Die Bankenwelt in Deutschland sortiert sich neu. Während Direktbanken und Neobanken mit schlanken digitalen Angeboten auf Kundschaft hoffen, geraten etablierte Häuser stärker unter Druck. Im Zentrum steht die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit.

Was daraus folgt, ist offen – und reicht weit über die Bilanzen der beteiligten Institute hinaus. Aktionäre könnten ebenso betroffen sein wie Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden oder der Wirtschaftsstandort Deutschland. Darüber spricht die SWR-Kultur-Sendung „Forum“ am 20. Oktober 2026 um 17:05 Uhr. Die Ankündigung stammt vom 16. Oktober 2026 und wurde am selben Tag um 10:35 Uhr zuletzt aktualisiert.

Was die Übernahme verändern könnte

Die Commerzbank gilt insbesondere für den deutschen Mittelstand als wichtiger Finanzierer. Eine Übernahme durch UniCredit wirft deshalb die Frage auf, wie sich die Finanzierung von Unternehmen verändert und welche Rolle ein großes, international geprägtes Institut künftig in Deutschland spielen würde.

Im Gespräch geht es um mögliche Folgen für Aktionäre, Mitarbeitende sowie Kundinnen und Kunden. Auch der Wirtschaftsstandort Deutschland steht auf der Tagesordnung. Für Beschäftigte dürften mögliche Überschneidungen und Veränderungen in den Strukturen wichtig sein; für die Kundschaft zählen dagegen eher Zinsen, Gebühren, Erreichbarkeit und die Frage, ob der vertraute Ansprechpartner bleibt. Ganz so trocken, wie Bankensprache oft klingt, ist das also nicht.

Mitdiskutieren Prof. Dr. Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Lena Tonzer von der Universität Leipzig und Inken Schönauer, Ressortleiterin „Finanzen“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Direkt, digital – und mit neuen Risiken

Das Gespräch nimmt außerdem die Vorteile der neuen Bankenanbieter in den Blick. Direktbanken und Neobanken arbeiten häufig mit digitalen Prozessen und konkurrieren zunehmend mit den traditionellen Instituten. Für Kundinnen und Kunden kann das niedrigere Kosten, schnelle Abläufe und eine unkomplizierte Nutzung per Smartphone bedeuten.

Doch die veränderte Bankenlandschaft bringt auch mögliche Risiken mit sich. Diskutiert wird, wer vom Wettbewerb durch Direkt- und Neobanken tatsächlich profitiert und ob am Ende vor allem jene Vorteile haben, die ihre Bankgeschäfte ohnehin fast vollständig online erledigen. Die gemütliche Filiale um die Ecke ist schließlich nicht für alle bloß Dekoration.

Weniger Banken, aber langsamerer Rückgang

Die geplante Übernahme fällt in eine Zeit, in der die deutsche Bankenlandschaft seit Jahren kleiner wird. Ende 2024 gab es 1.368 Banken – 35 weniger als ein Jahr zuvor. Das Tempo des Institutsabbaus hat sich damit verlangsamt: 2023 sank die Zahl um 55 Banken, 2022 waren es 61 Institute.

Über 20 Jahre betrachtet ist die Zahl der Banken um 43 Prozent zurückgegangen. Als mögliche Gründe für das langsamere Fusionstempo gelten höhere Zinsüberschüsse und ein dadurch geringerer Wettbewerbsdruck. Laut Bain-Experte Jens Oesterle sind viele einfache, organisatorisch unkomplizierte Fusionen bereits umgesetzt. Weitere Zusammenschlüsse dürften deshalb aufwendiger und zeitintensiver werden.

Bain erwartet dennoch, dass die Konsolidierung in den kommenden Jahren weitergeht – insbesondere unter den noch 661 genossenschaftlichen Instituten. In einer frühen Gesprächsphase sollen sich außerdem die Helaba und die Wiesbadener Aareal Bank über einen möglichen Zusammenschluss befinden.

Alte Säulen, neue Bündelungen

Eine Fusion von Helaba und Aareal Bank könnte neue Überlegungen zu einer stärkeren Bündelung im Landesbankensektor auslösen. Möglich wäre allerdings auch das Gegenteil: Reformen könnten sich verzögern, wenn die Helaba zunächst mit der Integration der Aareal Bank beschäftigt wäre.

Schon 2018 hatte der damalige Sparkassenpräsident Helmut Schleweis ein gemeinsames Zentralinstitut vorgeschlagen, mit DekaBank und Helaba als Kern. Die Gespräche dazu wurden nicht weitergeführt. Gelegentlich tauchen die entsprechenden Diskussionen aber wieder auf.

Fusionen zwischen den drei Säulen des deutschen Bankensystems – Sparkassen, Privatbanken und Genossenschaftsbanken – sind bislang selten. Eine aktuelle Ausnahme ist die Übernahme der ABK Allgemeine Beamten Bank durch die Berliner Volksbank. An der TU Braunschweig bleibt damit reichlich Stoff für Gespräche: über Apps und Filialen, Mittelstandskredite und Arbeitsplätze – und darüber, wie viel Veränderung ein Bankensystem verträgt, bevor es für viele Kundinnen und Kunden fremd wirkt.