Nebenprodukte statt Soja: Wie Schweinefutter nachhaltiger werden kann
TIHO Hannover, 17.10.2026: Was Schweine im Trog bekommen, ist längst mehr als eine Frage von Getreide und Soja. Beide Rohstoffe sind zentrale Bestandteile von Schweinefutter, stehen aber teilweise in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie könnten sie daher teilweise ersetzen – und die Fütterung nachhaltiger und kostengünstiger machen.
Bis 2050 müssen voraussichtlich rund 10 Milliarden Menschen ernährt werden. Gleichzeitig nimmt die landwirtschaftliche Fläche kaum noch zu. Die Lebensmittelproduktion soll deshalb effizienter werden. Auch die Tierernährung kann dazu beitragen, die Erzeugung tierischer Lebensmittel wie Fleisch zu verbessern. Klingt trocken, ist im Stall aber eine ziemlich praktische Frage: Was lässt sich sinnvoll verfüttern, ohne dass essbare Pflanzenprodukte unnötig im Trog landen?
Was sonst übrig bleibt
Beim Getreideanbau fallen Nebenprodukte an, die für die menschliche Ernährung ungeeignet sind. Auch Nebenerzeugnisse aus der Lebensmittelherstellung, etwa Rapsextraktionsschrot, werden bereits seit Langem in der Landwirtschaft verfüttert. Tiere können solche Biomasse verwerten. Das macht sie zu einem möglichen Baustein, wenn die Konkurrenz zwischen Lebens- und Futtermitteln kleiner werden soll.
Futtermittel, die auch Menschen essen könnten, werden in diesem Zusammenhang zunehmend kritisch bewertet. Bei der Umwandlung pflanzlicher Futtermittel in hochwertige tierische Lebensmittel geht es also auch um die Konkurrenz zwischen Lebens- und Futtermitteln, häufig als Konkurrenz zwischen Human- und Tierernährung beschrieben. Verstärkt wird deshalb diskutiert beziehungsweise gefordert, direkt für den menschlichen Verzehr geeignete pflanzliche Produkte möglichst wenig in der Tierernährung einzusetzen.
Stattdessen kommen vermehrt faserreiche Futterkomponenten zum Einsatz. Das beeinflusst die Verwertungseffizienz – und genau dort wird es interessant. Denn eine Ration muss nicht nur auf dem Papier funktionieren, sondern im Stall: bei der Gewichtszunahme, beim Futterverbrauch und bei den Nährstoffausscheidungen.
Gute Leistungen trotz Nebenprodukten
Wissenschaftler untersuchten Rationen mit hohen Anteilen solcher Nebenprodukte. Geprüft wurde, wie sich die Fütterung auf Tageszunahmen, Futterverwertung und Nährstoffausscheidungen auswirkt. Die Versuche zeigen: Schweine können trotz eines hohen Nebenproduktanteils gute Leistungen erzielen.
Ganz einfach nach dem Motto „rein damit“ läuft es allerdings nicht. Risiken und Grenzen bestehen insbesondere bei der Zusammenstellung der Rationen. Die einzelnen Bestandteile müssen also sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Sonst kann die Rechnung bei Leistung, Nährstoffversorgung oder Wirtschaftlichkeit schnell anders aussehen – und der Trog bleibt nicht automatisch die Lösung für alle Futterfragen.
Ein Versuch aus Niedersachsen
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen untersuchte in einem Fütterungsversuch, wie sich Rationen mit geringerer Nahrungsmittelkonkurrenz auf die Leistung und Wirtschaftlichkeit von Mastschweinen auswirken. Im Mittelpunkt stand damit die Frage, wie sich der Einsatz von Nebenprodukten und faserreichen Komponenten praktisch bewährt.
Die Untersuchung passt zu einem größeren Zusammenhang: Wenn die verfügbare Fläche kaum wächst, muss aus ihr mehr herausgeholt werden, ohne direkt für Menschen geeignete pflanzliche Produkte möglichst unbedacht an Tiere zu verfüttern. Die Tierhaltung wird dabei nicht losgelöst von der pflanzlichen Erzeugung betrachtet, sondern als Teil eines Kreislaufs, in dem auch weniger begehrte Biomasse noch einen Nutzen haben kann.
Der vollständige Versuchsbericht ist im Downloadbereich verfügbar. Wer genauer wissen will, welche Rationen eingesetzt wurden und wie Leistung und Wirtschaftlichkeit bewertet wurden, muss dort nachsehen – die Schlagzeile allein füttert schließlich kein Schwein.
Warum das Thema bleibt
Getreide und Soja verschwinden durch solche Ansätze nicht aus der Schweinefütterung. Sie bleiben wichtige Rohstoffe. Doch Nebenprodukte aus Getreideanbau und Lebensmittelherstellung können einen Teil davon ersetzen, sofern die Rationen fachgerecht zusammengestellt werden und die Auswirkungen auf Tageszunahmen, Futterverwertung sowie Nährstoffausscheidungen im Blick bleiben.
Rapsextraktionsschrot ist dafür ein bekanntes Beispiel. Andere faserreiche Komponenten kommen hinzu. Was für Menschen nicht auf den Teller gehört, kann für Schweine dennoch verwertbare Biomasse sein – eine nüchterne, aber durchaus überraschende Verschiebung der Perspektive. Zwischen Futtertisch, Flächenknappheit und der Frage, wie künftig rund 10 Milliarden Menschen ernährt werden sollen, wird aus einem Nebenprodukt plötzlich eine ziemlich zentrale Zutat.
