Heute, am 26. September 2026, ist in Berlin Geld für ein Forschungsprojekt geflossen, das für Bautzen und die sächsische Bauforschung einiges verändern soll: Bundesbauministerin Verena Hubertz übergab rund 3 Millionen Euro für den Aufbau des Deutschen Forschungszentrums für zukunftsfähiges Bauen (DFZ Bau). Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg erhalten jeweils rund 1 Million Euro.

Für Sachsen nahmen Staatskanzleichef Dr. Andreas Handschuh und Prof. Dr.-Ing. Viktor Mechtcherine von der TU Dresden an der Übergabe teil. Der Freistaat ist damit nicht nur finanziell, sondern auch wissenschaftlich sichtbar vertreten. Die Fördermittel sollen die weitere organisatorische Entwicklung des Bundesforschungszentrums für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen vorbereiten.

Bautzen wird Sitz von Verein und Geschäftsstelle

Vereinssitz und Geschäftsstelle des DFZ Bau werden in Bautzen angesiedelt. Landrat Udo Witschas begrüßte die Fördermittel: Sie ermöglichten den Aufbau der Forschungszentrumsstruktur und den Beginn erster Projekte. Der Standort soll Forschung, Innovation und Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiges Bauen fördern – und zugleich die überregionale Sichtbarkeit der Region stärken.

Das Zentrum soll sich unter anderem mit Klimaneutralität, Ressourcenschonung und innovativen Ansätzen für die Baupraxis befassen. Forschungsergebnisse sollen nicht in Schubladen verschwinden, sondern in realen Projekten erprobt und anschließend in den Markt überführt werden. Geplant ist, Forschungslücken zu schließen und die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Verwaltung zu verbessern.

Beschlossen worden war das „Bundesforschungszentrum für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen“ noch von der Ampel-Regierung unter Olaf Scholz. Nach Verzögerungen ist der Vertrag für die Einrichtung in Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg nun in Berlin unterzeichnet worden. Für Thüringen setzte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Teichert seine Unterschrift darunter.

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Weimar, Bautzen und ein gemeinsames Netzwerk

Mit dem Vertrag können Geschäftsstellen in Weimar und Bautzen gegründet werden. Sie sollen die Arbeit örtlicher Forschungseinrichtungen in den drei Bundesländern koordinieren. Der Bund und die drei Gründungsländer sollen gleichberechtigte Mitglieder des im kommenden Jahr zu gründenden eingetragenen Vereins werden.

Für die Aufbaujahre 2026 bis 2028 sind im Bundeshaushalt 52,5 Millionen Euro vorgesehen. Thüringen beteiligt sich zusätzlich mit Infrastruktur und Personal. Ab Anfang 2026 waren erste pilotartige Forschungsprojekte geplant; der Aufbau beginnt mit einer pilothaften Förderung von drei Forschungsclustern, an denen Forschungseinrichtungen, Praxispartner und Kommunen beteiligt sind.

Aus Thüringen kommen als Kooperationspartner die Bauhaus-Universität Weimar, die Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) gGmbH und die Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) Weimar hinzu. Zu den Schwerpunkten gehören die klimaneutrale Sanierung von Bestandsgebäuden, digitale Bauprozesse und kreislaufgerechtes Bauen. Über das Innovationszentrum Bau in Weimar beteiligt sich Thüringen außerdem an wichtigen Geschäftsstellenfunktionen.

Dass es überhaupt so lange gedauert hat, lag am vorzeitigen Ende der Ampel-Regierung. Wegen der vorgezogenen Bundestagswahl war der Bundeshaushalt zunächst nicht verabschiedet worden, die Ansiedlung in Ostdeutschland geriet ins Stocken. Der damalige Ostbeauftragte und amtierende Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) setzte sich im Frühjahr erneut für das Millionenprojekt ein. Thüringen sollte auch von weiteren Vorhaben der früheren Ampel-Regierung profitieren. Anfang Oktober wurde allerdings bekannt, dass die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI) nicht wie geplant nach Erfurt kommt. Nach einem Konzept von 2024 waren für die DATI bis einschließlich 2029 rund 96,82 Millionen Euro für Personal- und Sachkosten vorgesehen.

Ein Dach für die Bauforschung

Das Bundesforschungszentrum für klimaneutrales und ressourcenschonendes Bauen, kurz BFZ, soll mehrere Standorte in Deutschland verbinden. Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, unterzeichnete dazu gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg eine Eckpunktevereinbarung.

Der Auftrag zur Gründung und Finanzierung steht im Koalitionsvertrag und setzt einen bereits in der vorherigen Legislaturperiode begonnenen Prozess fort. Das Konzept wurde vom Haushaltsausschuss des 20. Deutschen Bundestages gebilligt. Dahinter steht ein Netzwerk mit dezentralen Standorten: Die Aufgaben sollen an den Standorten der Gründungsländer wahrgenommen werden, statt eine einzige zentrale Forschungseinrichtung aus dem Boden zu stampfen.

In Bautzen soll die Forschung zum klimaneutralen Bauen dauerhaft verankert werden. Die Landesstandorte dienen als Verbindung zu den Forschungseinrichtungen ihrer jeweiligen Länder. Gearbeitet werden soll an bestehenden Einrichtungen oder auf deren Grundlage – vorhandene Expertise und Reputation bleiben damit nutzbar, Doppelstrukturen sollen vermieden werden.

Baden-Württemberg bringt Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsakteure ein, insbesondere für kreislaufgerechtes Bauen und digitale Methoden. Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sind gleichberechtigte Gründungsmitglieder; wissenschaftliche Einrichtungen dieser Länder sollen ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehören.

Inhaltlich geht es um weniger Ressourcenverbrauch im Bauwesen, CO₂-arme Baustoffe und Bauverfahren sowie zirkuläre und ressourceneffiziente Bauweisen. Außerdem soll die Bauforschung in Deutschland gebündelt und der Innovationstransfer zwischen Forschung und Bauwirtschaft verbessert werden. Die Verbundstruktur lässt unterschiedliche Formate für neue Forschungsfragen zu – je nachdem, ob gerade ein Labor, eine Baustelle oder eine Kommune den entscheidenden Hinweis liefert.

Begleitet und evaluiert werden soll der Aufbau von einem international besetzten Wissenschaftsgremium. Das BFZ soll außerdem die internationale Sichtbarkeit und Vernetzung der deutschen Bauwirtschaft stärken. In Bautzen bekommt diese große Idee nun eine konkrete Adresse, eine Geschäftsstelle und hoffentlich bald auch Projekte, bei denen man nicht nur über nachhaltiges Bauen redet, sondern es auf der Baustelle tatsächlich ausprobiert.