Seit Oktober bildet die BTU Cottbus-Senftenberg in der Lausitz selbst Lehrkräfte für Sorbisch/Wendisch an Grundschulen aus. Anfang Oktober haben fünf Studierende die Studiengänge Deutsch–Sorbisch/Wendisch für die Primarstufe sowie Mathematik–Sorbisch/Wendisch für die Primarstufe begonnen. Für die BTU ist das ein neuer Schritt: Niedersorbisch kann nun direkt an der Hochschule im Lehramtsstudium studiert werden.

Das Angebot ist auf die sechsjährige Grundschule in Brandenburg zugeschnitten und findet im sorbisch/wendischen Siedlungsgebiet statt. Der neue Bachelorstudiengang „Lehramt Primarstufe Sorbisch/Wendisch“ war ursprünglich für den Start im Wintersemester 2026 vorgesehen; laut BTU-Vizepräsident Peer Schmidt galt dieses Ziel bereits im Juli 2025 als ambitioniert. Nach bisherigen Plänen sollte der Studiengang am BTU-Standort Senftenberg angesiedelt werden. Damit entsteht erstmals eine institutionalisierte Ausbildung sorbischer Grundschullehrkräfte im Zentrum der Lausitz.

Fünf Studierende, eine erfahrene Dozentin

Für die Lehre gewann die BTU eine Mitarbeiterin mit umfangreicher Erfahrung in Wissenschaft und Schulpraxis. Die Dozentin Julia Běrink wechselte dafür vom Sorbischen Institut an die Universität. Brandenburg beteiligt sich weiterhin an der Finanzierung des Instituts für Sorabistik der Universität Leipzig; die Ausbildung an der BTU ergänzt dieses Leipziger Angebot.

Der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik begrüßte, dass Niedersorbisch nun direkt an der BTU im Lehramtsstudium studiert werden kann. Als Ziel der Domowina nannte er, dass im Jahr 2100 insgesamt 100.000 Menschen Sorbisch sprechen. Ob sich dieser große Plan trägt, entscheidet sich freilich nicht nur in Hörsälen, sondern auch in Schulen, Familien und im Alltag.

Studierende des Sorbischen sollen ein monatliches Stipendium von 500 Euro erhalten. Brandenburgs Wissenschaftsministerium und der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden wollten weitere Details zur Studiengestaltung bekannt geben. Offen war zuletzt, wie Studieninteressierte sprachlich vorbereitet werden können. Als Problem gelten fehlende einheitliche Standards für Nieder- und Obersorbisch. Die Einrichtung geht auf den Koalitionsvertrag der früheren Landesregierung aus SPD und BSW von Ende 2024 zurück, der eine Ausbildung für Sorbischlehrkräfte vorsah.

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Sprache im Klassenzimmer – und im digitalen Amt

Brandenburg berücksichtigt Niedersorbisch auch bei der Auswahl eines KI-Assistenten für die Landesverwaltung. Seit dem 7. September läuft ein Pilotbetrieb mit „LLMoin“, einem Sprachmodell-Angebot des IT-Dienstleisters Dataport. Perspektivisch sollen auch Kommunen das Angebot nutzen können. Allgemeine Sprachmodelle können auf niedersorbische Eingaben reagieren; ihre Qualität wurde bislang jedoch nicht geprüft.

Das Übersetzungsprogramm „sotra“ wird von der Domowina über ihr WITAJ-Sprachzentrum betrieben. Für Niedersorbisch basiert es auf rund 270.000 zweisprachigen Satzpaaren. Brandenburg und Sachsen wollen diese Datenbasis gemeinsam erweitern, insbesondere um Verwaltungstexte, und dabei zwischen Ober- und Niedersorbisch unterscheiden. Ausgewählte Verwaltungsleistungen sind auf dem Landesserviceportal service.brandenburg.de bereits auf Niedersorbisch verfügbar.

Zu den vorrangigen sorbisch/wendischen Themen in Brandenburg zählen die Attraktivität pädagogischer Berufe, die Berücksichtigung der Sprache beim Aufbau des E-Governments und die Verwendung sorbischer/wendischer Ortsnamen. Nach dem Abschluss der meisten Siedlungsgebietsverfahren ist der Geltungsbereich entsprechender Maßnahmen rechtssicher festgelegt.

Brandenburg will weitere verbindliche Verpflichtungen für Niedersorbisch nach Teil III der Europäischen Sprachencharta übernehmen; Sachsen plant dies für Obersorbisch. Weil diese Verpflichtungen durch eine Rechtsverordnung des Bundes festgelegt werden, stimmen sich beide Länder dazu ab. Bewerbungen für den Mina-Witkojc-Preis sind noch bis zum 31. Oktober möglich. Brandenburg vergibt ihn alle zwei Jahre für herausragendes Engagement zur Anwendung, Vermittlung und Weiterentwicklung der niedersorbischen Sprache.

Sachsen verlieh am 9. September in Kamenz den mit 5.000 Euro dotierten Zejler-Preis 2026 an Theresia Schön (Rejza Šěnowa). Solche Auszeichnungen wirken vielleicht weniger spektakulär als ein neuer Studiengang oder ein Sprachmodell, halten aber ebenfalls etwas am Laufen: Menschen, die sich kümmern, übersetzen, unterrichten und die Sprache weitergeben.

Eine alte Sprache mit sehr gegenwärtigen Problemen

Die Sorben/Wenden leben seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz. Obersorbisch wird vor allem in der sächsischen Oberlausitz gesprochen, Niedersorbisch vor allem in der brandenburgischen Niederlausitz. Beide Sprachen sind in Deutschland anerkannte Minderheitensprachen und durch die Landesverfassungen geschützt.

Wie gut dieser Schutz im schulischen Alltag ankommt, untersucht Fei Lian in der 2025 veröffentlichten Arbeit „Zur Umsetzung der Sprachpolitik gegenüber der sorbischen/wendischen Minderheit: Empirische Perspektiven im schulischen Kontext“. Die Untersuchung befasst sich mit der Umsetzung der Sprachpolitik gegenüber der sorbischen/wendischen Minderheit und nimmt die Niederlausitz in Brandenburg in den Blick. Gegenstand sind die niedersorbische Sprache und Kultur.

Die 129 Seiten umfassende Arbeit ist in der Reihe „Sprache und Sprachkompetenz. Korpusbasierte Perspektiven“, Band 2, erschienen, herausgegeben von Li Yuan. Die Print-Ausgabe trägt die ISBN 978-3-86205-841-9 und kostet 22 Euro, das E-Book ist unter der ISBN 978-3-86205-988-1 für 15,99 Euro erhältlich.

Weltweit nimmt der Verlust von Minderheitensprachen und -kulturen zu. Viele Länder haben deshalb Gesetze und Vorschriften zur Bewahrung und Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt erlassen. In Deutschland stehen Dänen, Friesen, deutsche Sinti und Roma sowie Sorben/Wenden als vier staatlich anerkannte nationale Minderheiten unter besonderem Schutz. Die entsprechenden Regelungen und ihre praktische Umsetzung wurden bislang allerdings nur wenig empirisch untersucht.

Fei Lian arbeitet mit einem integrativen Modell der Sprach(en)planung und Feldforschung. Im Mittelpunkt stehen die Lernsituation der niedersorbischen Sprache im schulischen Kontext sowie der Vergleich politischer Regelungen auf unterschiedlichen Ebenen mit ihrer praktischen Umsetzung. Berücksichtigt werden die europäische, nationale und regionale Ebene. Auf allen drei Ebenen bestehen spezifische Rechtsvorschriften zur Stärkung des politischen Status der Sorben/Wenden, zur Standardisierung und Modernisierung der niedersorbischen Sprache sowie zur Bewahrung und Weiterentwicklung der sorbischen/wendischen Kultur.

Die vorgeschriebenen Regelungen werden weitgehend umgesetzt. Gleichzeitig nennt die Arbeit zwei offene Baustellen: den Mangel an Nachwuchslehrkräften und die begrenzten Möglichkeiten, die erlernte niedersorbische Sprache im Alltag anzuwenden. An der BTU sitzen dafür nun fünf Studierende in den Startlöchern – und irgendwo zwischen Seminarraum, Klassenzimmer und dem nächsten Verwaltungstext entscheidet sich, wie oft Niedersorbisch künftig tatsächlich zu hören sein wird.