AQUA-d erforscht digitale Lernaufgaben und KI im Schulunterricht
An der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) beginnt eine neue Runde der Forschung zu digitalen Technologien im Schulunterricht. Das Forschungs- und Nachwuchskolleg „Aufgabenqualität im digital gestützten Unterricht“, kurz AQUA-d, ist in seine zweite Förderphase gestartet. Dafür stellt das Land Baden-Württemberg erneut 2,4 Millionen Euro bereit.
Die Förderphase begann im August 2026 und läuft bis 2029. Zum Beginn des Wintersemesters kamen die Beteiligten an der PHKA zu einer Kick-off-Veranstaltung zusammen. Dort tauschten sie sich erstmals über die Forschungsprojekte aus, die nun im Mittelpunkt stehen.
Elf Projekte zwischen Unterricht und Forschung
AQUA-d untersucht, wie digitale Technologien im Schulunterricht lernwirksam eingesetzt werden können. Im Fokus stehen lehr- und lerntheoretische Bedingungen, fachdidaktische Prinzipien sowie die Anforderungen an die professionellen Kompetenzen von Lehrkräften. Es geht also nicht bloß darum, welche Anwendung im Klassenzimmer läuft, sondern auch darum, welche Aufgaben Lernprozesse tatsächlich voranbringen.
Das Kolleg besteht seit Herbst 2023. Nachwuchswissenschaftler:innen promovieren oder habilitieren dort an der PHKA, darunter mehrere von Schulen abgeordnete Lehrkräfte. Bis 2029 bearbeiten sie elf fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Projekte zu digitalen Lern- und Leistungsaufgaben.
Die Themen reichen von multimodalen Schreibaufgaben im Deutschunterricht über musikalische Gestaltungsaufgaben in einem KI-gestützten Musikunterricht bis zu den Potenzialen künstlicher Intelligenz für eine faire schulische Leistungsbeurteilung. Gerade bei Bewertungen dürfte das nicht ganz ohne knifflige Fragen ablaufen: Was zählt als eigene Leistung, wie transparent muss ein digitales Verfahren sein, und wo bleibt das pädagogische Urteil?
Erwünschte Schwierigkeiten und digitales Feedback
Die zweite Förderphase richtet den Blick besonders auf sogenannte erwünschte Schwierigkeiten beim Lernen. Gemeint sind Herausforderungen, die Lernende nicht einfach ausbremsen, sondern den Lernprozess vertiefen können. Hinzu kommt computergestütztes, lernendenzentriertes Feedback – also Rückmeldungen, die sich stärker am individuellen Lernweg orientieren.
In der ersten Förderphase entstanden laut PHKA 18 Publikationen und 42 Tagungsbeiträge. Die nun gestartete Arbeit knüpft daran an und soll Ergebnisse hervorbringen, die in die Lehrkräfteausbildung an Hochschulen und Seminaren in Baden-Württemberg einfließen.
Den Zuschlag für das vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium ausgeschriebene Forschungs- und Nachwuchskolleg zum Thema „Digitalisierung: Bildung – Professionalität – Unterricht“ erhielten die PHKA und die Tübingen School of Education bereits 2022. Beide Einrichtungen forschen zu digitaler Bildung und zur Digitalisierung in der Lehrkräftebildung.
KI im Klassenzimmer braucht mehr als ein gutes Programm
Wie schnell sich die Fragen rund um KI verändern, zeigt ein Blick nach Hessen. Das Hessische Kultusministerium hat die Handreichung „Künstliche Intelligenz (KI) in Schule und Unterricht“ für Lehrkräfte veröffentlicht. Anlass waren die öffentlichen Diskussionen über Anwendungen, die Texte, Bilder, Musik und Videos erstellen können – darunter ChatGPT.
Die Handreichung soll Schulen dabei unterstützen, das Potenzial von KI im Bildungsbereich zu nutzen und Schülerinnen und Schüler auf digitale Chancen und Herausforderungen vorzubereiten. Bildungsverwaltungen, Schulen und Lehrkräfte sollen sich mit der Funktionsweise, den Einsatzmöglichkeiten und den rechtlichen Rahmenbedingungen solcher Anwendungen auseinandersetzen.
Vorgesehen ist, KI und ihre Auswirkungen altersgerecht im Unterricht zu thematisieren. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, solche Systeme reflektiert und kompetent zu nutzen. Zugleich weist die Handreichung darauf hin, dass KI zwar hilfreich sein kann, aber weder selbstständiges Denken noch die pädagogische Interaktion zwischen Lehrkräften und Lernenden ersetzt.
Enthalten sind Anwendungsszenarien für KI in Schule und Unterricht, Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Hinweise zur ethischen Nutzung, zu Datenschutz und Transparenz. Dazu kommen Praxisbeispiele und Empfehlungen für den schulischen Alltag – ebenso Möglichkeiten, KI sinnvoll in den Arbeitsalltag von Lehrkräften zu integrieren. Die Handreichung trägt den Stand Juli 2023 und ist als PDF unter dem Titel „Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht: Eine Handreichung für Lehrkräfte im Umgang mit KI-basierten Anwendungen“ verfügbar.
In Karlsruhe wird derweil weiter daran gearbeitet, was digitale Lern- und Leistungsaufgaben konkret leisten können. Zwischen Forschungsprojekt, Schulalltag und Lehrkräftebildung liegen dabei manchmal nur ein paar Klicks – und ziemlich viele offene Fragen.
