Nach fast 16 Jahren am Klinikum Fulda verabschiedet sich Prof. Dr. med. Marion Haubitz in den Ruhestand. Mit 67 Jahren gibt sie die Leitung der Medizinischen Klinik III ab – einer Klinik, die unter ihrer Führung zu einem nephrologischen Zentrum gewachsen ist.

Seit dem 1. Januar 2011 verantwortete Haubitz die Bereiche Nephrologie, Dialyse und Hochdruckkrankheiten. Bei einer offiziellen Feier im Hörsaal des Klinikums würdigten Kolleginnen, Kollegen und Gäste ihre Arbeit. Es ging um Medizin, natürlich – aber auch um eine Zusammenarbeit, die über viele Jahre getragen hat.

Fachwissen, Nähe und ein weiter Blick

Vorstandssprecher Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel hob Haubitz’ Fachwissen, ihre Tatkraft und ihren strategischen Weitblick hervor. Ebenso wichtig sei ihr patientenorientierter Ansatz gewesen: Haubitz habe die persönliche Betreuung am Krankenbett nicht aus den Augen verloren.

Unter ihrer Leitung setzte die Klinik Schwerpunkte bei Autoimmunerkrankungen und komplexen Dialyseverfahren. Prof. Dr. Gabriele Köhler dankte ihr im Namen des Kollegiums für die kollegiale Arbeit, ihre Beiträge zur Klinikleitung und zu verschiedenen Gremien sowie für den Aufbau des Campus Fulda.

Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Armin Kurtz, emeritierter Direktor des Instituts für Physiologie der Universität Regensburg. Sein Thema: „Zurück zu den Wurzeln – die Niere als Sensor für unseren Blutdruck“. Kurtz würdigte Haubitz’ Verbindung von Grundlagenforschung und klinischer Nephrologie sowie ihre wissenschaftlichen Beiträge zur Rolle der Niere im Herz-Kreislauf-System.

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Zum Abschied gab es Konzertkarten, einen Blumenstrauß, ein Erinnerungsalbum, eine Einladung zu einer gemeinsamen Schnitzeljagd und einen Essensgutschein. Eine ziemlich bunte Mischung – und gerade deshalb wohl sehr passend für einen Abschied, bei dem nicht nur die Klinik, sondern auch der Mensch Marion Haubitz im Mittelpunkt stand.

Übergang bis Februar 2027

Die Nachfolge ist bereits geregelt. Der leitende Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Peter Benöhr übernimmt die Klinik bis zum 1. Februar 2027 kommissarisch. Anschließend soll Prof. Dr. Konrad Buscher die Leitung übernehmen.

Benöhr bezeichnete die zusätzliche Aufgabe neben seiner Tätigkeit als leitender Oberarzt als anspruchsvoll. Zugleich verwies er auf ein verlässliches Team, das gemeinsam aufgebaut worden sei. Das dürfte in einer Übergangsphase nicht gerade nebensächlich sein.

In ihrem Schlusswort dankte Haubitz ihrem Team, den Kolleginnen und Kollegen des Klinikums, dem KfH und ihrer Familie. Gemeinsam habe man eine hochwertige Versorgung für nierenkranke Menschen in der Region aufgebaut. Ihren Nachfolgern wünschte sie Mut, Durchhaltevermögen und Glück im Umgang mit den Herausforderungen der Gesundheitsreform. Ihr letzter Wunsch war denkbar knapp: „Gesundheit!“

Die Nephrologie vor neuen Aufgaben

Der Abschied in Fulda fällt in eine Zeit, in der die Nephrologie bundesweit unter Druck steht. In Deutschland steigt die Zahl der Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, kurz CKD. Gleichzeitig reichen Versorgungsstrukturen, Personal und Steuerungsmechanismen vielerorts nicht aus. Diese Lage wurde in der Videoschalte „Nephrologische Versorgung in Deutschland 2035“ diskutiert.

Teilgenommen haben Prof. Dr. Christian Höftberger von KfH und Hessischer Krankenhausgesellschaft, Dr. Friedrich von Samson-Himmelstjerna vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und der Jungen DGfN sowie PD Dr. Kevin Schulte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Moderiert wurde die am 14. April aufgezeichnete Veranstaltung von Insa Emrich, Brigitte Öhm und Gunnar Heine.

Je nach Studie liegt die CKD-Prävalenz bei 10 bis 13 Prozent, bei älteren Menschen höher. Wegen der alternden Bevölkerung wird mit einer weiter steigenden Krankheitslast gerechnet. Mehr erkrankte Menschen bedeuten allerdings nicht automatisch, dass alle nephrologische Spezialversorgung brauchen: Ältere Patientinnen und Patienten mit leicht eingeschränkter Nierenfunktion, ohne Albuminurie und ohne relevante Krankheitsprogression können häufig gemeinsam mit Hausärztinnen und Hausärzten gut versorgt werden.

Gleichzeitig sinkt die Zahl der ambulanten Dialyseneuanfänge in Deutschland seit Jahren – ein Trend, der schon vor der COVID-19-Pandemie begonnen hat. Als mögliche Gründe gelten eine später eintretende Dialysepflicht, moderne Therapien und eine verlangsamte Krankheitsprogression. Ein zentrales Ziel der künftigen Nephrologie soll daher sein, die Entwicklung der Erkrankung zu bremsen und Dialyse möglichst zu vermeiden.

Christian Höftberger formulierte es als Verschiebung vom Nierenersatz zum Nierenschutz. Das ist leichter gesagt als getan: Mehr CKD und mehr Multimorbidität treffen auf weniger Fachkräfte und weniger Weiterbildungsstellen. Dazu kommen wirtschaftlicher Druck und die Frage, wie eine Versorgung dauerhaft finanzierbar bleibt.

Genannt wurden starre Arzt-Patienten-Schlüssel in Dialysezentren, unflexible Vorgaben zur personellen Vorhaltung, Vergütungsabstaffelungen für größere Einrichtungen und eine zu geringe Bezahlung von Prävention. Die Dialyse wird im Vergleich verlässlicher vergütet. Prävention und frühe nephrologische Intervention sind finanziell bislang nicht ausreichend abgebildet – das System belohnt damit eher den Nierenersatz als den Nierenschutz.

Heimdialyse, Daten und ein bisschen Ordnung im System

Eine flächendeckende Untersuchung der Gesamtbevölkerung wurde nicht befürwortet. Stattdessen sollen Hochrisikogruppen gezielt untersucht werden. Vorhandene Laborwerte und bekannte Risikofaktoren werden häufig noch nicht systematisch zusammengeführt und in konkrete Versorgungspfade überführt. Strukturierte Datenauswertung, elektronische Patientenakten und niedrigschwellige Angebote in Apotheken könnten dabei helfen.

Auch die Digitalisierung soll mehr können, als nur neue Dokumentationsfelder zu produzieren. Sie könnte beim Screening, bei der Verlaufskontrolle, bei der Heimdialyse und bei der Kommunikation zwischen stationärer und ambulanter Versorgung eingesetzt werden. Wenn sie wirklich Personal von vermeidbarer Dokumentation, manueller Datenübertragung und ineffizienten Abläufen entlastet, wären messbar mehr Versorgungskapazitäten frei.

Die Heimdialyse, vor allem die Peritonealdialyse, gilt als wichtiger Baustein der künftigen Versorgung. In Schleswig-Holstein wurde dafür ein sektorenübergreifendes Modell aufgebaut. Zuvor kamen Patientinnen und Patienten häufig akut im Krankenhaus zur Dialyse, ohne dass vorher strukturiert geprüft worden war, welches Verfahren zu ihnen passen könnte. Dann wurde oft die vorhandene Zentrumsdialyse gewählt.

Eine Koordinierungsstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung führte anschließend zu mehr Peritonealdialysen und zu mehr beteiligten Zentren. Die geringe Nutzung der Heimdialyse wurde dabei vor allem mit Strukturen, Gewohnheiten und fehlender Organisation erklärt – nicht mit einer grundsätzlichen Ablehnung durch Patientinnen und Patienten.

Die tatsächliche Versorgungslage ist trotzdem nur unzureichend erfasst. Verlässliche Daten dazu, wie viele Menschen mit CKD nephrologisch betreut werden, wo Versorgungslücken bestehen und welche Kapazitäten vorhanden sind, fehlen. Leitlinien müssen deshalb nicht nur medizinisch wünschenswert, sondern auch unter begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen umsetzbar sein. Für die langfristige Handlungsfähigkeit des Fachs braucht es eine realistische Ressourcenplanung.

Viele CKD-Patientinnen und -Patienten haben außerdem gleichzeitig kardiologische oder diabetologische Risiken. Die Versorgung soll deshalb stärker interdisziplinär erfolgen. Fach- und sektorenübergreifende Strukturen müssen entstehen, ohne die ohnehin knappen nephrologischen Ressourcen noch weiter zu belasten. Gefordert werden realistischere Entscheidungen bei Indikationen, Personalplanung und gesundheitspolitischen Prioritäten – sowie eine gezielte Identifikation der Menschen, die tatsächlich Spezialversorgung brauchen.

Für Kliniken wie jene in Fulda heißt das: Die Arbeit endet nicht mit einer gelungenen Übergabe. Prävention, bessere Versorgungsteuerung, mehr Heimdialyse und die Überprüfung bestehender Strukturen werden die nächsten Jahre prägen. Und irgendwo dazwischen bleibt der Alltag am Krankenbett: Laborwerte, Gespräche, Entscheidungen – und Menschen, die einfach wieder nach Hause möchten.

Quelle: Osthessen-News
Weiterführender Kontext: <a href="https://diatra.de/articles/2026/06/11/nephrologie-2035-zukunftsausblick