In Chemnitz soll sich auf einer bislang eher stillen Fläche wieder etwas bewegen: Die Bauarbeiten für das Wohnprojekt „Moritz am Park“ in der Neuen Johannisvorstadt werden nach mehrjähriger Pause fortgesetzt. Ab Mitte November 2026 will der Projekt- und Gebietsentwickler BPD zwischen Bahnhofstraße und Moritzstraße weiterbauen.

Bürgermeister Thomas Kütter gab das am 11. November am Rande der Pressekonferenz zur Stadtratssitzung bekannt. Die Stadt Chemnitz begrüßt den Neustart. Zuletzt hatten Archäologen auf dem Gelände gearbeitet, danach verwilderte die Fläche zunehmend. Für die Innenstadt ist das Vorhaben nicht bloß ein weiterer Bauzaun: Es soll den zentralen Stadtbereich mit dem Johanniskarree verbinden und möglicherweise zusätzliche Investitionen anstoßen.

Ein Stadtplatz, Wohnungen und Gewerbe

BPD hält trotz der weiterhin schwierigen Marktbedingungen an den ursprünglichen Plänen fest. In den kommenden zweieinhalb Jahren soll das Areal an der Hermann-Fürstenheim-Straße umgestaltet werden. Vorgesehen ist ein neuer Stadtplatz, umgeben von hochwertiger Wohnbebauung. Dazu kommen 143 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten.

Dass sich der Baustart so lange hingezogen hat, lag an gestiegenen Zinsen, hohen Baukosten und einem veränderten Investitions- beziehungsweise Immobilienmarkt. Die Rechnung für große Projekte war damit schlicht eine andere als noch zu Beginn. Nun soll auf dem Gelände wieder gearbeitet werden – mit einem Konzept, das im Kern unverändert geblieben ist.

Zum Vorhaben gehört auch die Baugrube neben dem Simmel-Markt an der Hospitalstraße. Der bei den Bauarbeiten anfallende Erdaushub soll dort zum Verfüllen der vorhandenen Grube verwendet werden. Anschließend wird der Bauzaun zurückgebaut. Das Grundstück soll bis zu einer weiteren Entwicklung gesichert werden; zugleich soll das Erscheinungsbild des Areals vorübergehend aufgewertet werden. Weniger Brachfläche, weniger Provisorium – immerhin.

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Wohnungsbau zwischen Schwankungen und Aufholbedarf

Wie groß ein Projekt mit 143 Wohnungen im Chemnitzer Baugeschehen ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2021 wurden jährlich 210 Baugenehmigungen für neue Wohngebäude erteilt. 89 Prozent davon betrafen Ein- oder Zweifamilienhäuser.

Bei den Mehrfamilienhäusern gab es dennoch einen deutlichen Anstieg. Bis 2011 lag die Zahl durchschnittlich im einstelligen Bereich pro Jahr, 2016 und 2017 wurden jeweils 35 genehmigt. 2018 waren es 23, 2019 noch 16. In den Jahren 2020 und 2021 erhielten insgesamt 75 Wohngebäude mit mindestens drei Wohnungen eine Genehmigung – darin waren 1.618 Wohnungen vorgesehen.

2021 wurde damit die höchste Zahl genehmigter Wohnungen seit mehr als 20 Jahren erreicht. Rund 60 Prozent der genehmigten Wohnungen hatten mindestens vier Räume, viele sogar fünf oder mehr. Zuletzt wurden allerdings wieder verstärkt kleinere Wohnungen genehmigt.

Die genehmigte Wohnfläche lag 2021 bei rund 90.000 Quadratmetern und damit ähnlich hoch wie von 2018 bis 2020. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2011 – 46.000 Quadratmeter – war das doppelt so viel. Den bisherigen Spitzenwert verzeichnete Chemnitz 2016 mit mehr als 101.000 Quadratmetern genehmigter Wohnfläche.

Genehmigt heißt noch lange nicht fertig

Auf der Baustelle selbst sah die Entwicklung etwas nüchterner aus. 2021 wurden 368 Wohnungen fertiggestellt, rund 20 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020, als etwa 460 Wohnungen pro Jahr entstanden. Mit zwölf fertiggestellten Mehrfamilienhäusern wurden 2021 außerdem die wenigsten seit 2017 gezählt. In den sechs Jahren bis 2021 wurden allerdings insgesamt mehr als 100 Mehrfamilienhäuser fertiggestellt, wobei auch Sanierungen enthalten sind.

Die fertiggestellte Wohnfläche erreichte 2021 rund 65.000 Quadratmeter – den zweithöchsten Wert seit 2005. Wegen der hohen Zahl an Baugenehmigungen wurde zunächst erwartet, dass sich dieser Trend 2022 und 2023 fortsetzen würde. Wie es weitergeht, blieb angesichts steigender Baupreise und Zinsen offen. Die Verzögerungen bei „Moritz am Park“ passen in dieses Bild, auch wenn jedes Projekt seine eigene Geschichte hat.

Seit den starken Bautätigkeiten um die Jahrtausendwende war das Baugeschehen zunächst zurückgegangen. Von 2005 bis 2014 wurden durchschnittlich nur rund 320 Wohnungen pro Jahr genehmigt. Zwischen 2015 und 2021 stieg der Jahresdurchschnitt auf knapp 650 genehmigte Wohnungen.

Fertiggestellt wurde traditionell weniger, die Entwicklung verlief aber ähnlich: Von 2005 bis 2014 entstanden durchschnittlich 265 Wohnungen pro Jahr, ab 2015 waren es im Schnitt 390. Über einen Zeitraum von zehn Jahren wurden rechnerisch etwa drei Viertel der beantragten beziehungsweise genehmigten Wohnungen tatsächlich fertiggestellt.

Im Zeitraum 2011 bis 2020 wurden 4.765 Wohnungen genehmigt. Im um ein Jahr verschobenen Zeitraum 2012 bis 2021 wurden 3.546 Wohnungen fertiggestellt. Von 2008 bis 2023 entstanden in Chemnitz insgesamt 4.885 Wohnungen im Wohnungsneubau. Die Statistik erfasst dabei ausschließlich neu gebaute Wohnungen; Sanierungen bestehenden Wohnraums sind nicht berücksichtigt.

Kaßberg vorn, Plattenbauviertel kaum dabei

Mehr als die Hälfte des Wohnungsneubaus von 2008 bis 2023 entfiel auf acht Stadtteile. Am Kaßberg entstanden 465 Wohnungen, in Rabenstein 400 und in Adelsberg 392 – dort überwiegend Einfamilienhäuser. Altendorf kam auf 334 Wohnungen, Schloßchemnitz auf 266, Bernsdorf auf 236, Glösa-Draisdorf auf 227 und Ebersdorf auf 213.

In Stadtteilen mit umfangreicher Plattenbausubstanz blieb der Neubau dagegen punktuell oder nahezu aus: Im Yorckgebiet wurden zwölf Wohnungen gebaut, in Kappel sieben, im Lutherviertel keine. Zwischen historischen Baustellen, neuen Stadtplätzen und alten Baugruben zeigt sich damit ein Chemnitz, das sich nicht überall gleich schnell verändert. An der Hermann-Fürstenheim-Straße soll es ab Mitte November 2026 nun wieder losgehen – erst einmal mit Erdbewegungen, Bauzaun und viel Platz für das, was dort in den nächsten zweieinhalb Jahren wachsen soll.