Berlin, 25. September 2026: Peter Thiel nahm den Axel Springer Award entgegen und teilte zugleich kräftig gegen Teile der deutschen Medienlandschaft aus. Bei der Verleihung in Berlin fragte der Tech-Milliardär, warum viele Medien zu einer „linken Hassfabrik“ verkommen seien. Die Landschaft sei „sehr, sehr einseitig“ und weniger frei, als sie sein sollte.

Als Gegenstimmen lobte Thiel Springer-Chef Mathias Döpfner, die US-Journalistin Bari Weiss und die Beschäftigten von Axel Springer. Studien ordnen Journalistinnen und Journalisten politisch allerdings nicht vollständig neutral ein. Eine Untersuchung der TU Dortmund stellte unter anderem eine vergleichsweise starke Nähe zu den Grünen fest. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnte zugleich davor, daraus eine politische Einseitigkeit der Berichterstattung abzuleiten.

Wohnen, AfD und Berliner Politik

Den Wahlerfolg der Linken bei der jüngsten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus könne er nachvollziehen, sagte Thiel. Dahinter stehe ein „sehr reales Problem“: Wohnen sei zu teuer und zu stark reguliert. Gute Antworten habe die Linke aus seiner Sicht trotzdem nicht. Mit Mietpreisbindungen werde Berlin wahrscheinlich „in ein Elendsviertel“ verwandelt.

Auch zur AfD äußerte sich Thiel. Bei den Themen Ukraine, China und Israel liege sie falsch. Über alle drei Fragen könne man vernünftig diskutieren, doch die Partei vertrete jeweils die falsche Position.

Der aus Deutschland stammende IT-Investor ist Mitgründer des Softwareunternehmens Palantir. Bekannt ist er für libertäre und rechtskonservative Positionen sowie für seine Kritik an liberalen Demokratien. Thiel unterstützt US-Präsident Donald Trump und dessen Vizepräsidenten JD Vance. Berichte über seine apokalyptische Weltsicht rückten zuletzt auch seine religiöse Ideologie in den Mittelpunkt. In Deutschland wird darüber debattiert, ob Sicherheitsbehörden auf Palantirs umstrittene Datenanalyseprodukte zurückgreifen sollten.

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Ein Preis für Märkte, Technik und Streit

Axel Springer zeichnete Thiel 2026 in Berlin mit dem nicht dotierten Axel Springer Award aus. Es ist der zehnte Preis dieser Art. Nach Angaben des Verlags werden Persönlichkeiten geehrt, die Märkte in herausragender Weise verändern. Die diesjährige Auszeichnung würdigt Thiels Einfluss auf die Schaffung und Veränderung von Märkten, auf technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Debatten sowie auf die digitale Transformation.

Als Mitgründer von PayPal war Thiel am Aufbau des globalen digitalen Zahlungsverkehrs beteiligt. Als erster externer Investor von Facebook erkannte er früh das Potenzial sozialer Netzwerke. Palantir gründete er mit; das Unternehmen gilt laut Veranstalter als relevant für die Resilienz von Demokratien. Über den Founders Fund finanzierte er Unternehmen aus Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und Raumfahrt.

Mathias Döpfner würdigte Thiel als einflussreichen Deutschen, erfolgreichen Venture-Capital-Investor sowie unkonventionellen und prinzipientreuen Vordenker. Der Award solle Unternehmertum, Risikobereitschaft und neues Denken auszeichnen. Bari Weiss, Chefredakteurin von CBS, beschrieb Thiel als Denker und Unternehmer, der bestehende Gewissheiten hinterfrage und Debatten anstoße. Er erkenne Entwicklungen häufig früher als andere und habe dadurch eine bemerkenswerte Erfolgsbilanz erreicht.

Videobotschaften kamen unter anderem von OpenAI-CEO Sam Altman, Palantir-CEO Alex Karp und dem Schachweltmeister und Dissidenten Garri Kasparow. Kasparow betonte Thiels Bedeutung als leidenschaftlicher Schachspieler für dessen Entwicklung in der Technologiebranche, sprach aber auch über seine umstrittene Rolle in öffentlichen Debatten und seine kontinuierliche Beteiligung an Entwicklungen des digitalen Zeitalters.

Im Mittelpunkt stand ein Gespräch zwischen Döpfner, Thiel und PayPal-Mitgründer Max Levchin. Es ging um die frühen gemeinsamen Jahre im Silicon Valley, die Entstehung von PayPal und die Frage, wie westliche Gesellschaften ihre Innovationsfähigkeit erhalten können. Als Erinnerung erhielt Thiel eine Erstausgabe von J. R. R. Tolkiens „Unfinished Tales“ aus dem Jahr 1980. Das Geschenk spielte auf sein Interesse an Tolkiens Werk an; mehrere von ihm gegründete oder finanzierte Unternehmen nehmen in ihren Namen darauf Bezug. Die Pianistin Elisaveta Blumina gestaltete den musikalischen Abschluss. Begleitend wurde eine neue Folge des Podcasts „MD Meets“ mit Peter Thiel produziert.

Frühere Preisträger waren unter anderem Mark Zuckerberg, Tim Berners-Lee, Jeff Bezos, Shoshana Zuboff, Elon Musk, Özlem Türeci und Uğur Şahin, Wolodymyr Selenskyj, Satya Nadella und Sam Altman.

Protest vor dem Springer-Gebäude

Der DJV bezeichnete die Auszeichnung als problematisch und verwies unter anderem auf Thiels Unterstützung für Trump. Der Verband sah einen Widerspruch darin, dass Springer Thiel für seinen Beitrag zur „Resilienz der Demokratie“ auszeichne, während das Springer-Medium Politico juristisch gegen den Ausschluss von Journalisten aus dem Weißen Haus vorgehe.

Am Rand der Preisverleihung protestierten nach Polizeiangaben mehr als 200 Menschen gegen Thiel. Die von linken Gruppen organisierte Demonstration verlief störungsfrei. Vor dem Axel-Springer-Gebäude hing ein Banner mit der Aufschrift „Thiel Shall Not Pass“ – eine Anspielung auf „Der Herr der Ringe“.

Während der Feier betrat ein Mitarbeiter eines Dienstleisters mit einem Transparent die Bühne. Darauf stand: „They know that we know that they lie“. Der Mann verließ die Bühne freiwillig. Laut Springer wurde niemand verletzt.

Vom Schachbrett ins Silicon Valley

Peter Andreas Thiel wurde am 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main geboren. Er ist ein deutsch-US-amerikanischer Investor, Tech-Unternehmer und Milliardär. Sein Vater Klaus war Chemiker, seine Mutter heißt Susanne Thiel. Im Alter von einem Jahr zog die Familie in die USA, zunächst nach Cleveland. Wegen der Arbeit des Vaters folgten weitere Umzüge; Thiel besuchte Schulen in Johannesburg und Swakopmund. 1977 ließ sich die Familie in Foster City, Kalifornien, nieder.

In seiner Jugend war Thiel stark in Mathematik und Schach. Mit zwölf Jahren belegte er in den USA in der U13-Kategorie Rang sieben. Später blieb das Spiel wichtig: Mit einer Elo-Zahl von 2199 gehörte er 2003 zu den tausend besten Schachspielern der USA, seit Juli 2003 sind allerdings keine Turnierpartien mehr verzeichnet.

1989 schloss Thiel an der Stanford University ein Philosophiestudium mit dem Bachelor of Arts ab, 1992 folgte der Juris Doctor an der Stanford Law School. Danach arbeitete er für einen Bundesrichter, die Kanzlei Sullivan & Cromwell und kurzzeitig als Derivatehändler bei Credit Suisse. 1996 gründete er in Kalifornien den Anlagefonds Thiel Capital Management.

1998 lernte er den Informatiker Max Levchin kennen. Im Dezember desselben Jahres gründeten Thiel, Levchin und Luke Nosek in Palo Alto Confinity. Im März 2000 entstand gemeinsam mit Elon Musks Unternehmen X.com das Start-up PayPal. Thiel investierte 280.000 US-Dollar und wurde CEO. 2002 brachte er PayPal an die Börse. Nach dem Verkauf an eBay erzielte er 55 Millionen US-Dollar und gründete damit Clarium Capital Management, das Anfang 2007 rund 2,1 Milliarden US-Dollar verwaltete.

2003 war Thiel Mitgründer von Palantir Technologies. Das Unternehmen wurde unter anderem durch die CIA-Risikokapitalgesellschaft In-Q-Tel mit aufgebaut und entwickelt Datenanalyse-Software für staatliche Anwendungen, darunter Geheimdienst- und Terrorismusbekämpfung. Thiel ist Vorsitzender und seit Ende 2014 größter Anteilseigner von Palantir.

Im Juni 2004 investierte er als erster Investor 500.000 US-Dollar in Facebook. Das Darlehen wurde später in einen Anteil von sieben Prozent umgewandelt. Beim Börsengang im Mai 2012 verkaufte Thiel 16,8 Millionen Facebook-Aktien für 640 Millionen US-Dollar. Nach Ablauf der Investoren-Haltefrist kamen weitere 20 Millionen Aktien für rund 400 Millionen US-Dollar hinzu. Thiel beteiligte sich außerdem an der Gründung beziehungsweise Finanzierung von Valar Ventures und Mithril Capital Management, ist Partner des Founders Fund und Präsident des Hedgefonds Clarium Capital.

Politik, Religion und ein Leben auf mehreren Kontinenten

Thiel wird der politischen Rechten zugerechnet und unter