In Hornburg steht ein altes Fachwerkhaus wieder offen für neues Leben: Der kürzlich sanierte Große Hopfenspeicher an der Dammstraße soll künftig Raum für Ausstellungen, Lesungen und Vorträge bieten. Der Kulturverein Hornburg möchte das Gebäude wieder stärker öffentlich nutzen – als Ort für Kultur und Erinnerung, nicht als Museum, Stadthalle oder Verwaltungsgebäude.

Wie viel Geschichte in den Balken steckt, untersuchen derzeit Andreas Memmert, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins, die Stadtarchivarin Dr. Sibylle Heise und die Historikerin Stephanie Memmert. Ihre Ergebnisse könnten in einer Ausstellung im Hopfenspeicher zu sehen sein. Ein Haus, das lange stillstand, bekommt damit vielleicht nicht nur neue Farbe, sondern auch neue Stimmen.

Ein Forstschreiber und ein Zimmermeister

Errichtet wurde der giebelständige Fachwerkbau 1672. Das etwa 15 Meter lange Gebäude ist mit seinem Giebel und dem hochgemauerten Keller zur Straße ausgerichtet. Zimmermeister Heinrich Duensing schuf den Bau; seinen Namen brachte er am Nordgiebel an. Inschriften an den Fachwerkbalken nennen Leopold Schomburg und seine Ehefrau Dorothea Elisabetha Ahlburg – in einer weiteren Quelle als Alburg bezeichnet – als Eigentümer beziehungsweise Bauherren.

Schomburg war fürstlicher Forstschreiber im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Er lebte von 1641 bis 1709 und arbeitete außerdem als Forstschreiber und Oberförster für die blankenburgische und braunschweigische Forstverwaltung. Dorothea Elisabetha Ahlburg war die Tochter des Hornburger Amtmannes Johann Ahlburg.

Bekannt wurde Schomburg vor allem durch sein historisch illustriertes Werk „dictionarium forestale“, das er in seinen späteren Lebensjahren verfasste. Eine mögliche Ausstellung könnte Zeichnungen daraus zeigen – ergänzt durch Gegenstände, die sich aus verschiedenen Baumarten herstellen lassen. Holz also, nicht bloß als Bauteil, sondern als Material mit Gedächtnis.

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Für ihre Nachforschungen gingen Andreas und Stephanie Memmert sowie Dr. Sibylle Heise ins Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Wolfenbüttel. Dort werden unter anderem die Kirchenbücher braunschweigischer Kirchengemeinden aufbewahrt. Landeskirchenarchivrätin Birgit Hoffmann stellte ihnen Hornburger Kirchenbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert zur Verfügung.

Einfach zu lesen sind die alten Einträge nicht. Sie stehen in Kurrentschrift, deren späte Ausprägung im 17. Jahrhundert von spitzen, eng geschriebenen und stark geneigten Buchstaben geprägt war. Einzelne Angaben zur Familie konnten überprüft und ergänzt werden; mehrere Datierungen und familiäre Zuordnungen sind allerdings noch ungeklärt. Archivarbeit ist eben selten ein sauberer Spaziergang von A nach B.

Eine Grabplatte erzählt von Trauer und Wohlstand

Dr. Sibylle Heise untersucht derzeit die Lebenswege der Kinder Schomburgs. Dazu gehörte Catharina Elisabeth Schomburg, die 1666 geboren wurde und 1668, noch vor ihrem zweiten Geburtstag, starb. Ihre barocke Grabplatte in der Hornburger Kirche Beatae Mariae Virginis dokumentiert die damalige Trauerkultur und zugleich den Wohlstand der Familie.

Die Inschrift und die Gestaltung der Grabplatte könnten deshalb ebenfalls Teil einer Ausstellung werden. An solchen Details wird Geschichte plötzlich klein und nah: ein Name, zwei Jahreszahlen, ein Kind, das kaum Zeit hatte, Spuren zu hinterlassen – und doch bis heute in Stein erinnert wird.

Sanierung mit Blick auf die Substanz

Der etwa 400 Jahre alte Hopfenspeicher war durch sein Alter und fehlendes historisches Bewusstsein verfallen. Seit 2019 wurde er instand gesetzt, nach umfangreicher Sanierung schließlich wiedereröffnet. Das Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg arbeitete unter anderem an den Fachwerkkonstruktionen, den Dielenböden, Treppen und am Dachstuhl. Rund fünf Prozent der historischen Holzkonstruktion mussten durch neues Holz ersetzt werden.

Finanziert wurde die Sanierung durch Zuwendungen des Städtebaufonds der Landesregierung und des Zukunftsfonds Asse. Auf Wasser- und Heizungsinstallationen verzichtete man bewusst, damit die historische Bausubstanz möglichst vollständig erhalten blieb. Das ist praktisch nicht gerade der bequemste Weg, aber für dieses Haus offenbar der passendere.

Der Bau gilt als markantes Beispiel bürgerlichen Bauens der späten Renaissance mit süddeutsch wirkenden Fachwerkkonstruktionen. Seine Außenwände bestehen traditionell aus Schwellen, Ständern, Riegelketten, Streben und Andreaskreuzen. Über dem Haus liegt ein hohes Satteldach mit einer dreifach stehenden Stuhlkonstruktion unterhalb der Kehlbalkenebene.

Die Deckenbalken verlaufen von Ost nach West. In den unteren Geschossen liegen sie auf Unterzügen und auf den beiden Längswänden, die durch Fachwerkbundwände, Mauerwerksbundwände und freistehende Ständer getragen werden. Errichtet wurde der Stockwerksbau auf dem Sockelmauerwerk eines früheren Gebäudes.

Besonders gründlich wurde der straßenseitige Giebel bearbeitet: Seine Fachwerkkonstruktion wurde 2020 umfassend instandgesetzt. Streben im Giebeldreieck ersetzte man, beschädigte Streben mit Ergänzungen aus derselben Holzart reparierte man und behandelte sie mit Leinöl sowie Lehm. Beschädigte Holzverbindungen wurden durch das Anblatten neuer Konstruktionshölzer wiederhergestellt.

Im Ober- und Zwischengeschoss des Giebels sitzen geschwungene Streben in den Brüstungsgefächern, Knaggen unter den Stichbalken und Inschriften in den Schwellhölzern. Das Brüstungsfeld mit den geschwungenen Streben wurde vollständig restauriert; Zapfen an den Streben kamen hinzu, Holzverbindungen wurden mit Holzdübeln verstärkt. Auch beschädigte Bereiche an der Schwelle mit Inschrift reparierte man behutsam.

Ursprünglich waren die Gefache mit Weidenruten als Flechtwerk und Strohlehmputz ausgefüllt. Das Flechtwerk wurde wieder befestigt, Hohlräume schloss man mit neuem Lehmunterputz. Am Südgiebel blieb die ursprüngliche Kalkputzschicht mit historischem Anstrich erhalten und diente als Grundlage für die Neugestaltung. Zu sehen sind dort ein roter Begleitstrich und schwarze Akzente entlang der Fachwerkkonstruktion.

Die Arbeiten waren zugleich ein Bildungsprojekt. In internationalen Seminaren unter Leitung des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg e. V. wurden barocke Fenster, Türen und Teile der Fachwerkkonstruktion restauriert. Beteiligt waren die Hochschule Holzminden und die Technische Universität Braunschweig. Auch Schülerinnen und Schüler der Werla-Schule Schladen arbeiteten an der Restaurierung barocker Türen und Fenster mit. Das Fachwerkzentrum vermittelt die Erhaltung historischer Gebäude als Bildungsauftrag an Menschen aus verschiedenen Ländern.

„Hornburg bei Nacht“ und neue Pläne

Schon vor der geplanten weiteren Nutzung gab es Ausstellungen im sanierten Gebäude. „Der Weg der Restaurierung“ zeigte die Gebäudesanierung im Jahr 2022. Zur Wiedereröffnung wurde außerdem „Hornburg bei Nacht“ eingerichtet, mit Bildern des inzwischen verstorbenen Berliner Fotografen und Autors Detlef Bluhm.

Bluhm hatte die Aufnahmen zwei Jahre zuvor bei mehreren Aufenthalten in Hornburg angefertigt. Bekannt war er für nächtliche fotografische Ansichten von Städten und Ortschaften, darunter Berlin, Ljubljana und Dettum. Seine langzeitbelichteten Fotografien zeigen Hornburg unter anderem mit Motiven von Papst Clemens II. und dem Hopfen.

Die Bilder bewegen sich überwiegend in Braun- und Grautönen. Sie holen nächtliche Lichtstimmungen, ungewohnte Perspektiven und architektonische Details nach vorn. Der Vorsitzende des Hornburger Kulturvereins, Professor Edmund Brandt, sagte, Bluhm habe in seinen Fotografien eine künstlerische mit einer persönlichen Ebene verbunden. Klaus Kämpfe-Burghard vom Galerie-Kulturhaus Dettum berichtete, der Fotograf habe seine Motive sorgfältig vorbereitet und erst nach längerer Beobachtung ausgelöst.

Bürgermeister Andreas Memmert betonte die Verbindung der über 1000-jährigen Hornburger Stadtgeschichte mit den Menschen, die in den historischen Häusern lebten. Professor Edmund Brandt hob die Bedeutung des Gebäudes für die Stadt hervor. Im Rahmen eines Modellprojekts der Gemeinde Schladen-Werla und des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg e. V. ist zudem eine museale Nutzung vorgesehen.