22.000 Euro für systemisches Elterncoaching bei Autismus in Dresden
Für Familien mit autistischen Kindern soll es in Dresden und Umgebung künftig ein zusätzliches Unterstützungsangebot geben: Die Deutsche Fernsehlotterie fördert den Verein Autismus-Dresden mit 22.000 Euro. Damit will der Selbsthilfeverein ein systemisches Coaching für Eltern aufbauen und bis Ende November 2028 finanzieren.
In der Region leben nach Angaben des Vereins mehr als 600 autistische Kinder und Jugendliche. Viele Eltern stemmen neben der Betreuung ihrer Kinder auch bürokratische Hürden, fehlende Unterstützung und soziale Isolation. Wenn Beratungs- oder Therapieangebote nicht ausreichen oder lange Wartezeiten entstehen, klafft schnell eine Lücke. Genau dort soll das Coaching ansetzen.
Einzeltermine für schwierige Situationen
Im Mittelpunkt stehen Belastungen im Familienalltag, der Umgang mit Behörden und Institutionen sowie die persönliche Stärkung der Eltern. In Einzelcoachings können Mütter und Väter schwierige Situationen reflektieren, eigene Stärken erkennen und Lösungen entwickeln, die zu ihrer Familie passen. Das Angebot soll Informationen vermitteln, die Handlungsfähigkeit im Alltag stärken und dabei helfen, Krisen frühzeitig abzufangen.
Eine Therapie oder professionelle Beratung ersetzt das Coaching nicht. Es ergänzt bestehende Hilfen durch individuelle Begleitung. Die Förderung deckt einen Teil der Honorarkosten ab; insgesamt kostet das Projekt knapp 28.000 Euro. Die Finanzierung ist zunächst bis Ende November 2028 begrenzt.
Interessierte Eltern können über die Internetseite von Autismus-Dresden Kontakt aufnehmen. Dort finden sich auch Hinweise auf Treffen, Beratung und weitere Unterstützungsangebote.
Ein Verein mit langer Geschichte
Autismus-Dresden ist ein Selbsthilfeverein für Eltern und Angehörige autistischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener. Der Regionalverband gehört zum Bundesverband Autismus Deutschland und hat rund 100 Mitglieder. Er berät unter anderem zu Kita, Schule, Beruf und Wohnen und organisiert Austausch- sowie Weiterbildungsangebote.
Begonnen hat die Vereinsgeschichte 1979 mit einem Elternarbeitskreis unter dem Dach der Kirche. Seit 1991 besteht die Initiative als Regionalverband Autismus-Dresden e. V. Heute kommt zu dieser Arbeit auch Forschung hinzu: Ein europäisches Forschungsprojekt an der TU Dresden untersucht, wie Autismus künftig früher erkannt und die Betreuung betroffener Kinder verbessert werden kann.
Was Eltern zusätzlich helfen kann
Eine frische Diagnose oder auch nur der Verdacht auf Autismus kann bei Eltern viele Fragen und Unsicherheiten auslösen. Der Alltag bringt dann mitunter ganz konkrete Stolpersteine mit sich: Körperhygiene und daraus entstehende Zusammenbrüche, Änderungen von Plänen, soziale Situationen oder das Spielen mit anderen Kindern.
Der Bundesverband Autismus Deutschland empfiehlt Eltern, sich Zeit zu geben, sich über Autismus zu informieren und den Austausch mit anderen betroffenen Eltern zu suchen. Eine wichtige Ressource ist dabei die eigene Kenntnis des Kindes – und das, was die Familie bereits gemeinsam bewältigt hat. Ein Elternratgeber informiert über mögliche Verhaltensweisen autistischer Kinder und gibt erste praktische Tipps. Elternkurse bieten dafür einen geschützten Rahmen, niedrigschwellige Online-Fortbildung und Austausch auf Augenhöhe.
Auch eine Autismustherapie kann beantragt werden. Sie soll eine autismusspezifische und ganzheitliche Förderung ermöglichen, die sich in den Familienalltag übertragen lässt. Autismustherapeutinnen und -therapeuten beraten außerdem Eltern, Lehrkräfte und das weitere Umfeld im Umgang mit dem Kind.
Weil Therapieplätze mitunter lange auf sich warten lassen, können Eltern mit dem Kinderarzt über zusätzliche oder alternative Leistungen der Krankenkasse sprechen. Genannt werden Frühförderung, Ergotherapie, Psychotherapie und Logopädie.
Für die Entlastung der Bezugspersonen kommen außerdem Pflegeleistungen infrage. Eine Pflegestufe beziehungsweise ein Pflegegrad kann neben Pflegegeld auch Pflegesachleistungen und Verhinderungspflege ermöglichen. Damit lässt sich eine Betreuung des Kindes finanzieren, die Eltern zwischendurch Luft verschafft. Ein Schwerbehindertenausweis kann unter anderem steuerliche Nachteilsausgleiche ermöglichen.
Auf der Internetseite des Bundesverbands gibt es zudem eine nach Kategorien geordnete Literaturliste mit Büchern zum Thema Autismus. Materialien zur Aufklärung von Geschwisterkindern sind in der Kategorie „Geschwisterkinder“ aufgeführt. Kostenlose Flyer und Broschüren richten sich an weitere Bezugspersonen und Stellen – praktisch, wenn im Alltag nicht jedes Gespräch bei null anfangen soll.
