Strömender Regen, nasse Lenker und trotzdem mehr als 200 Menschen auf Fahrrädern: Am Sonntag, 20. September 2026, radelten Kinder, Eltern und Unterstützer durch Dresden. Anlass war der Weltkindertag. Die Demonstration „Kidical Mass“ stand unter dem Motto „Die Zukunft fährt Rad“.

Der von der Polizei begleitete Fahrradkorso startete am Kulturpalast, führte über rund acht Kilometer durch die Stadt und endete auch dort wieder. Die Kleidung wurde schwer, die Straßen glänzten, aber die Botschaft blieb klar: Kinder brauchen sichere Wege zur Schule und im Alltag – und zwar solche, die sie selbstständig nutzen können.

Wenn der Schulweg zur Mutprobe wird

Aufgerufen hatte der ADFC Dresden. Der Verein fordert sichere und durchgängige Fahrradwege sowie bessere Radwege für Kinder. ADFC-Vorstandsmitglied Juliane Mostertz erklärte, Kinder könnten sich in Dresden vielerorts noch nicht selbstverständlich selbstständig und sicher mit dem Fahrrad bewegen.

Die Schwachstellen liegen laut ADFC vor allem in fehlenden Verbindungen im Radwegenetz, unübersichtlichen Kreuzungen und Straßen, auf denen sich Familien unsicher fühlen. Gerade auf Schul- und Alltagswegen klaffen Lücken. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Können Kinder hier allein sicher fahren – und würden Eltern ihr eigenes Kind dort allein fahren lassen?

Viele Eltern trauen ihren Kindern den Schulweg mit dem Fahrrad derzeit noch nicht zu. Das ist kein Bauchgefühl ohne Grund: Wo Radwege plötzlich enden, Kreuzungen schwer einsehbar sind oder Autos dicht vorbeifahren, wird aus einem kurzen Weg schnell eine tägliche Zitterpartie.

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Eine Dresdner Demo mit weltweiter Verbindung

Die Dresdner Kidical Mass war Teil der internationalen Aktionswochen „Straßen sind für alle da“. In Hunderten Städten und Gemeinden weltweit finden Fahrraddemonstrationen für kinderfreundliche und lebenswerte Straßen statt. Der ADFC Dresden dankt den teilnehmenden Kindern, Familien und Mitradelnden.

Am Rand der Veranstaltung ging es damit nicht nur um eine einzelne Strecke durch Dresden. Es ging um die ganz praktische Frage, ob Kinder ihren Schulweg ohne Begleitung bewältigen können – mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit anderen umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Für viele Familien entscheidet sich das an einer Kreuzung, einem fehlenden Schutzstreifen oder an der Sicht auf die nächste Fahrbahn.

Was sichere Schulwege zusätzlich brauchen

Die Deutsche Verkehrswacht will sich gemeinsam mit Landesverkehrswachten und Partnern für sichere, selbstständige und kindgerechte Schulwege einsetzen. Vorgeschlagen werden regelmäßige Schulwegtrainings in Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen, Polizei und Verkehrswachten. Auch der motorisierte Bring- und Holverkehr soll zurückgehen – etwa durch Elternhaltestellen in größerer Entfernung, Informationskampagnen und zeitweise Zufahrtsbeschränkungen.

Für jede Schule sollen individuelle Schulwegkonzepte entstehen, an denen Schulen, Kinder, Eltern, Polizei und Kommunen beteiligt sind. Dazu gehören die systematische Erfassung und Bewertung örtlicher Gegebenheiten und Gefahrenstellen, standardisierte Schulwegpläne und ein Kriterienkatalog zur Bewertung der Schulwegsicherheit.

Auf der Straße könnten Verkehrsberuhigungen, Tempo-30-Regelungen, sichere Querungshilfen und Schulstraßen helfen. Genannt werden außerdem verbesserte Gehwege, eine bessere Beleuchtung im Schulumfeld sowie sichere, möglichst baulich getrennte Radwege. Querungen, Sichtachsen und Fahrradabstellmöglichkeiten sollen ebenfalls verbessert werden.

Einige dieser Maßnahmen werden laut Beschluss bereits regional umgesetzt. Ein flächendeckendes und verbindliches Gesamtkonzept fehlt bislang jedoch. Vor Schulen entstehen durch hohes und häufig unübersichtliches Verkehrsaufkommen sowie durch „Elterntaxis“ gefährliche Situationen. Kinder sind wegen ihrer körperlichen und kognitiven Entwicklung im Straßenverkehr besonders gefährdet.

Vielerorts fehlen klare Schulwegführungen, geschützte Querungen, abgestimmte Schulwegpläne und sichere Radwege. Die Folge: Kinder gehen oder fahren seltener selbstständig zur Schule und werden häufiger mit dem Auto gebracht – wodurch das Verkehrsaufkommen weiter steigt. Eine sichere eigenständige Mobilität soll neben der Verkehrssicherheit auch Selbstständigkeit, Gesundheit und soziale Entwicklung fördern.

Das geplante Gesamtkonzept der Verkehrswacht soll deshalb Prävention, Verkehrsplanung, Bildung und Infrastruktur verbinden und das Zufußgehen sowie Radfahren fördern. Bis dahin bleibt in Dresden die Frage vom nassen Sonntag im September hängen: Würde man das eigene Kind diese Strecke allein fahren lassen?