verliehen. Im Festsaal geht es ab 10:30 Uhr in der „Aktuellen Stunde: Reformjahr 2026 – was auf O und U zukommt und was wir tun“ um die Folgen der Reformen. Parallel beziehungsweise anschließend folgen um 12:00 Uhr „Implantatversagen im Fokus: Von der Materialanalyse zur klinischen Konsequenz“ im Festsaal und der Trauma Lion Pitch in London 2. Der Wilhelm-Roux-Preis wird von 15:30 bis 16:30 Uhr in New York 2 vergeben. Ab 17:00 Uhr heißt es im Festsaal: Science Slam mit Bier und Brezel.
Der 22. Oktober beginnt in New York 3 mit „Was treibt uns an? Motivation und Karrierewege in Orthopädie und Unfallchirurgie“ von 09:00 bis 10:00 Uhr. Mittags erinnert die Sitzung „DGOOC: 125 Jahre“ an die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Die Pauwels-Gedächtnisvorlesung zur Biomechanik des Sprunggelenks folgt von 13:15 bis 14:15 Uhr im Festsaal.
Am 23. Oktober stehen die Posterpreise klinisch von 09:00 bis 10:00 Uhr im Bereich ePoster an. Von 10:30 bis 11:30 Uhr laufen dort auch die Posterpreise experimentell; gleichzeitig präsentieren der Große Saal mit „Das Beste aus O&U“ und London 1 mit „RIA: India“ weitere Programmpunkte. Das Kongressfinale mit Wein und Käse ist von 16:15 bis 18:00 Uhr im Festsaal angesetzt. Ein dichtes Programm, bei dem man vermutlich gelegentlich den Raumplan verflucht.
Reformen, Forschung und Nachwuchs
Die Themen reichen von der Versorgung im militärischen Ernstfall bis zur Frage, wie Kliniken und Praxen mit dem Reformjahr 2026 umgehen. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Orthopädie und Unfallchirurgie stehen durch die Zusammenlegung der Fächer vor Herausforderungen, für die Lösungen erforderlich sind. Auch neue Behandlungskonzepte, Implantatsicherheit und die klinischen Folgen von Implantatversagen werden diskutiert.
An der Erstellung des Programms wirken Fachgesellschaften, Berufsverbände, Sektionen, Ausschüsse, Arbeitsgemeinschaften, Akademien und Referate mit. Industriepartner und Kongressorganisatoren tragen zur Durchführung des DKOU bei. Der Kongress soll Möglichkeiten zur Begegnung, Vernetzung sowie zur fachlichen und kollegialen Diskussion schaffen. Gerade für Studierende und junge Mitarbeitende sind die Lehrkonzepte, Weiterbildungsformate, der Science Slam und der Preis für das beste Lehrkonzept 2026 interessant.
Hinter den organisatorischen und fachpolitischen Fragen steht auch eine institutionelle Neuordnung: Die DGOU will nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung 2024 die übergeordneten gemeinsamen Interessen des Faches Orthopädie und Unfallchirurgie vertreten, einschließlich der Interessen aller Weiterzubildenden sowie Fachärztinnen und Fachärzte. Dafür wurden Schritte zu einer Neustrukturierung und Satzungsanpassung eingeleitet.
Den DKOU 2026 leiten Prof. Dr. med. Frank Hildebrand aus Aachen, Dr. med. Jörn Dohle aus Wuppertal und Dr. med. Wolfgang Böker aus Lüneburg als Kongresspräsidenten. Das vollständige Programm ist unter www.dkou.org abrufbar, die Anmeldung ist geöffnet. Der Kongress findet im Oktober 2026 in Berlin statt.
Was TraumaNetzwerke leisten müssen
Wenn auf dem DKOU über Krisenvorsorge und die „Ertüchtigung“ der TraumaNetzwerke gesprochen wird, geht es um Strukturen, die im Alltag funktionieren und im Ausnahmezustand nicht plötzlich auseinanderfallen dürfen. Das 2008 von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) initiierte Projekt TraumaNetzwerk DGU® soll die Prozess- und Strukturqualität in der Versorgung Schwerverletzter verbessern.
Dafür werden geprüfte Krankenhäuser einer Region zertifiziert vernetzt, die regelmäßig Schwerverletzte behandeln. Unterschieden wird zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Traumazentren. Die Zentren verfügen über spezielle fachliche, personelle, strukturelle und technische Ressourcen, etwa eine geeignete Schockraum-Ausstattung, und bilden gemeinsam ein regionales TraumaNetzwerk DGU®.
Eingebunden sind Rettungsdienste und Ärzte ebenso wie spezialisierte Einrichtungen, etwa für Schwerbrandverletzte, Rückenmarksverletzte und Replantationen. Künftig sollen gemäß der zweiten Auflage des Weißbuches auch Einrichtungen für Rehabilitation und ambulante Weiterbehandlung dazugehören. Traumazentren garantieren die Aufnahme Schwerverletzter rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Für die Zuweisung in eine geeignete Klinik gelten festgelegte Kriterien; nach Rettung und Erstversorgung sollen Schwerverletzte innerhalb von etwa 30 Minuten ein Traumazentrum erreichen, das für ihr Verletzungsmuster geeignet ist.
Behandelt wird nach evidenzbasierten Leitlinien, unter anderem nach der S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletztenversorgung der DGU. Das Projekt TeleKooperation TNW® soll eine flächendeckende telemedizinische Kommunikation innerhalb der Netzwerke ermöglichen, einschließlich der schnellen Übermittlung von Bilddaten und weiteren Informationen.
Alle beteiligten Kliniken nehmen an internen und externen Maßnahmen zur Qualitätssicherung teil. Sie verpflichten sich unter anderem, Behandlungsdaten von Unfallverletzten in das TraumaRegister DGU® einzupflegen. Die Registerdaten ermöglichen Aussagen zur Versorgungsqualität und den Vergleich der Effektivität medizinischer Behandlungsmethoden. Ärzte und Pflegepersonal werden durch Hospitationen, Austauschprogramme sowie Fort- und Weiterbildungen qualifiziert, beispielsweise durch Advanced Trauma Life Support (ATLS®) und Prehospital Trauma Life Support (PHTLS®). Welche speziellen fachlichen Kompetenzen vorgehalten werden, stimmen die Traumazentren nach medizinischen Erfordernissen und Entwicklungen innerhalb des Netzwerks ab.
Für eine Presseakkreditierung ist ein Nachweis per E-Mail an dkou@intercongress.de erforderlich. Das kostenfreie Presseticket gilt an allen vier Kongresstagen für wissenschaftliche Sitzungen und die Fachausstellung. Kostenpflichtige Kurse, Seminare, Touren und Abendveranstaltungen sind ausgeschlossen.
