Nord-Stream-Sabotage und Ukraine-Hilfen: Die unbeantworteten Fragen der deutschen Politik
Med Hamburg, 17. Oktober 2026. Im Bundestag erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, Deutschland fehle wegen der finanziellen Unterstützung der Ukraine kein Geld. Der zugrunde liegende Bericht hält dagegen: Zwar würden die Ukraine-Hilfen überwiegend über Schulden finanziert, der Krieg koste Deutschland trotzdem Milliarden.
Nach Jahren des Krieges fragen sich immer mehr Menschen, ob diese Unterstützung noch sinnvoll ist. AfD und BSW erzielten laut Bericht Wahlerfolge mit der Forderung, die Hilfe einzustellen. Merz vermittle dabei nicht ausreichend, warum Deutschland umfangreiche finanzielle Mittel an die Ukraine überweist.
Bei „Maybrit Illner“ bleibt eine heikle Frage offen
In der Sendung „Maybrit Illner“ ging es um den Ukraine-Krieg. Zu Gast waren Außenminister Johann Wadephul, der SPD-Politiker Ralf Stegner und Claudia Wittig, BSW-Fraktionsvorsitzende in Sachsen-Anhalt. Die laufenden Ermittlungen beziehungsweise das Gerichtsverfahren zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines wurden laut Bericht allerdings nicht behandelt.
Stattdessen drehte sich die Diskussion unter anderem um Donald Trump. Er habe russisches Öl gekauft und den Rückzug Wolodymyr Selenskyjs aus dem Präsidentenamt gefordert. Wadephul betonte, die Bundesregierung stehe vollständig hinter Selenskyj. Zugleich sagte der Außenminister, die amerikanischen Frühwarnsysteme hätten „nicht ganz funktioniert“.
Die Ukraine berichtet demnach, dass US-Aufklärungsdaten seit einigen Tagen nicht mehr vollständig verfügbar seien. Journalistin Mareike Müller sagte, die Ukraine misstraue den USA, sei aber weiterhin auf amerikanische Systeme angewiesen. Eine vollständige Ablösung sei bislang nicht gelungen.
Das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj beschreibt der Bericht als belastet, Trumps Interesse am Krieg als gering. Wadephul sieht dennoch keinen Abbruch der amerikanischen Unterstützung. Der Artikel zeichnet ein anderes Bild: Die US-Hilfe sei weitgehend eingestellt, europäische Staaten müssten für amerikanische Unterstützung bezahlen.
„Auf Trump ist kein Verlass“, sagte Ralf Stegner sinngemäß, Trump gehe es nicht um die Ukraine. Wadephul bezeichnete die USA weiterhin als verlässlichen Partner – eine Einschätzung, die der Bericht ausdrücklich infrage stellt.
Sanktionen, Gas und der Druck aus Sachsen-Anhalt
In Deutschland nehmen die kritischen Stimmen zur Ukraine-Unterstützung zu. AfD und BSW fordern laut Artikel, die Hilfe einzustellen. Claudia Wittig erklärte, Deutschland werde keine diplomatische Rolle spielen, solange es Kriegspartei sei. Die Formel, Russland sei der Aggressor, reiche für eine politische Lösung nicht aus, kritisierte sie.
Weiterhin fließt Geld aus der EU nach Moskau. Die Zahlungen für russische Rohstoffe seien laut Bericht höher als die Zahlungen an die Ukraine. Wittig kritisierte deshalb die Sanktionen und sagte, wirtschaftliche Beziehungen könnten neues Vertrauen schaffen. Die Menschen in Sachsen-Anhalt litten besonders unter den Maßnahmen.
Als besonders betroffen nennt der Bericht die ostdeutsche Industrie, die auf günstiges Gas angewiesen sei. Russisches Gas kann derzeit nicht über Nord Stream geliefert werden, weil die Pipelines am Meeresboden beschädigt sind. Nord Stream 1 und 2 waren für den Transport russischen Erdgases nach Deutschland gebaut worden. Zum Zeitpunkt der Explosionen liefen die Leitungen allerdings nicht: Russland hatte die Lieferungen über Nord Stream 1 kurz zuvor eingestellt, mutmaßlich als Reaktion auf westliche Sanktionen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Nord Stream 2 war nie in Betrieb gegangen.
Offen blieb in der Sendung, wie Deutschland die Ukraine weiter finanziell unterstützen könnte, falls der ukrainische Staat für die Sprengung verantwortlich sein sollte. Ebenfalls unbeantwortet: Warum wurde die Infrastruktur trotz Warnungen ausländischer Nachrichtendienste nicht besser geschützt? Die Bundesregierung hat sich dazu bislang kaum geäußert.
Was über die Sprengung bekannt ist
Am 26. September 2022 wurden vier Explosionen an den Pipelines in der Ostsee registriert. Beschädigt wurden beide Stränge von Nord Stream 1 und Strang A von Nord Stream 2; Strang B von Nord Stream 2 blieb intakt. Die Leitungen waren außer Betrieb, aber mit Gas unter hohem Druck gefüllt.
Die Lecks lagen in 70 bis 80 Metern Tiefe und zwischen etwa 2 und 74 Kilometern voneinander entfernt. Nord Stream 2, Strang A, wurde zunächst etwa 22 Kilometer südöstlich von Bornholm in der dänischen ausschließlichen Wirtschaftszone getroffen – am 26. September um 02:03 Uhr. Eine weitere Explosion ereignete sich nordöstlich von Bornholm in der schwedischen Wirtschaftszone um 19:03 Uhr. Zur selben Zeit explodierte dort auch Nord Stream 1, Strang A. Nord Stream 1, Strang B wurde nordöstlich von Bornholm in der dänischen Wirtschaftszone beschädigt.
Eine Nord-Stream-1-Röhre wurde auf rund 250 Metern Länge zerstört, Nord Stream 2 noch stärker. Seismologisch wurden Stärken von 2,3 beziehungsweise jeweils 2,1 gemessen. Deutsche Sicherheitsbehörden gingen von Sprengsätzen mit einer Wirkung von etwa 500 Kilogramm TNT aus.
Tagelang trat Methan aus. Die Wasseroberfläche schäumte und wölbte sich auf einem Gebiet von etwa einem Kilometer Durchmesser. Rund 445.000 bis 485.000 Tonnen gelangten nach Schätzungen der DLR und der TU Braunschweig Anfang 2025 in die Atmosphäre – etwa 0,1 Prozent der menschengemachten Methanemissionen des Jahres 2022. Die Freisetzung wurde als möglicherweise größte jemals aufgezeichnete einzelne Freisetzung klimaschädlichen Methans bezeichnet.
Die politischen Fronten waren von Beginn an verhärtet. Der Anschlag erfolgte vor dem Hintergrund des russischen Überfalls auf die Ukraine, der Sanktionen gegen Russland und der angespannten Beziehungen zwischen Russland, Europa und den USA. Nord Stream 2 war nach dem russischen Überfall im Februar 2022 von Bundeskanzler Olaf Scholz nicht genehmigt worden. Gazprom hatte die Lieferungen über Nord Stream 1 im Sommer 2022 schrittweise reduziert und im August vollständig eingestellt. Am Tag nach den Explosionen wurde die Baltic Pipe eröffnet, die norwegisches Gas über Dänemark nach Polen transportiert.
Dänemark, Schweden, Polen, Deutschland und die EU-Kommission gingen von vorsätzlicher Sabotage aus. Der NATO-Rat sprach von absichtlicher Sabotage. Russland bezeichnete den Anschlag als internationalen Terrorismus und forderte 2023 eine unabhängige UN-Untersuchung. Ein russischer Resolutionsentwurf wurde nicht angenommen; nur Russland, China und Brasilien stimmten dafür. Der US-Journalist Seymour Hersh behauptete in einem umstrittenen Blogbeitrag eine US-amerikanisch-norwegische Urheberschaft.
Ermittlungen, Verdächtige und ein Prozess in Hamburg
Dänische, schwedische und deutsche Behörden ermittelten wegen vorsätzlicher Sprengstoffexplosion, Sabotage und möglicher verfassungsfeindlicher beziehungsweise schwerer Sabotage. Schwedische Ermittler bestätigten, dass Sprengstoff die Lecks verursacht hatte, und vermuteten einen staatlichen Akteur. Greenpeace-Aufnahmen stützten die Annahme, dass die Sprengsätze von außen an den Leitungen angebracht worden waren. Dänische Ermittler stellten massive Explosionen in der dänischen Wirtschaftszone fest.
Die deutsche Bundesanwaltschaft untersuchte seit Ende 2022 Spuren möglicher ukrainischer Täter. Im Mittelpunkt stand die 15 Meter lange Segelyacht Andromeda, die von einer polnischen Firma in Rostock gechartert worden war. Ermittler fanden unter anderem Oktogen-, DNA- und Fingerabdruckspuren. Ein ukrainischer Tauchlehrer entzog sich im August 2024 in Polen dem Zugriff und reiste in die Ukraine aus; er bestritt eine Beteiligung. Schweden und Dänemark stellten ihre Ermittlungen im Februar 2024 ein und übergaben mögliche Beweismittel an Deutschland.
Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass staatliche Stellen in der Ukraine die Anschlagspläne in Auftrag gegeben oder entwickelt haben. Ziel sei gewesen, die Gaslieferungen über die Pipelines dauerhaft zu stoppen, damit Russland daraus keine Einnahmen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine erzielt.
Die Ermittlungsthese lautet: Ein ukrainisches Team aus einem Skipper, vier Tauchern und einem Sprengstoffexperten soll die Anschläge ausgeführt haben. Angegeleitet worden sei die Gruppe von dem Geheimdienstoffizier Serhij K. Die Ermittler gehen von mindestens vier Sprengsätzen mit jeweils 14 bis 27 Kilogramm eines Hexogen-Oktogen-Gemischs aus. Die Ladungen
